Ein Leben nach dem Tod

Max Rimkus musste wiederbelebt werden.

Bad Hersfeld/Fulda - Ich war tot. Nicht lange, aber mein Herz hatte aufgehört zu schlagen. Am 17. Januar 2015 änderte sich innerhalb von Sekunden alles für mich. Es geschah bei einem Handball- spiel der Bezirksoberliga „HSG Werra WHO“ gegen „Jahn Neuhof“. Mein Zusammenbruch während des Spiels kam aus dem Nichts. Vier Ersthelfer retteten mir das Leben, sodass ich ihnen nur undenklich dankbar sein kann. Dankbarkeit ist Glück, die ich oft empfinde. Ich wollte eigentlich nur Handball spielen und später mit meiner Mannschaft den Heimsieg feiern, da war es plötzlich dunkel. So dunkel, dass erst in der Klinik in Bad Wildungen Monate später ein kleines Lichtlein leuchtete. Ich hatte keine Ahnung, was geschehen war. Zu unklar war es in meinem Kopf und ich war zunächst nicht in der Lage, irgendetwas zu realisieren. Es war pure Leere, ohne Gedanken. Was blieb, war die Frage nach dem „Warum“, die sich mir jeden Tag stellte. Leider im Bewusstsein, dass nichts mehr so ist, wie es mal war. Ob motorische Fähigkeiten, Lesen oder Sprechen. Ich war ein kleines Kind, das sein Leben neu entdecken musste. Geist und Wille waren jetzt gefragt.

Implantierter Defibrillator

Die Ursache meines Zusammenbruches ist ein Rätsel, das niemals komplett aufgelöst werden kann. Einen Herztod in diesem Alter zu erleiden, ist äußerst selten. Deshalb waren die Ärzte gezwungen, mir einen implantierten Defibrillator einzusetzen, damit mein Herz geschützt ist. Niemand möchte einen implantierten Defibrillator tragen. Trotzdem ist es, häufiger als gedacht, notwendig. Mir ist bewusst, dass ich das Gerät schätzen muss. Ohne den „Defi“ wäre mein Herz nicht mehr geschützt und er stört mich nicht. Mit 22 Jahren einen „Defi“ tragen zu müssen, klingt hart. Doch nüchtern betrachtet, rettete das kleine Ding mein Leben und lässt mich fast genauso weiterleben wie vorher. Auch mein geliebter Sport kommt nicht zu kurz, auch wenn man Abstriche machen und diese akzeptieren muss. Hatte ich im Januar 2015 noch an der Goethe-Universität in Frankfurt Lehramt studiert, folgte eine unfassbar lange Zeit im Krankenhaus und in der Reha, mit vielen Therapien. Nun bin ich gefangen in dem neuen Alltag, in dem zu- nächst viel Neues und Altes zusammenkommen. Die Frage nach dem „Warum“ stelle ich mir heute fast nicht mehr, denn die Vergangenheit ist Vergangenheit und ein neuer Lebensstil muss gefunden werden. Das dies nicht sehr einfach ist und ich Zeit brauche, um selbst mit allem zurecht zukommen, war anfangs schwer. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Geduld ist alles. Es ist wichtig, in dieser schweren Zeit gute Freunde an seiner Seite zu haben, da ein „lebloses Leben“ Energie benötigt, welche von Freunden gegeben werden kann. Nun hatte ich diese Freunde an meiner Seite und weiß des- halb, was wahre Freundschaft ausmacht und auch bedeutet. Ein kleiner Besuch am Morgen reicht, um Glück zu empfinden. Das Thema Studium war für mich nach der Sache abgehakt. Ich kann von Glück reden, dass die Ärzte in Bad Hersfeld so schnell und gut gehandelt haben. Einen großen Anteil hat daran Dr. Funk, der mich niemals aufgab und alles in die Wege leitete, damit mein Leben weiterhin in der richtigen Bahn laufen konnte. „Handball sollten Sie nicht mehr spielen“, war die nieder- schmetterte Diagnose, die Dr. Jonas mir in der Reha-Klinik Bad Wildungen mitteilte.

Der Grund ist einfach: Bei einem Schlag auf die Brust kann der Defi beschädigt werden und es kann zu schweren Nachwirkungen kommen. Bei solchen Sportarten ist das Risiko einfach zu groß. Wie soll das gehen ohne Handball? Hatte ich den Sport doch 16 Jahre mit Leidenschaft getrieben. Was nun? Eine Antwort dar- auf fand ich nicht. Es blieb mir nur der pure Wille, einen Neuanfang nach dem Kranken- haus und Therapien zu starten. Der eingesetzte Defibrillator hatte sich bis heute noch nicht gemeldet, was ein gutes Zeichen ist. Nicht umsonst wer- den mein Herz und der „Defi“, der etwas kleiner als ein Tennisball ist, alle sechs Monate kontrolliert. Ich sehe den „Defi“ als lebenswichtiges Hilfsmittel und nicht als Feind an. Auch das Reisen ist kein Problem, eine Absprache mit dem Arzt ist trotzdem dringend notwendig. Wenn der Arzt ein Veto einlegt, muss man es akzeptieren.

Die Angst bleibt 

Auch wenn ein implantierter Defibrillator Schutz gibt, besteht immer ein Restrisiko. Zumindest bleibt die Angst, dass das Gerät sich meldet. Bis jetzt ist alles gut. So lange alles positiv verläuft, kann ich mein neues Leben so weiter führen wie bisher. Ein Glück, das ich nicht genug schätzen kann. Dem Defi sei Dank.

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