Leben, lernen und spielen in Erstaufnahmeeinrichtung

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Die Erstaufnahmeeinrichtung in Fulda vereinbart leben, lernen und spielen in einer Einrichtung und legt den Grundstein für eine neue Zukunft.

Fulda. Seit dem 1. Oktober 2015 ist der ehemalige "Max Bahr"-Baumarkt in Fulda eine Notunterkunft für  Flüchtlinge. Die Erstaufnahmestelle in der Kreuzbergstraße war die erste Flüchtlingsunterkunft in ganz Hessen, die ein TÜV-Zertifikat für "Transparenz der Prozesse, das Risikomanagement und die Sorgfalt der Beschäftigten" erhielt, informierte Werner Kexel vom "TÜV Hessen" bei einem Pressetermin vor Ort.

Nach  rund vier Monaten hat sich die Flüchtlingunterkunft stark weiterentwickelt. Nun besteht sie aus zwei Gebäuden, dem Baumarkt und der Halle der ehemaligen "SB-Union". Insgesamt sind dort 1.100 Flüchtlinge untergebracht – jeweils 800 im "Max Bahr" und die anderen 300 in der Halle des ehemaligen "SB-Marktes". Das Angebot und die Räumlichkeiten sind  vielfältig. Neben den Wohnkabinen und Aufenthaltsräumen gibt es einen Arzt, Klassenzimmer für den Deutschunterricht, einen Isolierbereich für etwaige Infizierte und einen Waschraum. Zum Essen begeben sich die Flüchtlinge in den sogenannten "Biergarten", eine Mensa mit genügend Sitzmöglichkeiten.

Die Flüchtlingsunterkunft entwickelte sich peu a peu   weiter, mittlerweile  gibt es sogar einen Friseur und einen Infopoint vor Ort. Viele Dinge, wie beispielsweise die Tischtennisplatten der Sporträume oder auch die Wohnkontainer für die Flüchtlinge, welche von "K+S" zur Verfügung gestellt wurden, werden gesponsort. Das ist wichtig, weil wöchentlich neue Erstaufnahmen untergebracht werden müssen. Durch diese Spenden, das neue Material und Equipment können die Neuankömmlinge gut versorgt werden, es kommt zu keinen Enpgässen.

Was den Verantwortlichen der  Flüchtlingsunterkunft sehr am Herzen liegt, ist der tägliche Unterricht für die Neuankömmlinge, bei dem sie alltagsbezogene Dinge beigebracht bekommen – etwa Grundlagen der deutschen Sprache und wie man sich an der Öffentlichkeit verhält. Diese Faktoren unterstützt auch die "Sturmiusschule", indem sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und dreimal wöchentlich einen zusätzlichen Deutschkurs anbietet. Dieser wird von ehrenamtlichen Lehrern der Schule durchgeführt. Das Hauptziel besteht darin, dass die Flüchtlinge  Arbeit finden und so ihr eigenes Geld verdienen. "Das ist ein erster Willkommensschritt" , so Freifrau Donata Schenck zu Schweinsberg, Vize-Chefin des "DRK".

In einer Wohnkabine leben bis zu acht Personen auf – im Vergleich zu anderen Unterkünften – großzügigem Raum zusammen. 20 bis 25 Prozent aller Flüchtlinge sind Kinder, die mit ihren Familien in der Unterkunft leben. Für diese werden viele Aktivitäten angeboten, darunter Puzzeln, Tischtennis, Basteln, Seilspringen und Schachspielen. Auch das Vorlesen von Geschichten gehört zu diesem Programm. Hierbei werden den Kindern immer die selben deutschen Geschichten mit vielen Bildern und Interaktionen vorgelesen. Somit wird das Verständnis der Kinder, bezogen auf die deutsche Sprache, trainiert und sie lernen schneller.  Bei geeignetem Wetter können sich die Kinder auch auf dem Fußballplatz, welcher von der "SG Frischauf Fulda" zur Verfügung gestellt wird, austoben.In naher Zukunft soll ein sogenanntes Begegnungscafe im ehemaligen Baumarkt eingerichtet werden, in dem Bürger der Stadt Fulda zusammen mit den Flüchtlingen Kaffee trinken und in Kontakt treten können.

"Wir öffnen uns nach außen und jeder Bürger kann die Unterkunft betreten", sagte Sozialkoordinator Jürgen Schmitz vom "DRK". So lernten die Flüchtlinge die deutsche Sprache schneller und die Angst vor dem Umgang mit anderen Bürgern werde genommen. Somit diene das für die Zukunft geplante Cafe der Integration der Flüchtlinge und fördere ihre Entwicklung.

Das gesamte System der Flüchtlingsunterkunft ist sehr durchdacht und gut strukturiert, Jeder Neuankömmling wird auf das genaueste medizinisch untersucht,  so dass keine Krankheiten innerhalb der Unterkunft ausbrechen können. Außerdem wird jeder Flüchtling beim Betreten der Mensa mittels eines Chips gecheckt. So können viele  Informationen abgerufen und die Flüchtlingszahlen überprüft werden.

Ein wesentlicher Leistungsträger des Flüchtlingsprojektes ist das "Deutsche Rote Kreuz". Mit insgesamt 15.000 Mitarbeitern in ganz Deutschland, 8.000 Hauptamtlich und 7.000 Ehrenamtlichen, ist das "DRK" bestens  aufgestellt und für die Flüchtlingsanstürme gewapnet. Mehr als 80.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit wurden in Deutschland bisher geleistet, getragen – so wird das große Engagement für die Flüchtlingshilfe deutlich.

Die Mitarbeiter des "DRK" betreuen die Flüchtlinge, begleiten sie und helfen ihnen, wo es nur geht, führen die verschiedensten Kurse für  Kinder durch und leiten die Stationen der Unterkunft. So sind sie 24 Stunden  in den Sanitätsstellen anwesend, leiten die Deutschkurse oder arbeiten in der Mensa. Die meisten Flüchtlinge bleiben bis zu sechs Wochen in der Fuldaer Unterkunft, besuchen alle möglichen Kurse und Aktivitäten, lernen die deutsche Sprache als Basis für ein Leben in Deutschland näher kennen und versuchen, ihr Leben so normal wie möglich zu gestalten. Wenn das unter diesen Umständen überhaupt möglich ist.

Von Lennart Diegelmann

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