Klartext: Wehe dem, der alt wird

Über Missstände in Pflegeheimen und im Beruf des Pflegers.

Fulda - Der Beginn dieser Woche hatte einen bitteren Nachgeschmack. „Fulda aktuell“ berichtete über den Fall zweier junger Damen, die sich vor dem Amtsgericht Fulda „wegen des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen von zwei an Demenz erkrankten Personen“ verantworten mussten. Beide waren zum Tatzeitpunkt Auszubildende einer Pflegeeinrichtung für ältere Menschen. Und auch genau dort wurden diese Aufnahmen getätigt – im Speisesaal.

Die Angeklagten kamen mit einer Belehrung des Richters und einer Geldstrafe von je 500 Euro davon. Beide Frauen zeigten sich zwar einsichtig, doch wirft dieser Vorfall leider wieder einmal ein schlechtes Bild auf den Beruf des Altenpflegers.

„Festgeschnallt, wund gelegen und mit Medikamenten allein gelassen“: Wie häufig liest man solche Schlagzeilen? Um die Qualität in deutschen Pflegeheimen scheint es nicht immer zum Besten zu stehen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es hingebungsvolle Pfleger, die ihren Beruf mit Leidenschaft und Liebe ausüben. Menschen, die die Pflegebedürftigen als Familie betrachten und mit ihnen umgehen, als sei es die eigene Mutter oder der eigene Vater. Wie schlimm muss es für diese Personen sein, solche negativen Schlagzeilen über den eigenen Beruf zu lesen?

Jene, die Tag und Nacht für ihre Schützlinge da sind und sich nicht vorstellen können, dass manchen Menschen in Heimen so viel Leid widerfährt. Doch auch das System ist längst heiß gelaufen und Pfleger häufig überlastet. Ausbaden müssen das meist die Pflegebedürftigen.

Deutschlands Pflege hat seit einigen Jahren ein Nachwuchsproblem, und das liegt sicherlich auch an dem anstrengenden Job und den Negativschlagzeilen. Aber vor allem an der zu geringen Bezahlung. Verstanden hat dies im April diesen Jahres letztendlich auch das Bundeskabinett. Eine neue Verordnung soll die Mindestarbeitsbedingungen in der Pflegebranche verbessern und so die Attraktivität des Pflegeberufs steigern. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie ich finde.

Sollten nicht jegliche Berufe, in denen Menschen gepflegt werden, gut honoriert und wertgeschätzt werden? Schließlich wollen wir alle im Alter irgendwann einmal mit Respekt behandelt werden.

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