Knaus Tabbert Gruppe ist gerettet

Motten. Die seit Oktober 2008 insolvente Knaus Tabbert Group (KTG) ist gerettet. ber die Weihnachtsfeiertage hinweg gelang es dem vorlufig

Motten. Die seit Oktober 2008 insolvente Knaus Tabbert Group (KTG) ist gerettet. ber die Weihnachtsfeiertage hinweg gelang es dem vorlufigen Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaff die Verhandlungen mit potenziellen Investoren voran zu treiben und letztlich erfolgreich zum Abschluss zubringen. Demnach wird die niederlndische HTP Investments BV - eine aufUnternehmen in Umbruchsituationen spezialisierte Gruppe mit 8.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro - den Geschftsbetrieb und alle drei Standorte in Jandelsbrunn, Mottgers sowie Nagyoroszi (Ungarn) bernehmen.

Damit bleiben ber 1.000 von zuletzt noch rund 1.400 Arbeitspltzen erhalten.Zustzlich werden auch alle Auszubildenden in den Betrieben Jandelsbrunn und Mottgers bernommen. HTP erwirbt zudem auch die Betriebsgrundstcke. Im Unterschied zu den anderen Angeboten, die nur eine Pachtlsung vorsahen, ist das ein klares Bekenntnis zum dauerhaften Erhalt der Fertigung in Jandelsbrunn und Mottgers. Das bernahmekonzept sieht darber hinaus vor, dass Knaus Tabbert knftig eine aktive Rolle bei der Konsolidierung des europischen Wohnwagen- und Reisemobilmarkts spielen soll.

Wir haben damit unser Ziel, den Erhalt aller drei Standorte der KTG und einermglichst groen Zahl von Arbeitspltzen erreicht. Wichtig war jedoch auch, dass mit HTP nun ein finanzstarker und industrieerfahrener Investor gefunden wurde, der fr Knaus Tabbert eine langfristige Zukunftsperspektive bietet", so Dr. Michael Jaff. Unser Ziel ist es, Knaus Tabbert zu einem fhrenden Unternehmen auf dem europischen Wohnwagen- und Reisemobilmarkt zu machen. Wir verfolgen dabei eine Wachstumsstrategie, die sowohl auf organisches wie auf Wachstum durch Zukufe setzt. Deshalb wollen wir an allen drei Standorten investieren", so Wim De Pundert von HTP Investments.

Gemeinsame Kraftanstrengung sichert Zukunftsperspektive fr StandorteIn Tag- und Nachtarbeit hatte ein Expertenteam des vorlufigen Insolvenzverwalters die KTG in den vergangenen Wochen restrukturiert und den Zusammenbruch des Unternehmens verhindert. Die Situation, die wir bei KTG anfangs vorgefunden haben, war desastrs. Wir hatten keine Liquiditt, Beschaffung und Absatz waren nicht mehr vorhanden. Durch eine Vielzahl von Sanierungsmanahmen sowie intensive Verhandlungen mit Lieferanten und Hndlern konnten wir die Lage stabilisieren und in der Insolvenz mehr Fahrzeuge verkaufen als erwartet", so Jaff.

Statt ber 100 wurden so letztlich fast 800 Wohnwagen und Reisemobile seit Beginn des Insolvenzverfahrens abgesetzt. Das zusammen mit Roland Berger aufgestellte Restrukturierungskonzept unterstrich zudem die Sanierungsfhigkeit der KTG unter der Voraussetzung, dass die Produktionan den drei Standorten erhalten und auf rentable Produkte konzentriert werdenkann. Eine von Einzelnen propagierte Insellsung wre wirtschaftlich unsinnig und im Interesse aller Arbeitnehmer der KTG nicht tragbar gewesen. Im brigen gab es dafr auch kein realisierbares Konzept. Die jetzt gefundene Lsung besttigt uns, dass es richtig war, sich hier auf keinen Schnellschuss einzulassen", so der Insolvenzverwalter. Trotz entsprechender Ankndigungen lagen bis Jahresende auch kein konkretes Angebot und kein Finanzierungskonzept fr die bernahme nur des hessischen Tabbert-Werks vor.

