Klartext: Websurfer mit Windeln ?!

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Redakteur Christopher Göbel über die Studie, die bereits jeden zehnten Dreijährigen als Internetnutzer beschreibt. Ist das unsere Zukunft?

"Kinder in der digitalen Welt” heißt die aktuelle Studie des "Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet”, die medientechnisch bundesweit mit Schlagzeilen wie "Schon jeder zehnte Dreijährige ist im Internet” ausgeschlachtet wurde. Die Tatsache an sich klingt jedoch erstmal verwunderlich. Was macht ein dreijähriges Kind im Internet? Was will es da überhaupt? Was soll es dem Kind nützen?

Ich finde, dass Kinder bis mindestens zum Grundschuleintritt Dinge wie Internet, Computer, Spielkonsole oder Smartphone nicht brauchen. Für die Zeit bis dahin gibt es massenhaft kreative Spielsachen und Beschäftigungsmöglichkeiten ohne Stecker. Ich kann mir vorstellen, dass es Eltern gibt, die die Kleinsten einfach am Tablet spielen lassen, damit die Kids beschäftigt – und damit aus den Augen – sind. Das wäre aus meiner Sicht ein verwerflicher Grund für Websurfer mit Windeln. Das muss und sollte nicht sein.

Ab einem gewissen Alter ist der Zugang zu Computer und Smartphone für Kinder aber ein wichtiger Faktor, denn unser Nachwuchs wächst in einer digitalen Welt auf. In einer Welt, die sich technisch mit jeder Stunde weiterentwickelt. Die Grundschulkinder von heute werden andere Erfahrungen machen und andere Dinge wissen, als wir Eltern und Großeltern in diesem Alter. Das ist vollkommen normal und natürlich.

Wenn meine achtjährige Tochter aus der Schule kommt und mich bittet: "Papa, kannst du mir bitte Tierbilder im Internet suchen”, dann weiß ich, dass wir in einer anderen Zeit angekommen sind. Und dass auch die Lehrkräfte das Internet als Informationsmedium nutzen und den Kindern nahebringen. Das finde ich in Ordnung. Wir, die wir den Umgang mit digitaler Technik als Erwachsene mühsam lernen mussten, sollten uns freuen, dass unsere Kinder damit keine Probleme haben (werden).

Als Vater achte ich natürlich darauf, dass meine Tochter mit ihrem Smartphone nichts anstellt, was ich nicht möchte. Dafür gibt es bei uns klare Regeln. Ich muss dann fast täglich selbst entscheiden, inwieweit ich die Einhaltung dieser Regeln überprüfe, ohne die Privatsphäre meines Kindes zu verletzen. Das ist ein schmaler Grat, den zu gehen mir manchmal Bauchschmerzen macht. Zwischenmenschlich muss zwischen Eltern und Kindern mit Smarthpone & Co ein bestimmtes Vertrauensverhältnis herrschen. Dann bekomme ich nämlich freiwillig erzählt, mit wem sie über was schreibt.

Und natürlich müssen wir unsere Kinder nicht nur über den Nutzen, sondern auch über die Gefahren des Internets und von Chatprogrammen wie "Whatsapp” oder Sozialen Netzwerken wie "Facebook” aufklären. Das ist unsere Verpflichtung.

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