Klartext: Vorbild? Fehlanzeige!

Hat er sich – und uns – das antun müssen? Ich meine den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff und seinen "Großen Zapfenstreich". Auf

Hat er sich – und uns – das antun müssen? Ich meine den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff und seinen "Großen Zapfenstreich". Auf mich wirkt das oft wie eine antiquierte Zeremonie, die mir mit Fackeln haltenden Soldaten in anbrechender Dunkelheit fast schon Angst macht. In diesem Falle waren meine Gefühle allerdings weniger  von Angst geprägt, sondern von Unbehagen – gepaart sogar mit Mitleid. Letzteres Gefühl löste sich schnell in Wohlgefallen auf, als ich mir ins Gedächtnis rief, wie Wulff vor seinem Rücktritt mit der Situation umgegangen ist und wie er sich danach gebärdete: Ehrensold, Forderungen nach Büro, Dienstwagen und Sekretärin ... und er hat nicht verzichtet.

Er hat den Deutschen kein Vorbild in Sachen Bescheidenheit gegeben, keines in Sachen Ehrlichkeit und keines in Sachen Ehre. Das sahen wohl auch die zahlreichen Demonstranten mit "Schande"-Rufen und Vuvuzelas so – und vielleicht auch die vielen geladenen Gäste, die der Verabschiedung eines in Un-Ehren geschiedenen Staatsoberhauptes fernblieben. Auf der anderen Seite könnte man sagen, dass er uns einfach den Spiegel vorgehalten hat.

Hat nicht jeder schon einmal einen gefundenen 10-Euro-Schein behalten, sich Geld bei Freunden geliehen, sich zum Urlaub einladen lassen? Was mich dann aber besonders stört, ist, dass wir Bürgerinnen und Bürger, deren Vertrauen in Politiker jeglicher Couleur sowieso nicht besonders ausgeprägt ist, gezeigt bekommen, dass "moralische Instanzen", wie es ein Bundespräsident sein sollte, ebenso fehlbar sind. Wie sollen wir dann noch Ehrlichkeit und Redlichkeit als Tugenden oder Werte für unser eigenes Leben sehen, wenn es uns andere ständig auf andere Art vorleben? Das sind nicht nur Politiker, sondern auch kiffende Kinostars, prügelnde Prinzen, rabiate Rock-Ikonen und pädophile Priester.

Ich kann nur hoffen, dass die meisten unter uns "einfachen Menschen" soviel Ehre im Leib haben, sich nicht an den Möchtegern-Vorbildern zu messen, sondern Wert auf die eigene Persönlichkeit legen und im eigenen Leben richtig handeln.

Dass unser Ex-Bundespräsident kein Ehrgefühl besitzt, wissen wir inzwischen zur Genüge. Schlagen wir das Buch zu, machen wir den Weg frei – denn alles was nachkommt, kann nur besser sein!

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