Klartext zu „Spaziergängen“: Dann hört der Spaß auf

Bertram Lenz
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Bertram Lenz

Die guten Wünsche für das neue Jahr 2022, in den meisten Fällen versehen mit dem wohl meinenden Zusatz „Besonders Gesundheit“, sind landauf landab verklungen, der Alltag hat uns wieder. Und der wird weiterhin bestimmt von dem Virus beziehungsweise von dessen „Omikron“-Variante, von mitunter verwirrendem Zahlenwerk und von vielen Experten, die einander widersprechen.

Der normale Bürger steht kopfschüttelnd daneben und fragt sich, wem eigentlich noch was zuzutrauen ist. Vielerorts dominiert das muntere Stochern im Coronanebel, was am vergangenen Wochenende sehr deutlich wurde, als die Nachricht vom fuldischen „Alleinstellungsmerkmal“ Hotspot allmählich durchsickerte. Und niemand so recht wusste, was dies denn zu bedeuten und wie man sich zu verhalten hatte. Bis eine Presseerklärung des Kreises am Sonntagmittag wenigstens etwas Licht in das Dunkel brachte.

Ich denke, die Pandemie wird uns noch bis in den Sommer hinein begleiten, dann – so ja die bisherigen Erfahrungen – abflauen und zum Herbst hin hoffentlich an Wucht verloren haben. Es wäre schön, wenn die Fachleute Recht behielten, die erwarten, dass wir uns dann – nur noch – mit einer so genannten Endemie herumplagen müssen. Und verdient hätten wir es allemal!

Denn die Herausforderungen, die uns abseits von Corona in diesem neuen Jahr zu schaffen machen, sind schließlich auch nicht so einfach zu schultern. Beispielhaft seien genannt der Konflikt in der Ukraine, die steigenden Energiepreise und Lebenshaltungskosten, die dahin eilende Inflation, die Flüchtlingskrise und – auch dies eine Folge von Corona – die sich verschärfende Spaltung unserer Gesellschaft.

Sehr deutlich wurde dies einmal mehr am vergangenen Montagabend bei diversen „Spaziergängen“ in mehreren osthessischen Städten und Gemeinden, bei denen Teilnehmer gegen die Coronaauflagen demonstrierten. Um es deutlich zu formulieren: Wenn man sich – aus irgendwelchen Gründen – ungerecht behandelt oder von staatlichen Maßnahmen bevormundet fühlt, dann ist es in einer Demokratie wie der unsrigen zum Glück möglich, dagegen auf die Straße zu gehen. Der „Spaß“ indes hört auf, wenn Auflagen beziehungsweise geltende Regeln missachtet oder sogar Polizeibeamte tätlich angegriffen werden. So wie dies am Montagabend in Fulda der Fall gewesen ist. Denn dann führen diese so genannten „Spaziergänger“ die aus ihrer Sicht berechtigten Anliegen, wegen derer sie überhaupt erst auf die Straße gehen, ad absurdum. Und erweisen sich letztendlich selbst damit einen Bärendienst.

Zumal die Polizeibeamten mit ihrer Anwesenheit alle verfassungsgemäßen Grundrechte schützen, darunter eben auch das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit (Infektionsschutz). Und sich dabei neutral verhalten.

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