Ein Laden, der gut läuft: Einblicke in die vielschichtige Arbeit der „Fuldaer Tafel“

Die "Fuldaer Tafel" leistet einen wichtigen Beitrag für Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben. In Fulda sind 3.500 Menschen, davon 1.200 Kinder betroffen.

Fulda - Erzählt Wolfgang Arnold von „seiner“ Tafel, dann gerät der pensionierte Schulleiter ins Schwärmen: Dieser Gemütszustand freilich gilt insbesondere den rund 130 vorwiegend ehrenamtlichen Helfern, die ganz entscheidend mit dazu beitragen, dass dieser „mittelständische Betrieb“ in der Weserstraße 33 funktioniert. Arnold, der im Dezember 2016 den Vorsitz der „Fuldaer Tafel“ von Heinz Steege übernommen hatte, weiß, wie wichtig es ist, wenn alle Rädchen reibungslos ineinanderlaufen. Um die gut 3.500 Menschen, die Kunden genannt werden, versorgen zu können. Unter denen 1.200 Kinder sind.

Fulda, Hünfeld, Lauterbach

Arnold betont im Gespräch mit „Fulda aktuell“: „Von diesen 3.500 Kunden kommen zwei Drittel aus der Stadt und ein Drittel aus dem Landkreis Fulda“. Die in Hünfeld ansässige Tafel versorge Menschen im Altkreis Hünfeld, zudem gebe es eine Einrichtung in Lauterbach. Der „Tafel“-Vorsitzenden nennt es paradox, „dass es uns augenscheinlich noch nie so gut ging wie jetzt, mit einer auf Hochtouren laufenden Konjunktur, und auf der anderen Seite gibt es diese immens hohe Zahl an Kunden“. Dies könne unter anderem daran liegen, dass manche Einkommen sehr niedrig und Menschen daher „trotz Arbeit arm“ seien. Betroffen machten ihn auch die 1.200 Kinder, die von der „Tafel“ profitierten: „So viele, das muss man schon Kinderarmut nennen und ist eigentlich eine Schande“. Über die Ursachen könne man nur spekulieren, wobei eine Erklärung darin liegen dürfte, dass der Großteil der Kunden alleinerziehende Mütter sind.

„Tafel“-Vorsitzender Wolfgang Arnold (Zweiter von links) gemeinsam mit einigen Mitarbeitern, die gerade am Sortieren sind.

Aktionen für "Tafelkinder"

Für Kinder organisiert die „Tafel“ übrigens zwei eigene Aktionen: Um Weihnachten „Kinder spenden für andere Kinder“, wobei Spielzeug und Ähnliches bei der „Tafel“ abgegeben werden kann und dort aus hygienischen Gründen in einem speziellen Container gelagert wird. Gemeinsam mit „Galeria Kaufhof“ gibt es dann eine Aktion speziell zum Schustart: ABC-Schützen können auf einen „Wunschzettel“ schreiben, was sie möchten (Schultasche, Mäppchen und ähnliches), und dies wird dann zu erfüllen versucht. Inzwischen geben sehr viele Geschäfte in der Region Lebensmittel für die „Tafel“ ab. Diese gehört übrigens zum so genannten Bayernverband der „Tafeln“, wodurch die Fuldaer Kunden mit vielen Molkereiprodukten versorgt werden, die jedoch wegen der Kühlung eine besondere Herausforderung darstellen. „Ein großer Teil der Kosten geht bei uns übrigens für die Fahrzeuge drauf, die wir zum Einholen der Waren benötigen“, unterstreicht Arnold.

Drei Wagen im Einsatz

Derzeit sind drei Wagen im Einsatz, hinzu kommt ein alter VW-Bus, mit dem Altpapier eingesammelt wird, das man dann zur „Papierfabrik Jass“ bringt, und das auch eine gute Einnahmequelle darstellt. Sowohl Arnold als auch verschiedene Helfer wehren sich allerdings dagegen, als „Notnagel“ benutzt zu werden: „Wir sind nicht dazu da, bei Leuten vorbeizufahren, die einen Packen Altpapier im Haus haben und meinen, die ,Tafel’ müsse nur kommen und es abholen. Die stellen es dann einfach vors Haus, egal in welchem Zustand es ist, und denken: ,Nun macht mal’“.

