Klartext: Unmenschlich

Fulda aktuell-Redakteurin kommentiert die Diskussion um die Sea Watch 3-Kapitänin Carola Rackete.

Rund ein Jahr ist es her, dass „Lifeline“-Kapitän Claus-Peter Reisch international Schlagzeilen machte, nachdem er Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hatte. Für viele Zeitgenossen eine Straftat, für mich dagegen eine Handlung, die keiner Diskussion bedarf. Jetzt macht wieder eine Deutsche Schlagzeilen, weil sie Menschen rettete: Kapitänin Carola Rackete musste sich in Italien dafür verantworten, dass sie nach 16-tägiger Irrfahrt in einen italienischen Hafen eingelaufen war ­ ­– ohne Genehmigung. 40 Geflüchtete hatte die „Sea Watch 3“ aus dem Mittelmeer gerettet. Kritiker sagen, Rackete hätte den nächsten libyschen Hafen anlaufen können. Doch dies würde gegen die Genfer Flüchtlingskonventionen verstoßen. Wenn im Schwimmbad oder im Badesee ein Mensch zu ertrinken droht, würden Sie dann überlegen, ob Sie helfen? Ich denke nicht. Welchen Unterschied macht es also, wenn Menschen auf dem Mittelmeer treiben, die offensichtlich vor Krieg und Gewalt fliehen und den letzten Ausweg in der Flucht über das lebensgefährliche Meer sehen?

Ich bin entsetzt über die aktuelle Diskussionen. Unmenschlich und feige – diese Attribute beschreiben sie in meinen Augen sehr treffend. Für mich hat in diesem Punkt die Politik völlig versagt. Wenn Menschen für lebensrettende Maßnahmen juristische Folgen zu erwarten haben, dann stimmt etwas in unserer Welt nicht. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Freiheit ohne Krieg, ohne Gewalt und ohne Angst. Wer anderer Meinung ist, hat die Grundrechte in unserem Land nicht verstanden.

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