Köche-Vorsitzender Faulstich zur Lage der Gastronomie

Eine Bewertung der Coronasituation für die heimische Gastronomie gibt Stefan Faulstich, der Vorsitzende des Fuldaer Köche-Vereinigung, im Interview.
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Eine Bewertung der Coronasituation für die heimische Gastronomie gibt Stefan Faulstich, der Vorsitzende des Fuldaer Köche-Vereinigung, im Interview.

„Wir werden die Hürde 2Gplus überstehen“, sagt Gastronom Stefan Faulstich im Interview über die aktuelle Lage.

Osthessen. Stefan Faulstich ist Inhaber des Landhotels „Rhönblick“ in Petersberg und 1. Vorsitzender beim „Verein der Köche 1921 Fulda“. FULDA AKTUELL fragte ihn, wie er die aktuelle Situation der Gastronomie in der Region sieht.

FULDA AKTUELL: Seit der Landkreis Fulda Corona-Hotspot in Hessen ist, gilt laut Landesverordnung die 2Gplus-Regel in Innenräumen der Gastronomie. Hat sich das bereits auf die Gästezahlen in der heimischen Gastronomie ausgewirkt?

STEFAN FAULSTICH: Die Kollegen berichten von Umsatzeinbußen zwischen 50 und 80 Prozent seit dem 2. Januar dieses Jahres. Selbst Ausflugslokale in der Rhön waren – trotz Schnee und Touristen – nur sehr spärlich besetzt.

FA: Die Gastro-Branche ist durch die Corona-Pandemie bereits schwer gebeutelt. Was bedeutet 2Gplus für die Restaurants der Region?

FAULSTICH: Zum einen verstehen wir viele Auflagen in Bezug auf Kontrolle und Beschränkungen. Die Gastronomie hat ein großes Interesse daran, alles dafür zu tun, dass unsere Gäste, aber auch unsere Mitarbeiter und wir selbst keiner leichtsinnigen Gefahr ausgesetzt sind. Die Umsetzung von 2Gplus bedeutet eine neue Hürde für viele Gäste, die noch nicht geboostert werden konnten und dann auch keine Lust haben sich, teilweise stundenlang vor einem Testzentrum anzustellen, um einen Schnelltest machen zu können. Diese Gästegruppe, die noch bis Silvester kommen durfte, ist vorerst verloren.

FA: Sind staatliche Hilfen für Hotspot-Regionen angekündigt worden?

FAULSTICH: Nein, es ist nichts vorgesehen. Die Überbrückungshilfe IV ist zudem die schlechteste Hilfe die es in den zwei Jahren gab. Um es jedoch klar zu sagen: Wir sind dankbar für Hilfen, auch die bereits erhaltenen. Fakt ist aber auch, dass viele unserer Betriebe nicht durch Fehlkalkulation oder Missmanagement in eine schwierige Lage kamen, sondern durch Covid-19 und im folgenden die Verordnungen, die ein wirtschaftliches Betreiben der Betriebe einfach nicht möglich machen.

FA: Wären aus Ihrer Sicht komplette Schließungen mit finanzieller Unterstützung sinnvoller als 2Gplus mit Umsatzeinbußen? Welche Alternativen für Einnahmen gäbe es?

FAULSTICH: Ob ein Lockdown bei 2Gplus sinnvoll ist, mag ich nicht für jeden Betrieb zu sagen. Aus dem Wellenbrecher-Lockdown ab November 2020 wurden knapp sieben Monate bis Mai 2021 – ohne das es in der Winterzeit zu fallenden Zahlen kam. Wenn ein erneuter Lockdown käme, ist die bisher vorgesehene Überbrückungshilfe in keinem Fall ausreichend.

FA: Wissen Sie, ob Gastronomen der Region wegen Corona ihr Geschäft aufgeben müssen oder bereits mussten?

FAULSTICH: Wir haben in der Region viele Traditionsbetriebe, die teilweise seit Generationen im Geschäft sind. Hier wird jeden Tag gekämpft, auch mit unseren Mitarbeitern – die ja ebenso von der Situation betroffen sind. Kollegen, die derzeit ihre Betriebe schließen, haben oft viele Gründe dafür. Bisher konnten wir auch auf die Unterstützung unserer Gäste zählen, die trotz vieler Hürden zahlreich kamen.

FA: Was erhoffen Sie sich vom bevorstehenden Frühjahr für die Gastronomie?

FAULSTICH: Das Frühjahr wird für uns wieder ein Spagat zwischen Gästeströmen und der Frage, wo ich Mitarbeiter herbekomme. Ja, wir werden auch diese Hürde 2Gplus überstehen. Wir hoffen sogar, dass Hessen (wie jetzt Bayern) sagt: 2G reicht aus. Die Buchungslage ab Mai füllt sich – aber bis April ist quasi kaum etwas in den Reservierungsbüchern vorhanden.

FA: Können Sie ein paar heimischer Gastronomen zum Thema 2Gplus zitieren?

FAULSTICH: „Unsere Mitglieder verstehen es nicht, dass eine Branche, die beim ,Robert-Koch-Institut‘ kaum als Ansteckungsquelle genannt wird (1,8 Prozent) derart in Beugehaft genommen wird“. „Die Hilfen bei CDU/SPD waren ja noch zum Überleben – FDP/GRÜN sind jetzt die, die den Sargdeckel auflegen“ und „2Gplus ist ein Hilfeschrei der Regierung, um irgendwas zu machen, obwohl man überhaupt keine Idee hat was zu tun ist“ und „Wir sind Bauernopfer.“

FA: Fühlen Sie sich vom „DEHOGA“ (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) ausreichend vertreten? Gibt es Initiativen, gegen die Vorgaben des Landes Hessen zu demonstrieren oder anderweitig Zeichen für die Gastronomie zu setzen?

FAULSTICH: Der „DEHOGA“ konnte in den vergangenen zwei Jahren Einiges bewirken. Gerade in Hessen können wir den Branchenvertretern wirklich bescheinigen, Einiges getan zu haben, was uns half. Natürlich kann ein Verband nur Gespräche führen und mit Argumenten auf Entscheidungsträger in der Politik einwirken. Alles andere hängt dann von den Ministern ab. Jedoch sind unsere Mitglieder politisch sehr interessiert und wir nehmen schon zur Kenntnis, wer was entscheidet.

Demonstrationen sind momentan nicht angedacht. Nicht, dass wir keinen Grund hätten. Wir möchten dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es würde auch nichts ändern. Der Dialog mit der Politik und die Forderung nach umsetzbaren Lösungen sollte unser Ziel sein. Wir möchten nicht an einer weiteren Spaltung der Gesellschaft teilhaben, sondern einfach unserer Berufung nachgehen: Gastgeber für alle zu sein, denn wir sind nicht das Problem – wir sind die Lösung. Hygienekonzepte setzen wir seit 30 Jahren in den Betrieben um.

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