Interview mit Bürgermeister Matthias Kübel

Kurort Bad Salzschlirf: Wie schlimm ist er betroffen?

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Wie sieht die aktuelle Lage in Kurorten der Region aus? „Fulda aktuell“ hat nachgefragt und mit Matthias Kübel, Bürgermeister von Bad Salzschlirf, gesprochen.

Bad Salzschlirf. Mit einem dringlichen Appell haben sich Bäderbetriebe, Kureinrichtungen und Sportstätten in der Bundesrepublik Deutschland an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Finanzminister Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und an die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer gewandt. Denn um ein Bädersterben zu verhindern, sind schnellere und wirksame Hilfsprogramme nötig, die den Bestand der Einrichtungen nachhaltig sichern. Interv

FULDA AKTUELL: Inwieweit ist Bad Salzschlirf vom Bädersterben betroffen?

MATTHIAS KÜBEL: Die Coronakrise beeinträchtigt die Gemeinde sehr. Die Schließungen der Hotels lässt Gäste und damit verbundene Einnahmen wegbrechen. Im vergangenen Jahr konnte der Ansatz der Erträge aus der Kurtaxe nur zu gut 50 Prozent erreicht werden. Die Ausgleichszahlung des Landes 121.000 Euro hat uns dabei mit einem blauen Auge davonkommen lassen und die Ausfälle nicht ganz vollständig kompensiert.

Darüber hinaus stellen die ausbleibenden Gäste eine Belastung für die örtlichen Händler und Gastronomen dar. Die Rehakliniken können zwar zeitweise während des Lockdowns öffnen jedoch ist mit den reduzierten Patientenzahlen und dem Mehraufwand für Hygiene etc. keine wirtschaftlichen Erfolge zu feiern.

FA: Wie viele Menschen kommen durchschnittlich pro Jahr wegen dieses Prädikats nach Bad Salzschlirf?

KÜBEL: Im Jahr 2015 hatten wir 214.000, im Jahr 2018 rund 220.000 und im Jahr 2019 212.000 Übernachtungen. Eine Unterscheidung „wegen des Prädikats“ oder aus beruflichen Gründen (Fortbildung der Akademie der Standesbeamten, Tagungen in den Hotels) oder Besuche von Rehapatienten) wird nicht geführt.

FA: Welche finanziellen Mittel muss die Stadt jährlich aufwenden, um den Kurbetrieb aufrecht zu erhalten?

KÜBEL: Die Gemeinde hat im Haushaltsjahr 2021 300.000 Euro Betriebskostenzuschuss für die ‚Touristik und Service GmbH‘ angesetzt. Darüber hinaus erhält die 100 prozentige Tochter GmbH der Gemeinde die Einnahmen aus der Kurtaxe (2021: 230.000 Euro) und dem Bäderfinanzausgleich (2021: 340.000 Euro).

FA: Welche finanziellen Hilfen von Bund und Land gibt es derzeit und in welcher Höhe?

KÜBEL: Grundsätzlich erhalten wir regelmäßig Zuschüsse aus dem Bäderfinanzausgleich des Landes. Weitere regelmäßige Hilfen erhalten wir nicht. Im vergangenen Jahr gab es zudem die Sonderhilfe und eine Aufstockung des Bäderfinanzausgleiches von zehn Millionen auf 15 Millionen Euro für alle hessischen Heilbäder. Damit sollen die erwarteten Einbrüche im Bäderfinanzausgleich ausgeglichen und die Einnahmen für die Heilbäder stabil gehalten werden.

FA: Unterstützen Sie den Appell der Hessischen Heilbäder?

KÜBEL: Ja, uneingeschränkt. Der Heilbäderverband hat in den zurückliegenden Monaten eine hervorragende Arbeit geleistet und in zahlreichen Einzelgesprächen auf die Nöte der Heilbäder aufmerksam gemacht. Die Sonderhilfen sind auch dieser Arbeit geschuldet.

FA: Wie viele Menschen leben vom Bäderbetrieb in Bad Salzschlirf?

KÜBEL: Zirka 640 Menschen. Die letzte Erhebung ist allerdings von 2015.

FA: Was würden Sie sich von der Politik wünschen?

KÜBEL: Die Hessischen Heilbäder benötigen dringend ein Investitionsprogramm. Für Bad Salzschlirf kann hier beispielhaft der Förderbedarf für den Neubau der Therme genannt werden. Weder auf Landes- oder Bundesebene sind Förderprogramme vorhanden, die die Kurinfrastruktur gezielt fördern. Mit dem Städtebauförderprogramm Wachstum und nachhaltige Erneuerung können wir die kurspezifischen Grünstrukturen (Kurpark, Wege etc.) erneuern. Aber für die Bäder und Thermen gibt es das nicht. Das ist umso unverständlicher, als wir einen Anstieg im Deutschlandtourismus erwarten, jedoch nicht oder nur mit erheblichen finanziellen Kraftakten die Infrastruktur für diese Gäste auf den neuesten Stand bringen können. Die überwiegende Zahl der Thermen und Bäder in der Heilbäderfamilie wird in den kommenden zehn Jahren deutliche Sanierungs- oder Neubaubedarfe haben. Da muss das Land helfen, um die auch für die Gesunderhaltung und Erholung der Gesellschaft wichtige Heilbäderlandschaft zu stützen.

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