Klartext: Wehret den Anfängen!

Christopher Göbel zu den Vorfällen in Volkmarsen, Hanau und zum Thema Rassismus.

Redakteur Christopher Göbel zu Volkmarsen, Hanau und Rassismus in den Köpfen (zu) vieler Menschen.

Nach meinem „Zwischenruf“ (hier zu lesen) zu dem rechtsterroristischen Attentat von Hanau in der vergangenen Ausgabe von „Fulda aktuell“ hatte ich nicht gedacht, so schnell schon wieder darüber nachdenken zu müssen, was ein einzelner Mensch anrichten kann. Diesmal in Volkmarsen, einer Kleinstadt unweit von Kassel, in dem die Menschen einen fröhlichen Rosenmontag feiern wollten.

Der 29 Jahre alte Mann aus Volkmarsen raste mit seinem Kombi in die Menge, gab absichtlich Gas und verletzte insgesamt 61 Menschen, vom Kleinkind bis zu den Großeltern. Was trieb den Täter an? Betrunken war er nicht, es scheint eher so, als habe er die schreckliche Tat geplant und kaltblütig in Kauf genommen, Menschen zu töten. Es ist ein wahres Wunder, dass niemand sterben musste.

Gesinnung per Internet verkündet

Die Frage aber bleibt, wie solche Untaten verhindert werden können. Heute geben viele der späteren Attentäter vorher im Internet bekannt, was sie planen oder wie sie im Kopf ticken. Die sozialen Medien erlauben, dass jeder noch so hirnverbrannte Idiot seine Theorien verbreiten kann – egal wie rassistisch oder verrückt, weltfremd oder gefährlich sie sind. Es liegt auch in der Verantwortung der sozialen Netze wie „Youtube“, „Facebook“ oder anderen, solche öffentlich gemachten Aussagen, die strafrechtlich relevant sein könnten, an die Behörden zu melden, anstatt sie einfach zu löschen. Denn die Gesinnung des Postenden bleibt gleich, auch wenn der Post gelöscht wird. Er wird andere Wege finden, sich mitzuteilen und irgendwann –wie in Hanau oder Volkmarsen – aktiv werden und Menschen verletzen oder töten.

Natürlich will keiner von uns in einem Überwachungsstaat leben, aber hier muss auf dem schmalen Grat zwischen innerer Sicherheit und der Freiheit der Bürger gewandelt werden. Dem Staat stehen wahrscheinlich zu wenige Kräfte zur Verfügung, um intensiv im Internet nach potenziellen Rassisten oder Attentätern zu fahnden. Dass der Verfassungsschutz mit einem damaligen Chef wie Maaßen vielleicht das rechte Auge oftmals zudrückte, würde mich nicht wundern. Vielleicht ist auch jeder Einzelne von uns gefragt, auffällige Inhalte im Internet zu melden.

Rassismus ist keine latente Gefahr

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Rassismus in Deutschland keine latente Gefahr mehr darstellt, sondern ganz offen ausgelebt wird. Menschen wie der Faschist Höcke machen das braune Gedankengut in Teilen der Bürgerschaft gesellschaftsfähig. Das ist traurig, aber wahr. Wir dürfen nicht auf die Hetzreden und Hassparolen hereinfallen. Und wir müssen uns gemeinsam stark gegen rechten Terror, rechte Gewalt und rechte Gesinnung stellen. Spätestens seit den „NSU“-Morden müsste uns alle klar sein, dass die Gewalt von rechts offen zutage tritt. Dagegen müssen wir aufstehen, damit nicht noch mehr unschuldige Menschen allein aufgrund ihrer Nationalität, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion leiden oder gar sterben müssen.

Den Satz „Wehret den Anfängen“ habe ich in letzter Zeit häufiger im Internet gelesen. Und ich bete zu Gott, dass es dafür noch nicht zu spät ist. Ich fürchte jedoch, dass wir über die „Anfänge“ schon längst hinaus sind. Heute ist es umso wichtiger, dass alle demokratisch denkenden Menschen zusammenstehen. Für die Vernunft. Für die Vielfalt. Und für die Menschheit, damit sich Geschichte nicht wiederholt.

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