Lauf-Nase als Symptom: Gesundheitsamts-Leiter Breitmeier zur Corona-Delta-Variante

Prof. Dr. Dirk Breitmeier ist Leiter des Fachbereichs Gesundheit beim Landkreis Fulda, Amtsarzt und Amtsleiter des Gesundheitsamtes. Er zeigt auf, wie sich die Delta-Variante des Coronavirus auswirken könnte.
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Prof. Dr. Dirk Breitmeier ist Leiter des Fachbereichs Gesundheit beim Landkreis Fulda, Amtsarzt und Amtsleiter des Gesundheitsamtes. Er zeigt auf, wie sich die Delta-Variante des Coronavirus auswirken könnte.

Prof. Dr. Dirk Breitmeier, der Leiter des Gesundheitamtes im Landkreis Fulda, spricht über die Delta-Variante des Coronavirus und deren mögliche Auswirkungen auf die Region.

Osthessen. Die Corona-Inzidenzen in den osthessischen Landkreisen sinken stetig. Dennoch macht die Delta-Variante des Corona-Virus COVID-19 Virologen Sorgen, denn sie soll deutlich ansteckender sein. FULDA AKTUELL hat bei Prof. Dr. Dirk Breitmeier, den Leiter des Fachbereichs Gesundheit beim Landkreis Fulda, Amtsarzt und Amtsleiter des Gesundheitsamtes, nachgefragt, wie sich die aktuelle Situation in der Region darstellt.

FULDA AKTUELL: Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass die Delta-Variante des Corona-Virus den Landkreis Fulda erreicht?

PROF. DR. DIRK BREITMEIER: In zahlreichen Landkreisen in Deutschland ist die Delta-Variante bereits nachgewiesen worden. In Hessen gibt es aktuell etwa 120 Fälle mit Hinweisen auf die Delta-Variante beziehungsweise im Rahmen der Genomsequenzierung nachgewiesene Delta-Varianten. Betrachtet man die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger und die zunehmenden Lockerungen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste nachgewiesene Fall mit einer Delta-Variante auch im Landkreis Fulda auftritt. Im Rahmen von Laboruntersuchungen im Zusammenhang mit PCR-Tests Varianten-PCR) sind bereits Befunde zu erheben gewesen, die zumindest den Verdacht auf das Vorliegen der Delta-Variante im Einzelfall zuließen. Weitere molekularbiologische Untersuchungen Vollgenomsequenzierung), deren Ergebnisse zurzeit noch ausstehen, sind erforderlich, um den Hinweis auszuräumen oder aber zu bestätigen.

FA: Welche Auswirkungen würde eine Ausbreitung der Delta-Variante für die Gesundheitsversorgung der Region haben?

BREITMEIER: Die Ausbreitung einer neuen Virusvariante haben wir bereits mit der englischen) Alpha-Variante im vergangenen Winter durchlebt. Während der Hochphase der dritten Welle hier im Landkreis Fulda, mit Inzidenzen von um die 380, waren die Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte deutlich stark belastet. Die Versorgung in der Region war jederzeit gewährleistet. Dennoch, das Wissen darüber, wie stark sich die Delta-Variante ausbreitet und ob sie einen höheren Anteil an schweren Verläufen hervorruft, ist noch gering. Derzeitige nationale und internationale Erkenntnisse zusammenfassend, scheint das Delta-Virus leichter übertragbar zu sein, das heißt, dass diese Variante ansteckender ist. Ferner wird von schwereren klinischen Verläufen berichtet, hier insbesondere junge Menschen betreffend. Wir müssen wachsam bleiben und weiterhin auf Abstand und Händehygiene achten, regelmäßig lüften und Masken tragen, das heißt, die AHA-L-Regeln sind nach wie vor konsequent einzuhalten und umzusetzen, was auch für geimpfte Personen gilt.

FA: Welche Symptome zeigen sich bei der Delta-Variante im Gegensatz zu den bisher bekannten Virustypen?

BREITMEIER: Die COVID-19 Erkrankung kann ganz allgemein mit sehr verschiedenen Symptomen auftreten. Husten, Schnupfen, Fieber, Geruchs- und Geschmacksveränderungen, Durchfall, um nur einige mögliche Symptome zu nennen. Zu einer veränderten Symptomatik speziell bei der Delta-Variante gibt es bisher nur wenig Erkenntnisse.

