Klartext: Was die CDU mit Udo Lindenberg zu tun hat

Fulda aktuell-Redaktionsleiter Bertram Lenz beleuchtet die Situation der CDU
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Fulda aktuell-Redaktionsleiter Bertram Lenz beleuchtet die Situation der CDU

Mitglieder der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, gelten seit jeher als angepasst und brav. In der Vergangenheit war es daher eher selten, dass bei JU-Deutschlandtagen derart schonungslos Klartext geredet wurde wie am vergangenen Wochenende. Ein Phänomen, das bitter nötig war, denn durch die Union muss „ein Ruck gehen“, wie dies einmal der frühere Bundespräsident Roman Herzog 1997 für das ganze Land gefordert hatte. Kurz, die Abrechnung war gut und wichtig und vom Zeitpunkt her genau richtig.

Fulda Denn die Veranstaltung in Münster hat aufgezeigt, an was es der CDU mangelt. Der Text des aktuellen Liedes von Udo Lindenberg vermag da ein wenig Hilfestellung zu bieten:

„So viele Kreuzungen, wo du stehst,

Auf der Suche nach dem Sinn

Dann kommst du ins Schleudern

Und nichts geht mehr“. (Kompass)

Will sagen, der CDU fehlt ein Kompass, ein Richtungsgeber, der die Partei anweist, wohin die Reise geht. Und das nicht als Übergangslösung, sondern als durchsetzungsfähiger Charakterkopf, der sich auch von einem Markus Söder nicht am Nasenring durch die Manege führen lässt wie ein Tanzbär. Was der CSU-Chef von der viel zitierten Geschlossenheit hält, war bei der JU-Veranstaltung zu erkennen, als der Zusage eine Absage mit eher fadenscheiniger Begründung folgte. Ein Verhalten, das man auch Feigheit nennen könnte.

Offen bleibt weiter die Frage, wer für die CDU den Karren aus dem Dreck ziehen könnte. Denn jetzt rächt sich auch, was seitens der Partei jahrelang versäumt wurde: Hinter Angela Merkel junge, frische Köpfe aufzubauen, die fähig sind, parteipolitische Grenzen zu überwinden und Brücken zwischen den unterschiedlichsten Interessenvertretern zu bauen. Und die ein Gespür dafür besitzen, was eine „Volkspartei“ ausmacht und wie diese tickt.

Konstatieren aber muss man, dass die CDU schon seit einiger Zeit die Gänze der Gesellschaft nicht mehr erreicht, weil sie sich im Kreis und um die Fragen dreht(e), wer Parteivorsitzender und wer Kanzler kann. Jenseits der Debatten ums Personal blieb die Tagespolitik ebenso auf der Strecke wie der Blick in die Zukunft. Mit der Entscheidung aber, mit wem die Erneuerung – in der Opposition! – gelingen soll, darf nicht mehr allzulange abgewartet werden.

„MIT“-Bundesvorsitzender Carsten Linnemann wäre in meinen Augen so jemand, der durchaus fähig wäre, die Partei in den kommenden Jahren zu führen. Und der, nicht zuletzt nach seinem überzeugenden Auftreten bei der JU in Münster, die Parteijugend hinter sich weiß. Auch, weil er selbst erst 44 ist. „Spiegel Online“ zumindest hat ihn am Donnerstag zum „Joker“ gekürt.

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