Tagesverantwortlicher Gerhard Krönung organisiert unter anderem die Teams, die die Waren abholen.

Viel Unterstützung aus der Region

Der „Tafel“-Vorsitzende ist dankbar, dass es in der ganzen Region eine große Bereitschaft gebe, der seit über 13 Jahren existierenden Einrichtung zu helfen. Dazu gehörten neben den erwähnten Geschäften auch Einzelhändler, Bankinstitute, Autohäuser und verschiedene Verbände. Was die Lebensmittel betrifft, die von den Teams eingesammelt werden, „so ist klar, dass diese nicht 1:1 übernommen werden können, sondern zunächst sorgfältig sortiert werden müssen“. Wichtig ist für Arnold auch, dass es Bestreben der „Tafel“-Verantwortlichen sei, sich nicht abhängig zu machen von staatlichen Zuschüssen. „Nur einmal gab es eine Ausnahme, und zwar zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise in 2016. Da haben wir uns an Stadt und Landkreis Fulda mit der Bitte um finanzielle Unterstützung gewandt. Sonst hätten wir die Herausforderung nicht schultern können“.

Ehrenamtliche Helfer

Um auf den Anfang zurückzukommen: Ganz wichtig sind die so genannten Tagesverantwortlichen, die Arnold organisatorisch zur Seite stehen. An diesem Morgen ist Gerhard Krönung da, der sich seit einem dreiviertel Jahr bei der „Tafel“ ehrenamtlich engagiert. Er ist verantwortlich für den Fuhrpark und teilt die Teams ein, die die Waren abholen. Krönung kommt quasi „vom Fach“, hatte er doch bis zu seiner Pensionierung den Fuhrpark bei Mercedes mit 70 Fahrzeugen unter sich und kennt sich überdies mit Personalführung aus. Er weiß, „dass gerade das Abholen der Waren nicht ohne ist, denn schließlich muss da richtig harte Arbeit verrichtet erden, denn die Kisten müssen ja auch erstmal auf die Fahrzeuge geladen und dann zu uns hochgeschleppt werden“.

Da die Arbeit ehrenamtlich durchgeführt wird und täglich 30 Kräfte unterschiedliche Aufgaben zu übernehmen haben, sucht die „Tafel“ laufend Helfer. Eine, die sich seit elf Jahren bereits engagiert, ist Christina Schleicher. Sie packt ab 7.15 Uhr mit an, wenn es darum geht, die Lebensmittel zu sortieren. Die Kunden, so erzählt sie, zahlen übrigens 2,50 Euro – ein „Trick“, der wichtig für das Selbstbewusstsein ist, weil man dann nicht glaubt, gänzlich auf Almosen angewiesen zu sein. Im Gespräch mit dem Tagesverantwortlichen Leiter der „Tafel“, Hans-Jürgen Schäfer, erzählt dieser, dass ihm ein Fernsehbericht über die „Hamburger Tafel“ so gut gefallen habe, dass er beschloss, sofort mitzumachen, falls es die „Tafel“ einmal in Fulda geben sollte. Das ist jetzt schon 14 Jahre her. Kurz danach gab es bereits den Aufruf, sich zu melden, um zum Beispiel als Fahrer, Kassierer oder Kundenbetreuer ehrenamtlich zu helfen

Tagesverantwortlicher Leiter Hans-Jürgen Schäfer (links) und sein langjähriger Mitarbeiter Manfred Umlauf laden das Kühlauto aus.

"Herausforderung am Anfang"

 „Die Anfänge der ,Tafel, waren eine Herausforderung“, so Schäfer, der als Chef der Tagesverantwortlichen fungiert, überdies die Sortierer einteilt und für die Hygiene zuständig ist. Die Helfer aber hätten sich nach einer kleinen Einarbeitung das Wissen um die Abläufe selber beigebracht und wurden dabei stetig besser. Heute hat sich die „Tafel“ längst etabliert, dennoch warnt Schäfer: „Es gibt immer wieder Menschen, die mit Rosen und Sammeldosen in der Hand angeblich für die ,Tafel’ sammeln. So etwas machen ,Tafeln’ aber nicht!“

Einer der bekannten Transporter der „Fuldaer Tafel“, die im Einsatz sind.

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