Klinisch, soweit derzeitige Erkenntnisse berücksichtigend, scheint die Infektion mit der Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus eher, insbesondere bei jungen Menschen, wie eine einfache Erkältung oder Sommergrippe zu verlaufen. Neben Fieber wird der Schnupfen vordergründig genannt; insbesondere wird, im Vergleich zum Wildtyp, über eine laufende Nase berichtet. Im Gegensatz zum Wildtyp bzw. anderer Varianten, scheinen nur wenige der mit dem Delta-Virus infizierten Personen über Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinnes zu berichten.

Es ist somit von erheblicher Bedeutung, dass sich Personen mit Erkältungssymptomen dringend und zeitnah auf das SARS-CoV-2-Virus testen lassen.

FA: Wie ist der Verlauf einer Erkrankung – milder oder heftiger als bei den bisher bekannten Virustypen?

BREITMEIER: Daten aus England zur Schwere der Krankheitsverläufe weisen darauf hin, dass es zu mehr Krankenhausbehandlungen kommt als dies bei der Alpha-Variante der Fall ist. Fernerhin scheinen die Krankheitsverläufe, insbesondere bei jungen Personen schwerer zu sein. Die Daten zeigen aber auch, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt, so können beispielsweise, gemäß der Literatur, durch eine vollständige Impfung mit dem m-RNA-Impfstoff der Firma „BioNTech“ bis zu 96 Prozent schwerer Krankheitsverläufe verhindert werden; bei dem Vektor-basierten Impfstoff von „Astrazeneca“ sind es etwa 92 Prozent.

FA: Wie können sich die Menschen am besten vor der Delta-Variante schützen?

BREITMEIER: Den besten Schutz bieten die bereits vertrauten Verhaltensregeln:

• Abstand halten, mindestens 1,5 Meter

• Händehygiene einhalten

• Masken tragen – und zwar über Mund und Nase, nicht am Ellenbogen

• Regelmäßig Lüften in geschlossenen Räumen

• Bei Symptomen zuhause bleiben, sich isolieren !!!) und zum PCR-Test gehen

FA: Welche Maßnahmen hat das Gesundheitsamt ergriffen, um eine Ausbreitung der Delta-Variante beziehungsweise der gesamten Pandemie einzudämmen?

BREITMEIER: Schon seit den ersten Hinweisen auf besorgniserregende Varianten wurden und werden Kontaktpersonen engmaschig überwacht und getestet. Gleiches gilt für Reiserückkehrende aus Virusvarianten-Gebieten, um frühzeitig eine Infektion zu erkennen.

Bei der täglichen Arbeit im Gesundheitsamt geht es weiterhin, aber insbesondere auch im Zusammenhang mit der Delta-Variante, darum, Infektionsketten so schnell wie irgend möglich zu durchbrechen. Das bedeutet, positive Befunde zügig in der Fallermittlung aufzuarbeiten und Kontaktpersonen nachzuverfolgen. Dadurch können ebenfalls frühzeitig Cluster entdeckt und eingegrenzt werden.

Der wichtige zweite große Baustein ist jedoch die Impfung, die im Landkreis Fulda hohes Tempo vorgelegt hat. Mit Stand vom 20. Juni haben 51,6 Prozent der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises eine Erstimpfung erhalten. Bei der Zweitimpfung beträgt die Quote 31,7 Prozent. Jetzt geht es zudem darum, auch jene zu sensibilisieren und zu überzeugen, die bislang noch skeptisch oder ablehnend sind. Um dafür einen Anstoß zu geben, haben Landkreis und Stadt Fulda nach Aufhebung der Priorisierung ein Impfkampagne konzipiert, die bekannte und weniger bekannte Personen mit ihrer persönlichen Motivation zu Wort kommen lässt.

FA: Wie hoch ist die Belegung der Intensivbetten wegen Corona derzeit im Landkreis Fulda?

BREITMEIER: Gemäß IVENA Hessen Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) ist mit Stand vom 22.06.2021 kein Intensivbett im Versorgungsgebiet 2 VG2 Fulda – Bad Hersfeld) durch einen an COVID-19 erkrankten Patienten belegt.

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