Ein Krankmacher? Glyphosat-Einsatz wird emotional diskutiert

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Der Einsatz von Glyphosat wird in Deutschland emotional diskutiert. Fulda aktuell hat mit dem Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld gesprochen.

Fulda - Es ist der Aufreger der Woche: Die EU-Kommission verlängert die Zulassung des umstrittenen Mittels zur Unkrautvernichtung „Glyphosat“. 18 von 28 EU-Länder haben für die Zulassung des Pflanzengifts gestimmt. Darunter auch Deutschland, in persona Agrarminister Christian Schmidt (CSU), obwohl eine Stimmenthaltung ausgemacht worden sei. Das ärgert Umweltministerin Barbara Hendriks (SPD). Die SPD spricht von Vertrauensbruch, Schmidt verteidigt seine Entscheidung, „da die EU-Kommission sich ohnehin für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat entschieden hätte“. Ein dunkler Schatten schwebt über der „GroKo“-Verhandlungen. Ist der Streit um dieses Thema berechtigt?

„Der ,Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld’ begrüßt die Zulassung des Pflanzenschutzmittels ,Glyphosat’ für weitere fünf Jahre. Es handelt sich bei diesem Mittel um ein bewährtes Herbizid, welches von der Landwirtschaft bereits seit Jahrzehnten verantwortungsvoll eingesetzt wird“, sagt Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des „Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld“, auf Anfrage von „Fulda aktuell. Der Einsatz des Pflanzengifts werde hoch emotional diskutiert, dabei sei es wichtig, sich auf die wissenschaftliche Bewertung des Pflanzenschutzmittels zu beschränken, gibt Beier weiter zu bedenken. Seit Jahren streiten sich Wissenschaftler darum, ob Glyphosat krebserregend oder gesundheitsschädlich für Mensch und Tier ist. Eine Studie widerlegt die anderen. „Die Landwirte gehen nach wie vor sehr verantwortungsbewusst mit diesem Pflanzenschutzmittel um, wie sie es auch mit allen anderen Pflanzenschutzmitteln tun“, so Beier.

Die Fuldaer Grünen kritisieren die weitere Zulassung von Glyphosat. In einer Stellungnahme heißt es: „Es ist unglaublich, dass die Bundesregierung – anders als in vorangegangen Abstimmungen, bei denen sich Deutschland enthalten hatte – für die Zulassung um weitere fünf Jahre gestimmt hat. Somit kam keine Mehrheit gegen das Pflanzengift zustande.“ Es habe nichts auf deutschen Äckern zu suchen, erklärt der Sprecher des Grünen Kreisverbandes, Knut Heiland.

Die Grünen seien froh, dass in Hessen bereits auf die möglichen Risiken reagiert wurde und Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) mit einer strikten Einschränkung zur Anwendung von „Glyphosat“ im öffentlichen Raum reagiert habe. Auch Beier verspricht: „Das Mittel wird in den nächsten fünf Jahren verantwortungsbewusst unter Einhaltung der Anwendungsrichtlinien von den Landwirten genutzt werden.“

Zwischenruf von Bertram Lenz: Vergiftet

Der Begriff „Glyphosat“ dürfte bis vor Kurzem nicht unbedingt der breiten Masse bekannt gewesen sein.

Inzwischen aber ist er – bitte nicht wörtlich nehmen! – in aller Munde. Denn nach dem positiven Votum von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der EU in Brüssel, das ausschlaggebend dafür gewesen ist, die Zulassung für das Unkrautvernichtungsmittel um weitere fünf Jahre zu verlängern, fühlt sich die SPD als möglicher GroKo-Partner zutiefst brüskiert. Die Atmosphäre ist vergiftet, das Vertrauen ziemlich dahin – und die mögliche Neuauflage einer Großen Koalition steht plötzlich auf der Kippe. Was in meinen Augen nicht das Schlechteste wäre, denn abermals vier Jahre in einer Regierung mit CDU/CSU unter Angela Merkel würde die Sozialdemokraten an den Rand der politischen Selbstbehauptung bringen.

Die Umstände der Schmidtschen Entscheidung, die von Tag zu Tag klarer werden, belasten nicht nur mögliche GroKo-Verhandlungen, sondern auch das Tagesgeschäft der nur noch geschäftsführend tätigen Bundesregierung. Denn der Minister hat klar gegen den Koalitionsvertrag ver- und insbesondere SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks vor den Kopf gestoßen. Dass ihn Kanzlerin Merkel ob dieses Alleingangs gerügt hat, dürfte eher kosmetischer Natur sein. „Glyphosat“ steht im Verdacht, krebserregend zu sein und bei massivem Einsatz die Artenvielfalt zu schädigen. Wie es damit aussieht, wurde erst vor wenigen Wochen bekannt, als durch eine Untersuchung aufgezeigt wurde, dass die Zahl der Insekten in weiten Teilen Deutschlands seit 1989 um etwa drei Viertel zurückgegangen ist.

Forscher hatten dies schon länger vermutet, jetzt ist der Schwund wissenschaftlich belegt. Diese negative und Besorgnis erregende Entwicklung dürfte freilich auch für andere Länder und Kontinente in Frage kommen. Schmidts Kritikern ist zuzustimmen, die das Votum skandalös nennen. Der grüne Europaabgeordneten Martin Häusling bringt es auf den Punkt, wenn er bemängelt, dass der Zusammenhang zwischen einem Verlust an biologischer Vielfalt und „Glyphosat“ ebenso ignoriert werde wie die Tatsache, dass es einen ernsthaften Krebsverdacht gebe. Jetzt haben die Grünen angekündigt, die anderen Parteien im „Glyphosat“-Streit in Zugzwang bringen zu wollen. Dazu werde man einen Antrag in den Bundestag einbringen, dem sich – so sagt es Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter – „die anderen Parteien anschließen müssen, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen“. Da darf man schon jetzt gespannt sein, wie das ausgeht...

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