Interview mit CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Hering

Landtagsabgeordneter unterstützt ME/CFS-Betroffene

CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Hering unterstützt Betroffene der chronischen Erschöpfungskrankheit ME/CFS.
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CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Hering unterstützt Betroffene der chronischen Erschöpfungskrankheit ME/CFS.

Das Thema „Chronisches Erschöpfungssyndrom ME/CFS“ geht auch an der Politik nicht spurlos vorüber. Nach einer Vermittlung über den Bundestagsabgeordneten Michael Brand befasst sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Hering seit vergangenem Jahr regelmäßig mit der Krankheit. Hering setzt sich in verschiedenen Ebenen für den Austausch von Betroffenen mit der Politik ein. „Fulda aktuell“ hat mit dem Landtagsabgeordneten über das Thema ME/CFS gesprochen.

Fulda. FULDA AKTUELL: Wie fand der Austausch mit Betroffenen statt?

THOMAS HERING: Zunächst fand der Austausch beziehungsweise Kontakt über Schaltstellen der CDU-Landtagsfraktion statt. Dann folgte der persönliche Austausch, telefonisch und auch durch Videokonferenzen, welche zu wichtiger Nähe beitrugen.

Bereits zuvor hatte ich bezüglich ME/CFS mehrfach in der CDU-Landtagsfraktion vorgesprochen und stehe im engen Kontakt mit unserem gesundheitspolitischen Sprecher und unserer Referentin.

Der Bereich für Wissenschaft ist ebenfalls eingeschaltet, da es bei dem Thema ME/CFS auch um den wissenschaftlichen Ansatz zur Erforschung der Krankheit geht. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit Prof. Köhler aus Marburg ausgelotet, inwieweit wir in Hessen ein Forschungs- und Versorgungszentrum für ME/CFS etablieren können.

FA: ME/CFS gilt bisher als wenig erforscht. Es mangelt am Bewusstsein für das Krankheitsbild und vor allem an Forschungsgeldern. Am 30. April 2020 stimmte der Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments einstimmig für den Antrag auf eine zusätzliche Finanzierung für die biomedizinische Forschung – ein wichtiger Schritt zur Anerkennung von ME/CFS als schwere Erkrankung. Was sagen Sie dazu? Wie wichtig ist die Aufklärung über dieses Thema?

HERING: Es geht ja nicht nur um die Bereitstellung dringend notwendiger Finanzmittel. Es geht, wie von Ihnen beschrieben um gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung und Bewusstseinsschaffung. Somit scheint mir hier der richtige Weg eingeschlagen zu sein, den ich gerne mitgehe. Allein in Deutschland sind über 250.000 Menschen von der Krankheit betroffen, darunter 40.000 Kinder. 60 Prozent dieser Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie arbeits- beziehungsweise schulunfähig sind. Selbst kleinste Bewegungen kosten sie viel Kraft und Energie. Daher müssen wir auch eine flächendeckende Versorgung für diese Menschen schaffen, denn viele werden hauptsächlich zu Hause von ihren Familien versorgt.

Auch fehlende Kenntnisse in der Medizin oder bei Gutachtern, Versorgungsämtern und Richtern sorgen dafür, dass Betroffene und ihre Familien mit den Belastungen der Krankheit alleine da stehen. In diesem Zusammenhang erhoffe ich mir auch von dieser Anfrage, dass das aufkeimende Interesse der Bevölkerung verstärkt wird.

FA: Inwieweit wird in der Politik etwas in die Wege geleitet?

HERING: Ergänzend zur Initiative von Birgit Gustke, Sprecherin der „Fatigatio Fulda/Osthessen“, bis in den Bundestag setzen wir uns in Hessen dafür ein, dass ein interdisziplinäres Versorgungszentrum in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Köhler in Marburg entstehen kann. Dies wäre vor allem für hessische Patientinnen und Patienten ein Gewinn. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Marburg, Klinikum Gießen und Klinikum Fulda könnte so außerdem eine flächendeckende Versorgung in Hessen gewährleistet werden. Meines Wissens gibt es entsprechendes Engagement nur in der Region München sowie der Berliner Charite.

FA: CDU/CSU, SPD und Grüne seien seither bereit, sich für die Belange der ME/CFS-Betroffenen einzusetzen. Lediglich das Gesundheitsministerium zeige bisher wenig Interesse an der großen Not der Betroffenen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS. Hat sich da in 2021 etwas geändert?

HERING: Mit meinen Ausführungen stelle ich auch auf das Bewusstsein in der Politik ab, wobei ich mich im Folgenden auf Kompetenzen in Hessen beziehe. Unser derzeitiges Bestreben setzt auf drei Säulen: Beratung, Forschung, Pharmakologie.

Auch besteht Interesse an weiteren Standorten in Hessen, um neben Forschung auch dem Bedarf an direkter Unterstützung Betroffener gerecht zu werden. Zudem dürfte ME/CFS sehr aktuell weitere Aufmerksamkeit erlangen in Zusammenhang mit Langzeitfolgen von Covid19-Erkrankungen, da vermutet wird, dass etwa zehn Prozent aller COVID-19 Erkrankten auch Symptome vom ME/CFS entwickeln könnten.

FA: Was würden Sie sich in Zukunft für Betroffene wünschen?

HERING: Der Bericht einer von ME/CFS betroffenen Ärztin hat mir den dringenden Aufklärungsbedarf verdeutlicht. Teils schwere Leiden bis hin zum Ausfall selbständiger Lebensführung, falsche Therapieansätze, unspezifische Diagnoselage mit oftmals einhergehender Stigmatisierung, zeigen mir die Notwendigkeit, hier nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftlich voranzuschreiten. So wünsche ich uns allen eine Erweitung der gesundheitsbezogenen Blickwinkel.

Den Betroffenen Menschen wünsche ich Anerkennung beziehungsweise Verständnis für ihre Lebenssituation und bestmögliche Heilungschancen, zu denen Ursachenerforschung, effektive Einordnung und Therapie zählen. Da gibt es noch einige Baustellen.

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