Kommentar zur "Wella"-Schließung in Hünfeld: Eine Ohrfeige

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz über eine Nachricht, die alle betrifft

Alle Anstrengungen, Proteste, Angebote und Gespräche – sie haben nicht gefruchtet. Weil es dem US-Mutterkonzern „Coty“ so gefällt, wird das „Wella“-Werk in Hünfeld in der zweiten Jahreshälfte 2018 dicht gemacht. Betroffen von diesem Schritt sind 380 Mitarbeiter, deren Familien, die Stadt Hünfeld – ja die ganze Region.

In den Ohren der Betroffenen dürfte es wie Hohn klingen, wenn die Strategen von „Coty“ davon schwärmen, dass die Standorte in Köln und im sächsischen Rothenkirchen für den Konzern so genannte „Centers of Excellence“ sein sollen. Das ist geschwurbeltes Wirtschaftsenglisch, dessen Sinn wahrscheinlich nicht einmal die Schöpfer solcher Formulierungen genau erfassen können.

Der Zorn, die Enttäuschung und die Trauer über diese Entscheidung sind mehr als verständlich. Zumal Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker in beeindruckender Art und Weise und über alle Parteigrenzen hinweg gemeinsam mit dem Betriebsrat versucht hatten, das Aus zu verhindern. Es war zuletzt noch ein sehr mutiger Schritt gewesen, den der Betriebsrat des „Wella“-Werkes mit seinem Vorsitzenden Norbert Herr plante: Um den ganz großen Kahlschlag abzuwenden, schlug man „Coty“ den Abbau von 100 Stellen vor.

Sehr bemerkenswert dabei war, dass sich augenscheinlich bereits viele Beschäftigte gemeldet hatten, die gegen Zahlung einer Abfindung freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden wollten. Es war ein ungemein starkes Zeichen der Solidarität mit denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die – aus welchen Gründen auch immer – einen solchen Schritt scheuten.

Die Entscheidung von „Coty“, die am Donnerstagnachmittag öffentlich bekannt wurde, ist aber auch eine Ohrfeige und eine regelrechte Brüskierung von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und derjenigen Politiker jedweder Couleur, die eigentlich am Freitag mit der Hünfelder Unternehmensleitung und dem Betriebsrat über das Schicksal der „Wella“ hatten sprechen wollen.

Der Schritt zeigt auch, wie herzlich egal einer fernen Konzernleitung die Geschichte eines Unternehmens und seiner Mitarbeiter ist, die als „Wellaner“ zu Hünfeld gehören wie die „Kruppianer“ zu Essen. Das Aus ist ein ganz bitterer Schlag nicht nur für die Beschäftigten und ihre Familien, sondern auch für die bislang so gute wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, die zudem auf einen schönen Batzen Gewerbesteuer wird verzichten müssen. Nun wird es darauf ankommen, sich die Unterstützung von Bund und Land zu sichern; besonders, was die Nachfolgenutzung des Areals angeht. Insofern hat Bürgermeister Stefan Schwenk hier bereits die Richtung vorgegeben.

Zusammenstehen aber muss jetzt die gesamte Region des Fuldaer Landes und darüberhinaus, auch in der Frage, wie der Arbeitsplatzverlust der 380 Betroffenen aufgefangen und abgefedert werden kann. Hier sind Solidarität und ein starkes Zeichen auch in Richtung „Coty“ gefragt.

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