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Kosmisches Bombardement: „Chebarkul“-Einschlag erst der Anfang ?

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VON MICHAEL PASSARGEBad Salzschlirf. Der "Chebarkul Meteorit", derzeit wohl besser bekannt unter der Bezeichnung "Der Meteoritenfall vo

VON MICHAEL PASSARGE

Bad Salzschlirf. Der "Chebarkul Meteorit", derzeit wohl besser bekannt unter der Bezeichnung "Der Meteoritenfall von Chelyabinsk", zeigt einmal mehr, dass wir auf unserem "kleinen blauen Planeten" gar nicht so sorglos die uns vorgegebene Bahn um unseren Mutterstern Sonne einnehmen, sondern fortwährend einem mehr oder minder starken kosmischen Bombardement ausgesetzt sind.

Sehr großen Schaden hat dieser Einschlag in der rund 80 Kilometer von Chelyabinsk liegenden 40.000 Einwohner zählenden Stadt Chebarkul angerichtet – eine Stadt fast so groß wie Fulda. Wir müssen uns das einmal plastisch vor Augen halten, wenn plötzlich das Dach des Stadtschlosses, sämtliche Scheiben, zum Beispiel im bischöflichen Palais, im Dom, in den Geschäften der Innenstadt, bei der ÜWAG, Banken etc. zerbersten und messerscharfe Glasgeschosse durch die Amtsstuben rasen, Türen herausfliegen und Menschen in Panik geraten. Erst dann wird in Ansätzen begreifbar, was es heißt, von einem "kleinen" 20 Meter dicken Brocken mit derart hoher Geschwindigkeit getroffen zu werden.

Statistisch sind wir ja längst überfällig, was einen richtig großen Meteoriteneinschlag betrifft. Und eigentlich müssten wir mehr Geld für die "kosmische Festkörper-Überwachung" ausgeben. Von dort droht ein Bombardement, das uns erschaudern lassen kann.

Sternschnuppenstrom

Der alljährlich wiederkehrende Sternschnuppenstrom der Perseiden, im Volksmund auch Laurentiustränen genannt, besteht aus nichts anderem als kleinen, noch nicht einmal Stecknadelkopf großen Festkörperchen, die der alle 133 Jahre wiederkehrende Komet "109P/Swift Tuttle" als breites Band bei seinem Umlaufbahn um die Sonne hinterlassen hat und den die Erde alljährlich im August durchquert. Ein hübsches und zugleich für uns völlig ungefährliches kosmisches Bombardement.

Anders sieht es aus, wenn beispielsweise zwei Asteroiden im Asteroidengürtel (er befindet sich zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter) zusammenstoßen, dabei in zahlreiche kleinere und größere Teile zerbersten und diese Trümmerteile dann aus dem Asteroidengürtel heraus katapultiert werden und ihre Bahn in Richtung Erde einnehmen.

Viele verdampfen unterwegs

Es dringen ständig kleinste, größere und zum Glück recht selten auch große Meteoroiden in unsere Atmosphäre ein, wobei die meisten durch die Reibung mit der Erdatmosphäre verdampfen und nur die größeren Festkörper den Weg zur Erdoberfläche schaffen.

Der "Chebarkul Meteor" war ein solch größerer Festkörper, der völlig unerwartet im Grenzdreieck zwischen China, der Mongolei und Kasachstan in rund 1.000 Kilometer Höhe in einem Winkel von rund 20 Grad seinen weiteren Weg in Richtung Erdatmosphäre einnahm. Im Grenzgebiet zwischen Kasachstan und Russland erreichte er eine Höhe von rund 100 Kilometer, tauchte kurz danach in die Atmosphäre ein, durchraste sie nach letzten Auswertungen eines Expertenteams der "Ural State University" und der "Russischen Akademie der Wissenschaften" mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Sekunde.

Blitz und Donner

In einer Höhe von rund 20 Kilometern explodierte der nach letzten Berechnungen der NASA auf 17 bis 20 Meter geschätzte und nach derzeitiger Berechnungen rund 11 Tonnen wiegende Meteorit mit einem extrem hellen und weiteren Blitzen, welche die zerstörerischen und unterschiedlich starken Druckwellen erzeugten, die mit lauten Explosionsgeräuschen verbunden waren.

Zwar absorbierte die Atmosphäre einen Teil der bei der Explosion entstandenen kleineren Teilchen, doch erreichte ein Vielzahl von unterschiedlich großen Trümmerteilen den Verwaltungsbezirk Chelyabinsk und richtete den bekannten Schaden an.

Seine größte Helligkeit erreichte der Meteorit mit < - 26 mag. (astron. Helligkeitsangabe) nahe der über eine Millionen Einwohner zählenden Stadt Chelyabinsk, wobei insbesondere die enormen Druckwellen, aber auch die unterschiedlich großen Trümmerstücke den weiträumigen Schaden bei Menschen und an den Gebäuden anrichtete. Die bislang bekannte Schadenssumme beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro.

Bis zum 18. Februar wurden insgesamt 1.491 Menschen medizinisch versorgt, wobei 112 Betroffene umgehend in Krankenhäusern notversorgt werden mussten. Die meisten Verletzungen wurden durch das Zerbersten von Glasscheiben und einstürzenden Gebäudeteilen hervorgerufen, mit Stichtag vom 5. März wurden 6.040 Wohnungen, 293 medizinische Einrichtungen, 718 Schul- und Universitätsgebäude, 100 Kultur- und 43 Sporteinrichtungen in den Schadenskatalog mit unterschiedlicher Schadenshöhe aufgenommen.

"Laune der Natur"

Auch wenn durch eine "Laune der Natur" die zwei kosmische Ereignisse am 15. Februar 2013 in einem engen Zeitfenster stattfanden, der nahe Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA 14 und der "Chebarkul Meteorit", so haben doch beide Himmelskörper aufgrund ihrer unterschiedlichen Bahnen nichts miteinander zu tun.

Diese Ereignisse zeigen aber einmal mehr und unmissverständlich, wie notwendig die derzeit meist automatisiert arbeitenden Überwachungsnetze sind und künftig noch ausgeklügeltere Technik zum Einsatz kommen muss, um auch vor solchen Überraschungen, wie dem "Chebarkul Meteorit", oder gar größerer kosmischen Festkörpern, so früh als möglich gewarnt zu sein.

Es ist kaum auszudenken, welches menschliche Leid und Schäden an Gebäuden entstanden wäre, wenn dieser Meteorit die Millionenstadt Chelyabinsk direkt getroffen hätte – und das bei den Temperaturen von minus 15 Grad, die zum Zeitpunkt des Ereignisses in der Region herrschten.

"Durchgehend geöffnet"

An unserem Abendhimmel wird in den kommenden Wochen der von der Südhalbkugel auf die Nordhalbkugel übergewechselte Komet C2011/L4 mit dem bloßen Auge, Fernglas oder Teleskop erkennbar sein. Für Oktober ist dann ein wahrer Knaller angesagt, ein Komet, der die Helligkeit und das Erscheinungsbild von Hale-Bopp noch übersteigen kann. Wenn man es so ausdrücken will: "Der Himmel ist durchgehend geöffnet."

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