„Lage ist katastrophal“: Reise-Unternehmer Frank Happ spricht über die Pandemie

Das Reiseunternehmen von Torsten, Winfried, Rosemarie und Frank Happ leidet unter der Coronakrise.

Das Fliedener Reiseunternehmen von Torsten, Winfried, Rosemarie und Frank Happ leidet unter der Coronakrise.

Flieden - Das „Reisebüro Happ“ veranstaltet seit mehr als 30 Jahren Gruppenreisen in die ganze Welt. „Fulda aktuell“ sprach mit Geschäftsführer Frank Happ, was die Corona-Pandemie für sein Unternehmen bedeutet. „Die Situation ist katastrophal. Wir haben keinerlei Umsatz, aber natürlich weiterlaufende Kosten, die wir auf ein absolutes Minimum reduziert haben“, sagt Geschäftsführer Frank Happ. Es gebe vereinzelt Um- und Neubuchungen sowie Anfragen. Das sei aber laut Happ „zu vernachlässigen“.

Das „Happ“-Personal ist seit Mitte März in Kurzarbeit. Derzeit sind auf Grund der allgemeinen Reisewarnung keine touristischen Reisen erlaubt und es ist auch keine Einreise in andere Länder gestattet. „Wie sich das Ganze entwickelt, kann niemand seriös vorhersehen. Wir empfehlen Kunden aktuell Geduld zu haben und abzuwarten“, rät Happ seiner Kundschaft. Reisebüro-Kunden müssen jetzt „Geduld haben und abwarten, ob oder wann der Veranstalter eine bereits gebuchte Reise absagt, weil sie nicht durchgeführt werden kann oder das Ziel nicht erreichbar ist“, sagt der Geschäftsführer. Zudem sollte man die Stornokostenstaffel des Veranstalters im Blick behalten, falls man selbst aktiv stornieren möchte.

Besser keine Reiseplanung machen

„Aktuell würde auch ich persönlich bis zum Spätsommer keine eigenen Reiseplanungen machen“, so Happ. Das „Reisebüro Happ“ kommuniziert derzeit mit den Reiseleitern in den Urlaubs-Destinationen und bekommt von dort aktuelle Informationen. „Die Lage ist nach Zielgebiet vor Ort ganz unterschiedlich. Es nützt zum Beispiel nichts, wenn auf den Kanarischen Inseln kaum COVID-19-Fälle aufgetreten sind, aber dort trotzdem die für ganz Spanien geltenden Beschränkungen greifen“, so Happ.

Die Reisebüros in Fulda, Hünfeld, Schlüchtern und Flieden sind derzeit geschlossen. Es ist aber ein Servicetelefon und ein Mail-/Faxservice in der Zentrale in Flieden montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr verfügbar. „Bei Reisen, die von uns veranstaltet werden, erstatten wir im Sinne des Kunden grundsätzlich bezahlte Gelder per Überweisung zurück und bieten keine Gutscheinlösung an. Natürlich freuen wir uns über Umbuchungen auf neue Termine zu einem späteren Zeitpunkt“, so Happ. Das „Happ“-Motto in der Coronakrise lautet: „Wer Reisen liebt, verschiebt“, wie es auch auf der Website des Unternehmens unter www.reisebuero-happ.de auf der Startseite zu lesen ist.

„Ohne staatliche Soforthilfe werden nur wenige Reisebüros überleben Auch die von der Bundesregierung ausgehandelte Gutscheinlösung, welche von der EU-Kommission negativ beschieden wurde, sorgt für viel Arbeit in den Reisebüros. Dafür bräuchte es Mitarbeiter, die aber notgedrungen in Kurzarbeit sind“, sagt der Geschäftsführer. „Wir müssen gemeinsam mit unseren Bundes- und Landesverbänden möglichst schnell einen staatlichen Hilfsfonds als mittelfristige Branchensicherung erreichen.“

Hoffen auf die Politik

Nur die Politik könne noch verhindern, dass sich Kunden künftig mit ihren Fragen rund ums Thema Reise mit ausländischen Callcentern oder vorprogrammierten Chatbots zufriedengeben müssten. „Wenn dem deutschen Staat und seiner Gesellschaft diese fachlich hochkompetente Dienstleistung etwas wert ist, dann brauchen stationäre Reisebüros – auch innerhalb der Reisebranche – ein eigenes Rettungsmodell, das über die allgemeinen Sicherungsmaßnahmen hinausgeht“, konstatiert Frank Happ.

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