Klosterbibliothek Frauenberg: "Kein wertvolles Kulturgut verschleudert"

+

Stellungnahme von P. Cornelius Bohl ofm, Provinzialminister  der Deutschen Franziskanerprovinz

Fulda - Die Auflösung der Klosterbibliothek auf dem Frauenberg hat in den Medien und in der Öffentlichkeit zu engagierten Diskussionen geführt. Nun nimmt P. Cornelius Bohl ofm, Provinzialminister der Deutschen Franziskanerprovinz, dazu Stellung.

Er schreibt: "Es wurde der Eindruck erweckt, als sei damit wertvolles, mit der Region Fulda verbundenes Kulturgut verschleudert worden. Dieser verzerrten Darstellung müssen wir sehr deutlich wider- sprechen.

1. Die wiederholt geäußerte Behauptung, die gesamte Bibliothek mit rund 150.000 Bänden sei ein in sich geschlossenes Kulturobjekt von herausragender Bedeutung, ist schlichtweg nicht richtig und zeugt von einer Unkenntnis der Sachlage. Nur etwa 14 Prozent der gesamten Bibliothek waren historische Bestände! Auf dem Frauenberg bestand bis 1968 eine ordenseigene Hochschule. Der weitaus größte Teil der dazugehörenden Studienbibliothek umfasste dementsprechend theologisch-philosophische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, die sich deutschlandweit auch in vielen anderen Bibliotheken findet oder bereits digitalisiert ist. Zur Bibliothek auf dem Frauenberg gehörte dann beispielsweise auch eine größere Abteilung mehr oder weniger zeitgenössischer Belletristik einschließlich einigen Metern von Taschenbuch-Krimis …

2. Wertvolle Handschriften und frühe Drucke (Inkunabeln) wurden bereits 2016 als Dauerleihgabe von der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars übernommen.

3. Die tatsächlich für die Stadt und Region Fulda bedeutenden Bestände, die so genannte „Fuldensia“, sowie die für unsere franziskanische Geschichte und Spiritualität bedeu- tenden Werke („Franciscana“) sind in unserem Besitz verblieben. Hier muss nichts gerettet werden! Wir sind uns unserer Verantwortung für dieses kulturelle Erbe bewusst und werden klären, in welcher Form diese Bücher künftig auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Die Auflösung der Bibliothek auf dem Frauenberg steht im Kontext großer Umbrüche in unserer Ordensgemeinschaft und in der kirchlichen Landschaft überhaupt. Wir haben aktuell innerhalb eines Jahres sieben Niederlassungen aufgelöst, darunter Klöster, in denen wir über viele Jahrhunderte präsent waren. Dies ist tatsächlich ein kultureller und spiritueller Verlust! Vor diesem Hintergrund sehen wir uns personell, finanziell und von den räumlichen Möglichkeiten her nicht in der Lage, alle Bibliotheksstandorte und den gesamten Buchbestand in Zukunft selbst zu erhalten. Nach der Zusammenlegung der ursprünglich vier selbstständigen Ordensprovinzen in Deutschland im Jahr 2010 war die Bibliothek auf dem Frauenberg in Fulda nur einer von mehreren Bibliotheksstandorten, für den eine Zukunftslösung gefunden werden musste.

Bereits damals, vor zehn Jahren also, wurde entschieden, die Bibliothek in Fulda nicht aktiv weiterzuführen und auf Dauer nur die wirklich wertvollen Bestände zu sichern. Dies haben wir, auch mit der Unterstützung des Bistums Fulda, getan".

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Klartext: Zu hart? Nee ...

Redakteur Christopher Göbel über die geplanten Hartz-IV-Anpassungen.
Klartext: Zu hart? Nee ...

36-Jähriger unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein unterwegs

Die Polizei Fulda stoppte gestern einen Fahrer, der ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss unterwegs war.
36-Jähriger unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein unterwegs

Betrunken und ohne Führerschein - Unfall in Bad Salzschlirf

Die Polizeikräfte wurden zu einem Unfall gerufen, vor Ort war der Fahrer betrunken und ohne Führerschein
Betrunken und ohne Führerschein - Unfall in Bad Salzschlirf

10 Fragen an Winfried Engel

1. Mein erstes Geld habe ich verdient... als Schler bei einem Ferienjob in der Hnfelder Molkerei. 2. In meiner Kindheit/Jugend habe ich g
10 Fragen an Winfried Engel

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.