Klartext: "Wer steckte das Gutachten durch - und warum?"

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Unser Chefredakteur Rainer Hahne hat sich mit dem Thema "Sommerlad" und dem Gutachten, das für den geplanten Neubau erstellt wurde, beschäftigt.

Guten Tag Herr Michael Tillmann,

Sie sind der Chefredakteur einer Tageszeitung, die sich unabhängig, überparteilich nennt und auch gern seriös wirken möchte.

Da passt es eigentlich überhaupt nicht, dass Sie seit Wochen eine Pressekampagne gegen ein Möbelhaus fahren, dass nach dreißig Jahren am Standort eine Gewerbefläche an der Autobahn ausgesucht hat. Jetzt ist es nichts Neues, dass ein ­­­Möbler, der vor den Toren einer Stadt baut, in der Stadt für Aufregung sorgt – insbesondere wenn ein Flächennutzungsplan geändert werden muss. Doch was sich zur Zeit in Fulda tut, hat mit einer normalen Diskussion nichts mehr zu tun. Und Sie schreiben die einzelnen Schritte dieser Politposse immer schön eifrig mit.

Natürlich spielen auch Politiker eine tragende Rolle, die Ihnen unfertige Versionen von Gutachten gegen jede Absprache zugespielt haben. Wie schön Sie dann – gestützt auf diese erste Version, die für die Öffentlichkeit noch lange nicht bestimmt war, jubeln konnten: "Die Ohrfeige für Frank Sommerlad ist aber auch sowas von schallend laut!”Lieber Herr Tillmann, die Ohrfeige, die Sie auf der Pressekonferenz bekommen haben, war aber auch nicht von schlechten Eltern, denn die Gutachter haben klar gemacht, dass Sie sich über die Sommerlad-Ohrfeige ein wenig zu früh gefreut haben. Eine Innenstadtgefährdung sahen die Fachleute in ihrem Gutachten, das immer noch nicht in der Endfassung vorliegt, nicht. Klar und deutlich wurde, dass die erste Version mit angenommenen Zahlen durchgerechnet worden war. Erst später bekamen die Gutachter die aktuellen Zahlen aus dem Hause Sommerlad – bestätigt von einem Steuerberater. Die Aussage war dann klar und für Sie enttäuschend. Auswirkungen auf die Innenstadt wird es bei einer noch festzulegenden Fläche nicht geben. Ihr Zeitung hat das Familienunternehmen offensichtlich zu früh beerdigt. Und den Mitarbeitern den Rat zu geben, doch anschließend bei Poco zu arbeiten... Nach dreißig Jahren in einem Familienunternehmen zu einem Billigheimer zu wechseln – könnte es sein, dass da ein wenig Menschenverachtung mitschwingt?

So gibt es zur Zeit eigentlich nur Verlierer. Unter ihnen auch die Bürgermeister der Umlandgemeinden, die sich auf ein gemeinsames Vorgehen mit Fulda eingelassen hatten. Jetzt werden sie so schnell über den Tisch gezogen, dass sie die Reibungshitze mit Nestwärme verwechseln könnten. Aber wie heißt es doch so schön: "Erst nach der Schlacht werden die Toten gezählt.” Ich bin gespannt, wer dabei ist.

Mit möblierten GrüßenRainer HahneChefredakteur

PS: Die Frage, wer Ihrer Zeitung gegen jede Absprache das unfertige Gutachten zugespielt hat, blieb unbeantwortet. Der Landrat wehrte das noch im Flur ab. Die Bürgermeister der Randgemeinden hätten sich ins eigene Fleisch geschnitten. Und OB Möller? Der sagt flexibel: "Die Stadt Fulda war es nicht.”

PPS: Jetzt meldet sich auch noch der Handelsverband Süd zu Wort, der Entwicklungen in Frankfurt hochrechnete und davon ausgeht, dass Sommerlad 50.000 Quadratmeter bebauen will. Wirklich witzig ist das nicht mehr. Aber auch die kündigen noch ein Gutachten an

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