"Vulkan Gas" aus Lauterbach sorgt für Irritationen

Die Informationsbroschüre der „Stadtwerke Lauterbach“: Mit selbstbewusstem Augenzwinkern und kleinen Spitzen gen Fulda

Kontroverse zwischen "RhönEnergie Fulda"-Gruppe und den Stadtwerken aus Lauterbach / Unmut auch wegen Prospekt

Fulda/Lauterbach - Eine Kontroverse ist seit Kurzem zwischen der „RhönEnergie Fulda“-Gruppe und den Stadtwerken aus Lauterbach entbrannt. Der Grund liegt in der Tatsache begründet, dass die Stadtwerke ab Januar „Vulkan Gas“ in ihrem Vertriebsgebiet liefern wollen. Was wiederum beim angestammten Gasversorger, der „RhönEnergie Fulda“, auf – gelinde formuliert – großes Unverständnis stößt.

Infobroschüre

Dies vor allem, weil die „Lauterbacher Stadtwerke“ eigentlich mit 2,44 Prozent Anteilseigner des Gasversorgers „RhönEnergie Osthessen“ sind, was wiederum eine Gesellschaft des Gesamtkonzerns ist. Verärgert reagiert man in Fulda überdies wegen einer Informationsbroschüre bezüglich der angestrebten Gas-Lieferung, die die Stadtwerke aufgelegt haben. Fünf bekannte Motive aus der Vogelsberger Kreisstadt sind da zu sehen: das Palais (Schloss) „Hohhaus“, dessen Garten, die evangelische Stadtkirche, die Schrittsteine und der „Ankerturm“ (siehe Foto). Nun hätten es die Lauterbacher dabei bewenden lassen können, doch sind die Bildunterschriften das eigentliche „Tüpfelchen auf dem i“, die eine direkte Verbindung zur Stadt und zur Region Fulda darstellen und dazu beitragen, dass man sich bei der „RhönEnergie“ brüskiert fühlt.

Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ gibt es Erläuterungen von deren Pressestelle: Danach ist die Stadt Lauterbach beziehungsweise später ihre 100-prozentige Beteiligung „Stadtwerke Lauterbach GmbH“ seit Jahrzehnten Gesellschafter des Gasversorgers „RhönEnergie Osthessen GmbH“ (REO), der ehemaligen „Gas- und Wasserversorgung Osthessen GmbH“, die die Gasversorgung in Osthessen aufgebaut hat. Für die Bürger der als Gesellschafter an der „REO“ beteiligten Kommunen sei dies stets eine vorteilhafte Kooperation gewesen. Sie bringe den beteiligten Kommunen, also auch der Stadt Lauterbach über die „Stadtwerke Lauterbach GmbH“, Jahr für Jahr verlässlich Ausschüttungen ein. Wörtlich heißt es weiter in der Stellungnahme des Energiekonzerns: „Vor diesem Hintergrund ist die ,RhönEnergie Fulda’ als größter Gesellschafter der ,REO’ natürlich irritiert, wenn der geschätzte Partner Lauterbach nun aus der bewährten Solidargemeinschaft ausschert und im Bereich Gas zum Mitbewerber wird. Nahezu alle anderen Gesellschafter sehen das ähnlich“. So habe beispielsweise der Bürgermeister von Großenlüder, Werner Dietrich, das Vorgehen der Lauterbacher in einem Pressestatement als „befremdlich und nicht fair“ bezeichnet.

Ansonsten lege die „RhönEnergie Osthessen“ Wert auf die Feststellung, dass sie sich den Menschen in Lauterbach selbstverständlich weiterhin sehr verbunden fühle. Zu vielen bestehe eine langjährige Kundenbeziehung, „die geräuschlos funktioniert und ein hohes Maß an Versorgungssicherheit bietet“.

Bürgermeister gelassen

Für Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, Aufsichtsratsvorsitzender der dortigen Stadtwerke, haben die bisherigen öffentlichen Reaktionen des Fuldaer Konzerns und seiner Verantwortlichen „nichts mit Größe zu tun“. Vielmehr wolle man dort augenscheinlich von eigenen Problemen ablenken und baue daher „Drohgebärden“ auf.

Auch dass mit dem Vogelsbergkreis die Kommunalaufsicht eingeschaltet worden sei, die klären solle, ob eine Betätigung der Stadtwerke als Gasversorger nicht rechtens wäre, sieht Vollmöller im Gespräch mit „Fulda aktuell“ gelassen: „Wir haben unser Vorhaben, Gas liefern zu wollen, ordnungsgemäß angemeldet. Alle zuständigen Gremien sind eingeschaltet worden“. Entspannt betrachtet er auch die öffentlich bekannt gewordene Absicht zur Eröffnung einer Geschäftsstelle der „RhönEnergie“ in Lauterbach: „Konkurrenz belebt das Geschäft, unsere Stadtwerke sind gut aufgestellt. Im Übrigen würde dies nur die Bedeutung unserer Stadt als Mittelzentrum weiter betonen“. Die Stadtwerke hätten bislang das Gas für den Eigenverbrauch bei der „RhönEnergie“ gekauft, nun beziehe man das Gas eben woanders günstiger. Vollmöllers Fazit: „Wir bleiben so, wie wir in Lauterbach sind – anständig!“

Zum Thema ein "Zwischenruf" von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Die Menschen im Vogelsberg sind es gewohnt, als „zwar rau, aber herzlich“ zu gelten. Was ich dank vielfältiger Erfahrungen aus tiefstem Herzen bestätigen kann. Auch lässt sich eine gewisse Schlitzohrigkeit, gepaart mit Cleverness, nicht leugnen. Was wiederum nicht überall gut ankommt.

Ein treffliches Beispiel hierfür liefert die aktuelle Kontroverse zwischen der „RhönEnergie Fulda“-Gruppe und den Stadtwerken aus Lauterbach, der Kreisstadt des Vogelsberges. Diese birgt Züge des biblischen Kräftemessens „David gegen Goliath“, wobei damals der mutmaßliche Underdog ebenso selbstbewusst aufgetreten ist wie dies jetzt die Verantwortlichen der Stadtwerke mit ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller tun.

Der Grund für die Meinungsverschiedenheit ist der Plan der Lauterbacher, ab Januar „Vulkan Gas“ liefern zu wollen. Und dies, obgleich man eigentlich Anteilseigner der „RhönEnergie Osthessen“ und dem Konzern somit partnerschaftlich verbunden ist. Die „RhönEnergie“ wiederum möchte keine Konkurrenz im eigenen Haus und wirft den Lauterbachern mangelnde Solidarität vor.

Die spannende Frage ist, ob es beide Unternehmen – das aus dem Oberzentrum Fulda und jenes aus dem Mittelzentrum Lauterbach – schaffen, sich in naher Zukunft wieder auf einem vernünftigen Level zu begegnen. Wobei der Stachel in Fulda tief sitzen dürfte, nicht zuletzt aufgrund der als Brüskierung empfundenen Infobroschüre aus dem Vogelsberg: Dort nämlich wird, augenzwinkernd verpackt, vor allem eines sehr deutlich: „Wir sind zwar klein, aber wir müssen uns vor niemandem verstecken!“ Anders formuliert: „Was Ihr könnt, das können wir schon lange“.

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