Kontrolle der Poser- und Tunerszene

Lärmbelästigungen durch meist unzulässige Veränderungen an getunten Autos sind immer wieder Grund für Bürgerbeschwerden. Aus diesem Grund führte die Polizeidirektion Fulda in der vergangenen Woche Verkehrskontrollen zum Themenschwerpunkt "Autoposer und Tuner" durch.

Fulda - Am Donnerstagabend (17.09.) fanden sich acht technisch versierte Polizisten des Regionalen Verkehrsdienstes Fulda im Besprechungsraum ein, um die Kontrollen zu planen. Aufgrund des traumhaften Wetters waren an diesem Abend viele Autoliebhaber mit ihren Fahrzeugen in der Stadt zu erwarten.

Schalldämpfer unzulässig verändert

Bereits das erste Auto in der Kontrolle hatte es in sich. Der optisch und technisch stark veränderte und leistungsgesteigerte Seat eines 27-Jährigen aus der Nähe von Fulda, fiel den Polizisten in der Innenstadt unter anderem durch erhöhte Lautstärke auf. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, führten die Beamten eine Standgeräuschmessung durch. Es stellte sich heraus, dass die gesetzlich für das Fahrzeug festgelegten Grenzwerte deutlich überschritten wurden. Da es vor Ort nicht möglich war unter den tiefergelegten, 310 PS starken Kompaktwagen zu schauen, wurde er kurzerhand zur weiteren technischen Untersuchung der Abgasanlage bei der DEKRA-Prüfstelle auf die Hebebühne gestellt. Dabei zeigte sich, dass der auffällig laute Sound des Fahrzeugs auf eine Manipulation an den Schalldämpfern zurückzuführen war. Die Beamten stellten das Fahrzeug sicher, um ein Beweissicherungsgutachten durch einen Sachverständigen erstellen zu lassen. Dabei wurden weitere Unzulässigkeiten festgestellt. Neben der zu erwartenden Strafe von 90 Euro, dürften sich die Kosten des Bußgeldverfahrens im höheren dreistelligen Bereich bewegen. Der Tuningfan, der nach eigenen Angaben das Fahrzeug vor einigen Monaten so gekauft hatte und der Meinung war, dass alles eingetragen war, muss sich nun um die Mängelbeseitigung kümmern. Bis dahin wurde die Weiterfahrt untersagt.

Musclecars mit bis zu 900 PS kontrolliert

Nachdem die Kontrollen angelaufen waren, häuften sich plötzlich Meldungen über auffällige Musclecars im Bereich der Fuldaer Messe, welche teilweise driften und Rennen fahren würden. Beim Eintreffen der Polizei war das Geschehen offensichtlich schon beendet. Mehrere Fahrzeuge verließen gemeinsam das Gelände und fuhren in Richtung Innenstadt. In der Haimbacher Straße wurden diese dann schon von einer weiteren Streife erwartet und zur Kontrolle herausgewunken. Es handelte sich um drei hochmotorisierte, optisch auffällige Autos der Marke Dodge. Schnell klärte sich auf, dass im Bereich der Messe eine angemeldete Promo-Veranstaltung eines regionalen Autohauses beobachtet worden war. In diesem Rahmen übergab der Autohändler mehrere Neufahrzeuge feierlich an die neuen Eigentümer. Die Fahrzeuge waren optisch und technisch aufwendig verändert und verfügten über eine Spitzenleistung von bis zu 900 PS. Darunter ein amerikanisches Kleinserienfahrzeug, das scheinbar als schnellstes jemals gebautes Serienfahrzeug gilt. Auch diese beeindruckenden Fahrzeuge wurden durch die Beamten genau technisch untersucht. Dabei staunten die Polizisten nicht schlecht, da alle Autos nahezu beanstandungsfrei waren. Damit ist bewiesen, dass es auch trotz der sich stetig verschärfenden Gesetzgebung möglich ist, derartige Leistungsboliden legal im öffentlichen Straßenverkehr zu fahren. Und das sei den Autoliebhabern auch gegönnt, die zuvor durch ihre Fahrweise auf den öffentlichen Straßen positiv auffielen.

Die "coolen und fachkundigen Typen von der Polizei"

Die Polizisten besprachen beim anschließendem Fachsimpeln mit den Musclecar-Fans aktuelle Themen rund um die Autoszene. Die Gespräche waren sehr konstruktiv und geprägt vom verständnisvollen Umgang miteinander. Was die Beamten sehr freute: In den sozialen Netzwerken bezeichnete man sie nachher als die "coolen und fachkundigen Typen von der Polizei".

Kurze Zeit später erfreuten die Polizeibeamten sich an einem weiteren Highlight des Abends. Ein Verkehrsteilnehmer gab während der Kontrolle ein spontanes Akkordeon-Ständchen.

Betriebserlaubnis bei sieben Fahrzeugen erloschen

Die Bilanz nach einer langen Kontrollnacht: Unzulässige Veränderungen führten bei insgesamt sieben Fahrzeugen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Zweimal mussten Fahrzeugschlüssel sichergestellt werden, um die Untersagung der Weiterfahrt durchzusetzen. Drei Fahrzeuge wurden vor Ort stillgelegt. Einen Autoposer traf es aber noch härter. Da er im Stadtgebiet ohne erforderliche Fahrerlaubnis mit seinem hochklassigen Benz seine Runden drehte, leiteten die Beamten gegen ihn ein Strafverfahren ein. Er durfte die Heimreise zu Fuß antreten. In einem anderen Fall durfte ein Tuner, der die in den Fahrzeugpapieren festgelegte Höhe des Zubehör-Gewindefahrwerks nicht einhielt, sein Fahrzeug wieder auf die korrekte verkehrssichere Höhe schrauben.

Insgesamt stellten die Beamten fest, dass mit fortschreitender Dauer der Kontrollen immer weniger Fahrzeuge in der Stadt unterwegs waren. Scheinbar haben sich auch diesmal die Kontrollen schnell in der Szene herumgesprochen, was auch von der Polizei absolut erwünscht ist. Denn die Botschaft ist klar: Rücksichtloses Verhalten Einzelner schädigt nicht nur den Ruf der Autoszene, sondern bringt auch die Anwohner nachts um ihren Schlaf. Daher wird die Polizei auch weiterhin die Szene beobachten und schwerpunktmäßig Kontrollen durchführen.

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