Bereits im Oktober wurde unter Hochdruck ein intensiver Investorenprozess initiiert, der unter schwierigsten Rahmenbedingungen schlielich erfolgreich war. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den letzten Wochen htte ungnstiger nicht sein knnen. Unsere Bemhungen um den Erhalt von Knaus Tabbert standen dabei mehrfach vor dem Aus. In einer groen gemeinsamen Kraftanstrengung aller Beteiligten, die weit ber das in einem Insolvenzverfahren bliche Ma hinaus ging, konnten wir letztlich wieder eine Zukunftsperspektive fr Knaus Tabbert und viele Tausend davon abhngige Arbeitspltze schaffen. Bedanken mchte ich mich dabei ausdrcklich bei den Mitarbeitern und den Betriebsrten, ohne deren Untersttzung das nicht mglich gewesen wre", betonte Jaff. Auch der Bankenpool unter Fhrungder BayernLB arbeitete an der Realisierung der Investorenlsung konstruktiv mit.

In der Endphase des Investorenprozesses verhandelte Jaff parallel mit dreiInteressenten, die jeweils auf ein Fortfhrungskonzept fr alle drei Standortesetzten. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Finanzkrise stand dabei insbesondere die Ausgestaltung eines tragfhigen Finanzierungskonzeptes im Mittelpunkt. Hier gab es die grten Unterschiede bei den vorliegenden Angeboten. HTP stellte schlielich sowohl im Hinblick auf die Interessen der Glubiger, die Zukunft des Unternehmens und den Erhalt sowie den Ausbau der Arbeitspltze das mit Abstand berzeugendste Konzept dar. Wir sind mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden und sehen damit unsere Erwartungen bertroffen", stellte der Glubigerausschuss in seiner entscheidenden Sitzung am Neujahrstag fest.

Mitarbeiter wechseln zunchst in Transfergesellschaft Wesentliche Voraussetzung fr den Einstieg eines Investors war dabei die Bereitstellung einer Landesbrgschaft fr einen Kredit von insgesamt 28 Mio. Eurofr die Betriebsmittelfinanzierung. Ohne die Untersttzung der BayerischenStaatsministerien fr Finanzen und Wirtschaft in dieser Frage htten wir eineFortfhrungslsung nicht realisieren knnen", betonte Jaff. Ebenso wichtig seijedoch auch die Bereitschaft der Mitarbeiter der KTG gewesen, zum 1. Januar 2009 zunchst in eine Transfergesellschaft zu wechseln.

Der vom Insolvenzverwalter mit Zustimmung des Glubigerausschusses mit HTP Investments BV geschlossene Vertrag sieht vor, dass nach Gewhrung derLandesbrgschaft und Erteilung der kartellrechtlichen Freigabe alleVermgensgegenstnde der insolventen KTG auf eine neue Gesellschaft bergehen. Um eine reibungslose Fortfhrung des Geschftsbetriebs unter Wahrung der Interessen der Mitarbeiter wie des Investors zu gewhrleisten, wechseln zunchst zum 1.1.2009 alle Mitarbeiter der KTG in Deutschland (derzeit ber 1.000) in eine Transfergesellschaft. Mit Vollzug des Kaufvertrags sollen dann Mitarbeiter aus der Transfergesellschaft in die neue KTG" wechseln.

Anfnglich sieht das Konzept dabei einen Bedarf von 465 Stellen in Jandelsbrunn (davon 15 befristet) sowie von 205 Stellen (davon 80 befristet) in Mottgers vor. Das ist im Vergleich zu den anderen Angeboten sowohl fr Jandelsbrunn wie fr Mottgers die hchste Zahl an unbefristeten Arbeitspltzen.Die befristeten Arbeitsvertrge sind dabei lediglich eine Option, um gegebenenfalls auf weitere negative rezessionsbedingte Einflsse reagieren zu knnen, ohne die langfristige Existenz der Gruppe zu gefhrden. Sie sollen jedoch nach Mglichkeit in ein unbefristetes Arbeitsverhltnis berfhrt werden. Zudem hat der Investor erklrt, dass bei Ehepaaren, die derzeit bei KTG arbeiten, zumindest ein Partner auch einen Arbeitsvertrag bei der neuen KTG" erhlt.

