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Klartext: Die wahren Helden der Coronakrise

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Von: Christopher Göbel

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Redakteur Christopher Göbel und seine Gedanken über die wahren Helden der Coronakrise: Unsere Kinder.

Es gibt Helden der Coronakrise, die gar nicht so sehr auffallen. Nicht, weil sie etwas besonderes tun, sondern weil sie zum Nichtstun verdonnert sind. Ich rede von unseren Kindern. Seit vielen Wochen sitzen sie zumeist zuhause, werden digital beschult und ertragen die ganzen Corona-Einschränkungen oft ohne Murren. Sie sind getrennt von ihrem kompletten sozialen Umfeld (außerhalb der Familie), ihr ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt. Und selbst Familien sind derzeit oft auseinandergerissen, denn nicht immer wohnen Enkel und Großeltern unter einem Dach. Der oftmals enge Kontakt zu Oma und Opa ist ebenfalls stark eingeschränkt oder überhaupt nicht vorhanden.

Konfirmationen fallen aus, Erstkommunion gab es auch nicht. Keine Schule bedeutet auch, dass die wichtige Brücke zu Freunden und Klassenkameraden abgeschnitten ist. Wer keine Geschwister hat, sitzt oft ganz allein zuhause und muss sich mit sich selbst beschäftigen. Es gibt zum Glück Möglichkeiten, den Kontakt zu Gleichaltrigen marginal aufrecht zu erhalten. „Wir gehen zusammen live“, heißt es da von meiner 13-jährigen Tochter. Ab und zu Videotelefonieren hilft auch ein bisschen dabei, mit den BFFs (Best Friends Forever) in Kontakt zu bleiben.

Ich bin mir sicher, dass die Schule oder die KiTa nicht zu unterschätzende Faktoren für die soziale Entwicklung unserer Kinder sind. Zwar wird bereits über Lockerungen diskutiert und die Schulen sind bereits für die älteren Jahrgänge geöffnet, aber ob es in diesem Schuljahr noch zu geregeltem Unterricht kommt, wage ich zu bezweifeln. Die Unsicherheit, wann die Schule für die eigenen Kinder wieder losgeht und vor allem, auf welche Weise das passieren wird, ist nicht nur bei uns Eltern groß.

Keine Hobbys mehr

Unsere Kinder müssen damit leben, dass ihre Hobbys seit Mitte März nicht mehr stattfinden können. Sport oder Musik fallen flach. Mancherorts wird zumindest Musikunterricht per Video-Übertragung gehalten. Beim Sport geht das schlecht. Unsere Kinder vermissen, sich mit Freunden in der Stadt zu verabreden. Sie vermissen Oma und Opa und sie vermissen es, das tun und lassen zu können, was sie vor der Coronakrise tun und lassen konnten.

Die meisten unter uns Erwachsenen können sich nicht an eine ähnliche Lebenssituation erinnern. Vielleicht ein ganz kleines bisschen vergleichbar wäre Tschernobyl, als wir nicht auf Spielplätze gehen durften und auch nicht rausgehen sollten, wenn es regnete. Aber das ist mit dem sozialen Shutdown der Coronakrise nicht wirklich zu vergleichen.

Einsame Geburtstagsfeiern

Wer genau in der jetzigen Zeit Geburtstag hat, kann nicht mit Freunden feiern. Es dürften einsame Geburtstage sein, die unsere Kinder jetzt ertragen müssen. Es fällt Vieles flach und weil unsere Kinder sich mit der Situation arrangiert haben, ohne in Panik zu verfallen, Toilettenpapier zu horten oder gegen jede Maßnahme aufzubegehren, wie wir Erwachsene das oft tun, sondern weil sie sich in ihr Schicksal fügen und bestenfalls die umfangreich verlängerten Osterferien (noch) genießen, sind unsere Kinder meine Helden der Coronakrise.

Ich drücke Euch die Daumen, dass sich bald alles wieder normalisiert und ihr nach Corona einfach wieder Kinder sein dürft.

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