„Es kommt was zurück“: Warum gehen junge Menschen in die Altenpflege?

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Einrichtungsleiter Oliver Trousil mit den Auszubildenden Anastasia Piliavskaia, Lena Schäfer und Sophie Pussel.

Im Rahmen der "Fulda aktuell"-Pflegeserie (Teil 4) sprachen wir mit Auszubildenden, die den Beruf der/des Altenpflegers/Altenpflegerin ergreifen wollen.

Fulda - Im Rahmen der „Fulda aktuell-Pflegeserie“ kommen im vierten Teil Auszubildende zu Wort. Wir sprachen mit Anastasia Piliavskaia (28 Jahre), Lena Schäfer (21 Jahre) und Sophie Pussel (20 Jahre) über ihre Ausbildung im „Caritas Altenpflegeheim St. Josef und was sie daran begeistert.

Sophie absolvierte ein Jahrespraktikum in „St. Josef“, ehe sie sich für die Ausbildung zur Altenpflegerin dort entschied. „Das Praktikum hat mir bereits sehr viel Spaß gemacht“, sagt die 20-Jährige, denn bereits als Praktikantin hatte sie den Umgang mit alten Menschen kennengelernt. Lena hatte einen Pflegefall in der Familie und so die ersten Erfahrungen mit diesem Berufsfeld gemacht. Sie absolvierte den Bundesfreiwilligendienst bei der „Caritas“ und entschied sich dann, beruflich in die Altenpflege zu gehen.

Anastasia begann ihre Laufbahn mit einer einjährigen Ausbildung zur Altenpflegehelferin, ehe sie sich entschied, die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin anzuhängen. Im „Altenpflegeheim St. Josef“ leben 150 Menschen.

175 Mitarbeiter, 150 Bewohner

„Wir haben insgesamt 175 Mitarbeiter, davon sind rund 90 in der Pflege“, sagt Einrichtungsleiter Oliver Trousil. Darunter sind 15 Auszubildende zur beziehungsweise zum Altenpfleger/-in sowie elf Auszubildende zu Altenpflegehelfern. Theorie und Praxis Wenn die drei Auszubildenden nicht in der Schule in der Theorie unterrichtet werden, sind sie in „St. Josef“ im Praxiseinsatz.

„Wir arbeiten im Schichtsystem, entweder früh oder spät. Nachtschichten müssen wir noch nicht machen“, erzählt Sophie. „An sich haben wir dann immer entweder vormittags oder nachmittags frei“, fügt sie hinzu. Als Ausgleich für Wochenenddienste freut sich Anastasia, dass nach Absprache auch drei freie Tage hintereinander möglich sind. „Man kann sich die Zeit flexibel einteilen“, sagt sie. In Theorie und Praxis lernen die Auszubildenden, wie Menschen versorgt werden. „Wir bekommen alles mehrmals gezeigt, ehe wir es selbst machen“, so Lena.

Jeder Auszubildende hat einen Praxisanleiter, der immer hilfreich zur Seite steht. Im ersten Jahr der Ausbildung steht mehr Praxis auf dem Programm, im dritten Jahr steht die Theorie im Vordergrund. „Mir macht beides sehr viel Spaß“, sagt Lena. Warum sie diesen Beruf ergreifen wollen, erläutert Sophie so: „Wir können von älteren Menschen sehr viel lernen. Die Bewohner beruhigen mich auch, wenn Prüfungen oder Besuche der Ausbildungsverantwortlichen anstehen.“ Anastasia fügt hinzu: „Die Geschichten, die uns die Menschen erzählen, sind auch oft sehr interessant. Und auch die Zufriedenheit in dem Beruf spielt eine Rolle: „Ich freue mich immer, wenn von den Bewohnern etwas zurückkommt“, sagt Lena. Mit den Bewohnern findet Anastasia vor allem die Biografiearbeit spannend. „Viele der heutigen Bewohner sind aus der letzten Kriegsgeneration“, sagt sie.