Darber hinaus werden auch alle Auszubildenden bei der neuen KTG ihre Ausbildung fortfhren knnen. Fr den Insolvenzverwalter wie fr den Investor ist dies ein wichtiges Signal fr die Zukunft der Standorte Jandelsbrunn und Mottgers. Es war mir von Anfang an ein wichtiges Anliegen, dass alle Auszubildenden in den Betrieben bleiben knnen. Deshalb freut es mich sehr, dass wir auch dieses Ziel erreichen konnten", sagte Jaff.

Aus Sicht der Kolleginnen und Kollegen ist die gefundene Lsung die weitaus beste.Wir sind jetzt sehr froh und erleichtert darber, dass es in Jandelsbrunn und Mottgers weiter geht. Dr. Jaff und sein Team haben hier hervorragende Arbeit geleistet", uerte sich der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Anton Autengruber in einer ersten Stellungnahme. Wir haben am Anfang gesagt, dass wir Dr. Jaff am Ergebnis messen werden. Aus Sicht der Gewerkschaft sind wir mit der gefundenen Lsung jetzt mehr als zufrieden. Die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter war aus meiner Sicht vorbildlich. Wir waren stets informiert ber den Sachstand und konnten uns so frhzeitig auf neue Konstellationen einstellen", betonte der Verhandlungsfhrer der GewerkschaftIG Metall, Werner Kneuer.

Der mittelfristige Restrukturierungsplan von HTP geht nach dem rezessions- und insolvenzbedingtem Nachfrageeinbruch von einer Stabilisierung des Geschfts aus. Dazu soll sich die neue KTG" nach der notwendigen Anpassung der Kapazitten auf die renditestrksten Produkte fokussieren. Ziel von HTP ist es, mit Knaus Tabbert einen europischen Marktfhrer im Wohnwagen- und Reisemobilbereich zu schaffen.

ber HTP Investments

HTP Investments B.V., Venlo, Niederlande, ist auf die bernahme undRestrukturierung von Unternehmen in Umbruchsituationen spezilaisiert, die ber leistungsstarke Produkte, eine starke Marktposition und ein erfahrenes Management verfgen. Als Haupteigentmer nimmt HTP dabei in der Regel eine unternehmerisch sehr aktive Rolle ein. HTP Investments BV hat einen langfristig erfolgreichen Trackrecord im Turnaround- und im Management von Portfoliounternehmen aufgebaut, zuletzt erwarb die Gruppe in Deutschland Geschftsbetrieb und Vermgensgegenstnde der Tectro GmbH & Co. KG, Lurgi Lentjes Standard Kessel sowie die Stelcon AG. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftet mit insgesamt 8.000 Mitarbeitern europaweit einen Umsatz von ber 2 Mrd. Euro.

ber Knaus Tabbert Group

Die KNAUS TABBERT GROUP mit dem Hauptsitz im niederbayrischen Jandelsbrunn ging aus der 1960 in Marktbreit/Main gegrndeten KNAUS KG hervor. Im Geschftsjahr 2007/2008 wurde mit rund 19.000 verkauften Wohnwagen und Reisemobilen noch ein Umsatz von 305 Mio. Euro erzielt.Knaus Tabbert war damit einer der fnf grten Anbieter von Wohnwagen undReisemobilen in Europa.

ber Dr. Michael Jaff

Der Mnchner Rechtsanwalt Dr. Michael Jaff ist ausschlielich als Insolvenzverwalter ttig und hat im Rahmen dieser Ttigkeit in den letzten 13 Jahren die Fortfhrung einer Vielzahl von Betrieben und den Erhalt von mehreren Zehntausend Arbeitspltzen erreicht. Er ist auf hochkomplexe Insolvenzverfahren mit Konzernstrukturen von berregionaler Bedeutung spezialisiert. Dr. Michael Jaff wird dabei oft von Gerichten Einzelfall bezogen bestellt, wenn aus Sicht des jeweiligen Gerichts viel auf dem Spiel steht. Zu seinen bekanntesten Verfahren und Sanierungen zhlen neben KirchMedia und Kirch Beteiligung die Textilwerke TWD in Deggendorf, die EuromedClinic in Frth sowie der Plschtierhersteller NICI in Altenkunstadt. Darber hinaus lehrt er an der Ludwig-Maximilians-Universitt Mnchen und wird vom Bundesjustizministerium bei Expertenanhrungen zumInsolvenzrecht hinzu gezogen.

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