Heftiger Konflikt in evangelischer Kirchengemeinde Tann

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Die evangelische Kirche von Tann

Unterschriftenaktion führt Gemeindeversammlung am 22. Juni in der Rhönhalle herbei

Tann - In der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Tann/Rhön rumort es seit Langem, und es ist ein Konflikt, der viele Menschen in der Kernstadt und den Stadtteilen beschäftigt. Seit Wochen versuchen engagierte Gemeindemitglieder die Auseinandersetzung mit Mitgliedern des Kirchenvorstandes auf eine sachliche Ebene zu heben. Leider bestehe seitens des amtierenden Kirchenvorstandes daran kein Interesse. Eine Möglichkeit des Dialogs soll nun eine Gemeindeversammlung eröffnen, die am Donnerstag, 22. Juni, 20 Uhr, in der Tanner Rhönhalle stattfinden wird. Herbeigeführt hat diese Zusammenkunft eine Unterschriftenaktion, bei der bislang 263 Unterschriften zusammengekommen sind.

„Hätten wir das Ganze nicht unterbrochen, wären es sicherlich an die 600 Unterschriften gewesen“. So die Überzeugung von Jörg Witzel und Thomas Jörges, die gemeinsam mit anderen Mitstreitern am Donnerstagabend ein Pressegespräch initiiert hatten. Zu einem kurzen verbalen Schlagabtausch kam es mit Pfarrerin Heike Dietrich, die von dem Treffen erfahren und geäußert hatte, daran teilnehmen zu wollen. Was ihr verweigert wurde, weil man die Zusammenkunft in erster Linie auch als private Angelegenheit erachte.

Die Pfarrerin ist für das Pfarramt Tann I und Neuswarts zuständig und nimmt aufgrund der derzeitigen Vakanz auch die Vertretung im Pfarramt Tann II und Habel wahr. „Wir hatten drei Wechsel der Pfarrstellen in den letzten eineinhalb Jahren", so Witzel, der im Fortgang des allseits beliebten Pfarrers Karl Kleina zum 1. April dieses Jahres nach Wittmund in Ostfriesland den Knackpunkt und letztendlich den Tropfen sieht, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Der Pfarrer habe mit sehr viel Engagement gewirkt und durch Aktionen wie beispielsweise der Renovierung der Niklaskirche die Gemeinde zusammengeschweißt. „Das war eine megatolle Geschichte“, erinnert sich Witzel, der auch darauf verweist, dass zum Abschiedsgottesdienst Kleinas, der übrigens erst Anfang 2016 eine Tannerin geheiratet habe, sehr viele Menschen gekommen seien.

Danach aber sei die Debatte „voll entbrannt“, weil von den Verantwortlichen des Kirchenvorstandes niemand eine Antwort auf die vielen Fragen habe geben können oder wollen, warum der Pfarrer die Gemeinde verlassen habe. Anstatt eines Dialoges aber sei die Konfrontation gewählt worden. Nachfragen unter anderem bei Bischof Martin Hein seien unbeantwortet geblieben beziehungsweise man sei an Dekan Bengt Seeberg verwiesen worden. Zugespitzt habe sich die Situation dann, als bekannt geworden sei, dass man eine Unterschriftenaktion initiiert habe, um eine Gemeindeversammlung einberufen zu können.

Zum Teil seien Unterzeichner von Mitgliedern des Kirchenvorstandes massiv unter Druck gesetzt worden. Zwar habe es ein Gesprächsangebot gegeben, was man aber abgelehnt habe – „weil das Ergebnis des Gespräches nicht für die Öffentlichkeit hätte bestimmt sein sollen“. Den engagierten Gemeindemitgliedern schwebt ein völliger Neubeginn vor; mit einem neugewählten Kirchenvorstand und – hoffentlich – einem neuen Pfarrer.

Inzwischen haben Propst Bernd Böttner (Hanau) und Dekan Seeberg auch im Namen von Bischof Hein auf die Unterschriftenliste und darauf reagiert, dass am erwähnten 22. Juni seitens des Kirchenvorstandes eine Gemeindeversammlung einberufen wurde. Propst Böttner als Stellvertreter des Bischofs werde die Gemeindeversammlung leiten. Außerdem wurde vereinbart, dass Dekan Seeberg und der Leiter des Kirchenkreisamtes Fulda anwesend sein werden, um von außen zu den Fragen aus der Gemeinde Stellung nehmen zu können.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben an Witzel weiter: „Wir versichern Ihnen, dass uns an einer sachorientierten Auseinandersetzung gelegen ist und wir uns wünschen, dass durch die Gemeindeversammlung ein Beitrag zum Frieden in der Gemeinde Tann geleistet werden kann. Die Gemeindeversammlung ist der öffentliche Ort zur Klärung der von Ihnen gestellten Fragen; insofern bitten wir Sie, die von Ihnen beantragte Gemeindeversammlung zu nutzen. An öffentlichen Auseinandersetzungen vorab werden wir uns als Kirchenleitung nicht beteiligen.“

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