Zu den Aufgaben der Auszubildenden gehören neben der Grund- und Behandlungspflege auch Aufgaben wie Essen anreichen und Freizeitaktivitäten mit den Bewohnern. Zudem sind sie Ansprechpartner für Ärzte, Apotheken und Therapeuten sowie Angehörige, wenn sie bemerken, dass sich der Allgemeinzustand eines Bewohners verändert.

Beschwerdemanagement

Und sie bekommen auch die eine oder andere Beschwerde von Bewohnern und Angehörigen ab. „Wenn wir so etwas mitbekommen, dann gehen wir zuerst zur Schichtleitung“, sagt Sophie. Dann wird im Team besprochen, wie mit der Beschwerde umgegangen wird. Bei größeren Problemen werden in „St. Josef“ dann Wohnbereichsleitung und Einrichtungsleitung eingeschaltet. „Wir haben ein internes Beschwerdemanagement“, so Trousil. Besprechungen der Fälle mit allen Beteiligten sowie die Feststellung des Problems und das gemeinsame Finden einer Lösung stünden an erster Stelle. „Wir nehmen jede Beschwerde ernst“, sagt der Einrichtungsleiter. „Die meisten Probleme können wir in unserem Haus klären.“ Über die interne Beschwerdemöglichkeit hinaus, gebe es auch Stellen außerhalb des Hauses, bei denen Beschwerden eingereicht werden können.

Etwas schwieriger sei es, wenn demente Bewohner sich beschweren, was zunächst ebenfalls ernst genommen werde. „Man kennt ja die Bewohner schon und kann nach einer gemeinsamen Prüfung meistens gut einordnen, ob diese Beschwerden real sind“ sagt Sophie. Das gelte für alle Bewohner, egal an welchem Krankheitsbild sie leiden.

 „Eigentlich geht es bei uns sehr fröhlich zu. Der Schwerpunkt unserer Einrichtung liegt dabei auf einer wertschätzenden Lebensgestaltung im letzten Lebensabschnitt“, sagt Trousil. Natürlich sei das Leben in „St. Josef“ auch vom Sterben geprägt. „Wir behandeln das Thema Tod und Sterben auch in der Schule“, erzählt Sophie. „Wir werden nicht alleine gelassen“, fügt Lena hinzu. Für Anastasia „gehört der Tod zum Leben“. Als Pflegepersonal sind die Auszubildenden dazu verpflichtet, einen gewissen Abstand zu den Bewohnern zu halten. Trotzdem wird den Mitarbeitern ermöglicht, zu Trauerfeiern von Bewohnern zu gehen, die sie „lange kannten und gern hatten“, wie Sophie sagt. „Man darf das nicht so nah an sich herankommen lassen. Letztendlich geht es darum, professionell zu helfen“, fügt sie hinzu. „Aber man lernt sich doch gut kennen, und es gibt Bewohner, die 15 Jahre und länger bei uns wohnen.“

Ein Praktikum am Anfang Wer darüber nachdenkt, in die Altenpflege zu gehen, sollte laut den drei Auszubildenden zunächst ein Praktikum machen, was in „St. Josef“ jederzeit möglich ist. „Da merkt man schon, ob das was für einen ist“, sagt Sophie.

Im ersten Ausbildungsjahr liegt die Vergütung bei 1.140 Euro brutto, im zweiten sind es 1.202 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 1.303 Euro. „Bei uns liegt das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung bei monatlich 2830,56 Euro brutto“, sagt Trousil, der unter der Nummer 0661/38010zu erreichen ist.

Derzeit herrscht in „St. Josef“ kein Mangel an Pflegepersonal, aber „wir wissen, was auf uns zukommt“, so der Einrichtungsleiter. Das „St. Josef“ möchte rund die Hälfte der selbst ausgebildeten Pflegekräfte übernehmen. Und durch Kooperation mit Schulen im Landkreis möchte „St. Josef“ in Fulda das Interesse junger Menschen für die Altenpflege wecken.

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