Klartext: Zustimmungslösung bei Organspende-Entscheidung

Die Abstimmung zu Widerspruchs- oder Zustimmungslösung beschäftigt Redakteur Christopher Göbel in seinem aktuellen Kommentar.

Die Abstimmung ist durch, der Bundestag hat entschieden: Beim Thema Organspende wurde die Widerspruchslösung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abgelehnt, die Zustimmungslösung von Annalena Baerbock (Grüne) und Katja Kipping (Linke) angenommen. Für die zweite Lösung sprachen sich 432 Abgeordnete aus, dagegen stimmten 200 Parlamentarier und 37 enthielten sich.

Interessant finde ich, dass für diese Abstimmung explizit der Fraktionszwang aufgehoben worden war und die Parlamentarier eine Gewissensentscheidung treffen sollten. Aber müssten Abgeordnete nicht immer nach ihrem Gewissen entscheiden dürfen...? Egal, darum geht es mir jetzt nicht.

Selbst entscheiden

Die Zustimmungslösung lässt dem einzelnen Menschen mehr Raum, selbst zu entscheiden, ob er nach seinem Tod als Organspender in Betracht kommen möchte oder nicht. Bei der Widerspruchslösung wäre jeder Bürger automatisch Organspender geworden – außer er oder sie hätte dem explizit widersprochen. Das klingt für mich ein bisschen nach menschlichem Ersatzteillager.

Die Zahl der Organspender in unserem Land ist zu gering. Das liegt unter anderem an Organspende-Skandalen wie im Jahr 2012 in Göttingen und Passau, als Lebertransplantationen auf undurchsichtige Weise durchgeführt wurden. Damals wurde sogar davon gesprochen, dass andernorts Patienten starben, weil am Uniklinikum Göttingen andere bevorzugt worden seien. Der Skandal hatte nach langen Ermittlungen übrigens keine gravierenden Folgen für die beteiligten Mediziner. Aber solche Fälle erschüttern das Vertrauen in die Medizin.

Ethische Frage

Es ist durchaus eine ethische Frage, was nach dem eigenen Tod mit dem Körper passieren soll. Möchte ich anderen ermöglichen, durch meine Organe weiterzuleben, oder möchte ich als „kompletter“ Mensch in die ewigen Jagdgründe eingehen? Ich bin der Meinung, dass die Zustimmungslösung, bei der in regelmäßigen Abständen beim Hausarzt oder offiziellen Stellen die Zustimmung oder Ablehnung als Organspender abgefragt wird, sinnhafter ist.

Wenn ich den sprichwörtlichen Teufel an die Wand malen darf: Hätte es bei der Widerspruchslösung nicht dazu kommen können, dass todkranke oder sterbende Patienten in Kliniken eben nicht weiter am Leben erhalten würden, weil gerade deren Leber, Niere oder ein Herz benötigt wird? Bei der Widerspruchslösung wäre das ein (zugegeben übertriebenes) Horrorszenario.

So lange man nicht aktiv zustimmt, seine Organe zu spenden, bleibt nach dem Bundestagsbeschluss von Donnerstag grundsätzlich erstmal alles beim Alten. Und das ist gut so. In meinem Umfeld hat eine Mutter ihrem Sohn eine Niere gespendet. Dem Sohn geht es inzwischen gesundheitlich gut, wenn auch die Medikamente, die er nehmen muss, so lange er das Spenderorgan in sich trägt, gewisse Nebenwirkungen mit sich bringen. Aber an sich ist er „gesund“ – zumindest gesünder als vorher. Unsere Organe können also anderen Menschen helfen, zu leben oder zu überleben.

Ich muss zu geben, dass ich selbst noch keinen Organspendeausweis besitze. Aber ich denke ernsthaft darüber nach. Jemand sagte neulich: „Wenn ich eh‘ hinüber bin, dann ist es doch ein schöner Gedanke, dass ich jemand anderen retten konnte.“ Das ist ein Satz, der eines tieferen Nachdenkens wert ist.

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