Kyrill-Muffensausen: „Live“ im Stau auf der A 7

Fulda/Bad Brckenau. Donnerstag 17.52 Uhr. In unserer Redaktion in der Leipziger Strae 145 gehen die Lichter aus. Stromausfall im Norden F

Fulda/Bad Brckenau. Donnerstag 17.52 Uhr. In unserer Redaktion in der Leipziger Strae 145 gehen die Lichter aus. Stromausfall im Norden Fuldas. Der Monster-Orkan Kyrill ist mit voller Wucht nun auch in der Region Osthessen angekommen.

Unter dem fahlen Schein von Kerzenlicht packen der Kollege und ich unsere sieben Sachen zusammen und machen uns auf den Weg nach Hause. Um 18.10 Uhr wird es wieder hell zumindest in der Redaktionsstube. Schnell den Computer runter fahren und dann ab auf die Autobahn. Auf Hhe von Uttrichshausen die Hiobsbotschaft aus dem Autoradio. Hier ist Bayern 3: Die A 7 zwischen Fulda-Sd und Bad Brckenau-Volkers ist komplett gesperrt. Auf der Grenzwaldbrcke ist ein Lkw umgekippt und liegt quer ber die Fahrbahn.

Shit. Zu spt um an der Rastanlage Uttrichshausen auszufahren und der Beginn eines Live-Erlebnisses, auf das ich gerne htte verzichten knnen. ber das aus aktuellem Anlass und zwecks Lerneffekts aber unbedingt berichtet werden muss.

Bis auf eineinhalb Kilometer kmpfe ich mich mit meinem Fiesta an die Unfallstelle heran, dann versperren querstehende Lkw und Pkw ein weiteres Vorankommen. Zu Fu, mit einer kleinen privaten Digi-Kamera bewaffnet, geht`s weiter. Manche Autofahrer zeigen mir den Vogel, andere die Lichthupe. Wieder andere drcken ihr Unverstndnis in despektierlichen Kommentaren aus: Du hast wohl nix besseres zu tun, als jetzt auch noch zu fotografieren. Ich bin Journalist, entschuldige ich mich.

Mit dem Knipsen wre es fast nichts geworden. Denn was sich auf der rund 80 Meter hohen Brcke zwischen Bayern und Hessen abspielt, habe ich bis dato noch nicht erlebt. Mit Windstrke 11 fegt der Orkan ber das Land, peitscht den Regen quer ins Gesicht und drckt den Reporter schief gegen die Mittelleitplanke, sobald er sich aus dem Windschatten der Lastwagen wagt. Das kann ich nicht mehr verantworten. Bitte gehen Sie zurck, holt mich ein Polizist aus der selbstverschuldeten Gefahrenlage. Jetzt erst wird mir bewut, wie weit (zu weit?!) ich mich auf unsicheres Terrain begeben hatte. Muffensausen, ja fast Todesangst kommen auf. Zum ersten Mal in meinem Leben verspre ich dieses mulmige Gefhl.

Vor allem auf dem Rckweg, als links und rechts die Bume wie Mikadostbchen umknicken, das Knacken und Knarren der brechenden Bume nicht aufhren will. Jetzt erinnere ich mich der warnenden Worte meines Chefredakteurs, der uns schon am Nachmittag nach Hause schicken wollte und uns eindringlich dazu riet, aus naheliegenden Grnden diesmal auf Actionbilder zu verzichten.

Wieder am eigenen Wagen. Nur nur wenige Zentimeter daneben ist eine Lrche entwurzelt worden, hat mit ihrer abgebrochenen Spitze meineSeitentr leicht touchiert.

Jetzt nimmt mich ein hessischen Polizeifahrzeug in den Schlepptau. Ich fahre unter der Grenzwaldbrcke hindurch auf die Gegenfahrbahn wieder in Richtung Fulda. Die Fahrzeuge stauen sich auf der Rhnautobahn Richtung Sden bis Uttrichshausen zurck. ber die Rastanlage gelange ich auf Schleichwegen ber Motten schlielich nach Volkers. Knapp drei Stunden fr 35 Kilometer. Im Dorf hat es dutzende Dachziegel auf der Strae zerschlagen. Unser tnernes Trschild liegt zerdeppert am Boden. Hier wohnen die Ehrensbergers in Bruchstcken. Der Rest der Familie hatte stundenlang versucht, den Vater bers Handy zu erreichen. Nicht mglich. Akku leer. Papa, jetzt wei ich, dass ich mich nie mehr ber Hurrikans in Amerika lustig machen werde, sagt der Junior mit Trnen in den Augen. Ich auch nicht, sagt der Senior mit weichen Knien...

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