Klartext: Wahl oder Qual mit Wahl-o-Mat und Co.?

Im Selbsttest hat Redakteur Christopher Göbel im Internet diverse Hilfen für unentschiedene Wähler ausprobiert.

Am 24. September ist Bundestagswahl. Als Bürger stehen wir dann wie alle vier Jahre vor einer Entscheidung, wie die Politik in der nächsten Legislaturperiode aussehen könnte. Versprechen geben die Politiker alle, ob und inwieweit sie gehalten werden (können), steht in den Sternen.

Es scheint drei Wochen vor dem Urnengang dem Großteil der Wahlberechtigten noch nicht klar zu sein, wem sie ihre Stimmen (Erst- und Zweitstimme) geben sollen. Doch das Internet bietet –angeblich – Hilfe. Der „Wahl-o-Mat“ beispielsweise oder das „Wahl-Navi“ vom Privatsender „RTL“. Den „Wahl-o-Mat“ konnte ich selbst leider nicht ausprobieren. Erst funktionierte er gar nicht, dann wurde mir nach Frage 3 „Service is temporarily unavailable“ angezeigt. Also probierte ich den von „RTL“ aus. Der funktionierte immerhin.

Ich wühlte mich durch den Fragen-Dschungel, den man sich – sofern man ein halbwegs authentisches Bild haben möchte – wirklich sorgfältig durchlesen und verstehen muss. Ich gebe es zu: Ich war etwas schnell unterwegs, denn einige der Fragen konnte ich ganz gut beantworten. Testweise einige nach meinem eigenen Gewissen, andere so, wie ein Andersdenkender antworten würde. Mich wunderte es ein wenig, dass man die Parteien selbst sowie deren Spitzenkandidaten bewerten musste. Wer Merkel blöd findet, dürfte wahrscheinlich auch kein eingefleischter CDU-Anhänger sein. Und wer Wagenknecht mag, wird wohl eher nicht die AfD wählen. Nun gut, am Ende kam ein vollkommen unklares Bild heraus, das mir bei der Entscheidung in der Wahlkabine auch nicht helfen wird.

Ich habe das Ganze dann noch einmal mit wirklichen Gewissensentscheidungen durchgezogen – mit einem ähnlichen Ergebnis. Etwas eigenartig war für mich, dass das System sehr viel von mir wissen wollte, was an sich gar nichts mit einem Ergebnis zu tun haben kann: Alter, Staatsbürgerschaft, Wahlkreis, Geschlecht... Unter Datenschutz-Aspekten könnten diese Wahl-Spielereien potenziell gefährlich sein. Und dass man das „Ergebnis“ auch noch per Klick auf der eigenen „Facebook“-Seite posten kann, macht die Farce komplett. Eine Wahl muss laut Grundgesetz geheim sein.

Später am Tag ging dann auch der "Wahl-o-Mat". Das Ergebnis: Ähnlich dem des anderen Systems, aber dennoch nicht wirklich das, was ich erwartet hatte.

Dass man bei Politikern vom Ortsbeirat bis zum Bundespräsidenten weiß, was er oder sie wahrscheinlich wählen werden, muss dem Normalbürger aber kein Beispiel sein. Das Kreuzchen macht man geheim, was man postet, ist öffentlich. Und ganz ehrlich: Wer sich auch nur ein bisschen für die aktuelle Politik interessiert, wird wissen, welche Partei welche Meinungen vertritt. Und der braucht auch keine Spielerei, um im Wahllokal seine Kreuzchen zu machen.

Aber: Wer meint, eine Wahlhilfe zu benötigen, kann sich die diversen, vorgeblich von Politikwissenschaftlern erstellten, Fragenkataloge anschauen. Und steht dann hoffentlich nicht so ratlos da, wie ich beim „Wahl-Navi“-Selbsttest.

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