Ein kleiner Fisch kehrt in die Rhöner Fließgewässer zurück

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Das Artenschutzprojekt „Schneider“ geht in eine neue Runde. Seit 2012 werden jährlich zweitausend Fische im Döllbach und in der Ulster ausgesetzt.

Rhön. Obwohl die hessische Rhön ehemals ein Hauptverbreitungsgebiet dieser Kleinfischart war, gilt der Schneider in der Region bereits seit Jahrzehnten als ausgestorben. Die Hessische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und die Obere Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Kassel haben sich daher entschlossen, eine Wiederbesiedlung des Schneiderfisches in der Rhön durchzuführen. Seit 2012 werden jährlich zweitausend Fische im Döllbach und in der Ulster ausgesetzt. Anfang Oktober 2015 ging das Projekt nun in die vierte Runde.

Der kleine Schwarmfisch mit den violett schimmernden Flossenansätzen hat seinen Namen von der an eine Naht erinnernde Seitenlinie. Er wird bis zu 17 cm lang, lebt sowohl in schnell fließenden als auch stehenden Gewässerabschnitten und ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Würmern und kleinen Krebstieren. Er ist wichtige Nahrungsquelle für größere Raubfische wie die Bachforelle.

Um stabile neue Bestände aufzubauen, ist ein kontinuierlicher Besatz über mindestens fünf Jahre notwendig. Jedes Jahr werden insgesamt etwa 2000 Jungfische in Rhöner Fließgewässern ausgebracht. Die wissenschaftliche Betreuung liegt in den Händen des Fischereibiologen Christoph Dümpelmann. Unterstützt wird er von Rhön-Ranger Joachim Walter und dem Netzwerk der ehrenamtlichen Gewässerwarte. Um die Nachzucht der Schneiderfische in Aquarien und speziellen Brutbecken kümmert sich der Biologe Dr. Harald Groß aus Bad-Münstereifel.

"Die Zucht des Schneiderfisches ist sehr aufwendig", erläutert Dümpelmann. "Die Fische laichen nur in der Strömung und auf Kiesboden, sodass Herr Groß einen speziellen Strömungskanal bauen muss. Man kann den Laich auch nur alle paar Tage einzeln entnehmen."

Die im Oktober ausgesetzten jungen Schneider erblickten zwischen März und Mai diesen Jahres das Licht der Welt. Doch erst jetzt im Herbst sind die Jungtiere groß und selbstständig genug, um allein überleben zu können – wenngleich etwa 90 Prozent der Jungfische den ersten Winter wohl nicht überstehen werden.

"Die Tiere haben aber eine hohe Vermehrungsrate. Wenn die überlebenden 10 Prozent erst einmal selbstständig zu laichen beginnen, ist der Schneider nicht mehr zu stoppen. Dann haben wir gewonnen", so Dümpelmann.

Die Mühe lohnt sich, denn wo der Schneider als Leitart heimisch ist, steigt die Güte der Fließgewässer. "Die Qualität eines Gewässers ist definiert durch die Anzahl von natürlichen Arten", so Dümpelmann. "Wenn wir uns nicht darum kümmern, dann wird es hier keine Schneider mehr geben. Es ist für mich daher auch eine ethische Frage, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen und der Natur unter die Arme zu greifen. Ich habe die große Hoffnung, dass sich der Schneider bald reproduziert und wir in der hessischen Rhön wieder einen gesunden Bestand aufbauen können."

Modellhafte Aktion

Wie schon beim Deutschen Edelkrebs und der Karausche setzt das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön damit seine Reihe der Wiederansiedlungen von ursprünglich heimischen Arten fort. Das Schneiderbesatzprojekt besitzt Vorbildcharakter in Deutschland; lediglich an der Wupper ist bereits eine vergleichbare Wiederansiedlung erfolgreich durchgeführt worden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Projekt ist auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Oberer Fischereibehörde, Biosphärenreservat, Angelvereinen und ehrenamtlichen Gewässerwarten.

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