"Schredderstreit" sorgt für tiefe Gräben

Kommentar zum "Schredderstreit" von Bertram Lenz

Tiefe Gräben

Nach der „Causa Sommerlad“ hat die Region – speziell der Südkreis, und hier die Gemeinde Eichenzell – seit einiger Zeit ein neues Aufregerthema: Die geplante Brecheranlage für Bauschutt der Firma Weider in der Löschenröder Gemarkung „Im Oberfeld“. Wohl selten hat es ein Projekt gegeben, das einen derart tiefen Graben zwischen eine Bürgerschaft gerissen hat und ganze Dörfer entzweit. Zuweilen frei nach dem bekannten „St.-Florians-Prinzip“. Nicht verkennen darf man freilich, dass sich sehr viele Menschen um ihre Gesundheit sorgen und schädliche Einflüsse wie Lärm und die Emission von Staub und Schadstoffen fürchten. Argumente, die sich mittlerweile auch SPD und Bürgerliste zu eigen machen, die den Bürgerwillen zum Anlass nehmen, um zu fordern, der Gemeindevorstand solle seine Unterstützung für die Umsiedlungspläne des Unternehmens aufgeben und stattdessen alternative Standorte benennen. Eine Aufgabe, der man laut Bürgermeister Dieter Kolb auch nachkommt und spätestens bei der Gemeindevertretersitzung am 22. Juni Spruch- und Entscheidungsreifes präsentieren will. Gespannt darf man auf den Verlauf der – mittlerweile zweiten – Informationsveranstaltung zu dem Thema sein, diesmal initiiert von der IG „Kein Schredder“. Wobei zu hoffen bleibt, dass diese einen anderen Verlauf nimmt als die Bürgerversammlung, zu welcher der Vorsitzende der Gemeindevertretung am 18. April eingeladen hatte. Denn wenn der sachliche Austausch von Meinung nicht mehr möglich ist und stattdessen nur noch Emotionen, persönliche Angriffe und „Hau drauf“-Argumente dominieren, dann wird der Sache generell ein Bärendienst erwiesen. Die Thematik zeigt aber noch etwas anderes: Das (politische) Bewusstsein der Menschen hat sich gewandelt: vom kritiklosen Akzeptieren hin zum mitunter lautstarken Einmischen, insbesondere dann, wenn es um die unmittelbare Umgebung geht. Das ist so bei diversen Windkraftprojekten, wo die CDU-Basis gegen verschiedene Pläne aus Wiesbaden Widerstand leistet (so wie beispielsweise jetzt in Neuhof, Flieden und Freiensteinau) und setzt sich fort bei der Eichenzeller Brecheranlage. Gut 800 Menschen, die im Februar gegen das Projekt auf die Straße gingen, sprechen eine deutliche Sprache. Von Bedeutung wird letztlich sein, ob und wie diese Stimme gehört wird. Auch im Hinblick auf das künftige Zusammenleben in der Gemeinde.

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