Lebens- und liebenswertes Dorfborn

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Kleines Dorf(born) ganz groß: Der 600-Seelen-Ort zwischen (Kali-)Berg, Wald, Fluss und Gewerbegebiet

Neuhof - Im Jahr 1450 wurde der Ort Dorfborn zum ersten Mal urkundlich erwähnt – und zwar im Zusammenhang eines Streites zwischen dem Neuhofer Schultheiß unde dem Fliedener Zentgrafen. So beschreibt es die Chronik des „Bürgervereins Dorfborn“, die zum 90-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 1989 herausgegeben wurde. Der Ort selbst dürfte allerdings um einiges älter sein, denn ein Hügelgrab am Waldrand Richtung Harmerz zeugt davon, dass dort bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen siedelten.

Mit dem Ort verbunden

Am Fuße des Kaliberges, zwischen dem „Gieseler Forst und dem Fliedetal liegt das Dorf, das heute genau 601 Einwohner zählt. „Alle die hier leben, sind sehr mit dem Ort verbunden“, sagt Manfred Apel. Er lebt seit 26 Jahren im Ort und ist seit 2015 der Ortsvorsteher Dorfborns. „Wir haben vier sehr aktive Vereine“, freut sich der pensionierte Schornsteinfegermeister. Der traditionsreichste dürfte der im Jahr 1899 gegründete „Bürgerverein“ sein. Feuerwehr und Jugendfeuerwehr gibt es ebenso wie den Skiclub und den Motorsportclub Dorfborn.

Der „Bürgerverein“ hält in Dorfborn die Tradition hoch. Die Vereinsmitglieder sind beispielsweise für den alljährlichen „Hutzelumzug“ zuständig. „Vor allem die Jugend sammelt Eier, Süßigkeiten und auch Geld im Dorf“, sagt Erich Kress, der 25 Jahre lang Ortsvorsteher war. Beim „Froschwirt“ – der einzigen Lokalität in Dorfborn – werden die Eier gebacken und gemeinsam verzehrt. „Der Hutzelbär darf nicht fehlen“, so Apel. Und Kress fügt hinzu: „Mit Musik wird an diesem Tag auf den Straßen getanzt.“ Der „Hutzelumzug“ wird immer am Sonntag nach Aschermittwoch in Dorfborn gefeiert. „Das war schon in alter Zeit so. Trotz Fastenzeit durfte zu diesem Ereignis noch getanzt und Alkohol getrunken werden“, schmunzelt Kress.

Kein Geläut bis 1999

Sein Hobby ist die Kirche. Die St. Josef-Kirche in Dorfborn wurde 1956 erbaut. Sie war zuvor in rund einem Jahr in Eigenleistung der Dorfborner erbaut worden. Allerdings hatte die Dorfborner Kirche kein Geläut. 1990 taten sich die Dorfborner zusammen, um einen Glockenturm an die Kirche anzubauen. „Ein technikbegeistertes Mitglied der Gemeinde hatte eine Lösung parat“, erzählt Kress. Er nahm das Geläut des Kölner Domes auf Band auf und installierte Lautsprecher im Glockenstuhl. „Die Dorfborner wurden also mit dem Klang der größten Kirche Deutschlands zum Gottesdienst gerufen“, erinnert sich Kress mit leichter Belustigung. Doch das konnte nicht auf ewig so bleiben. Erst neun Jahre später erklangen zum ersten Mal drei eigene Glocken.

An Dorfborn vorbei führt eine alte Heerstraße, die von Frankreich bis nach Polen führt und die unter anderem von Napoleons Soldaten genutzt wurde. Heute ist sie ein Teil des Jakobsweges und auch die „Via Regia“ führte durch das heutige Gemeindegebiet von Neuhof.

Das Dorfgemeinschaftshaus war die ehemalige Dorfborner Schule. Heute ist es der Treffpunkt des Ortes, in dem Feiern, Veranstaltungen und Vereinstermine stattfinden. Rund 100 Menschen finden darin Platz. Einen Kindergarten und eine Schule gibt es in Dorfborn nicht mehr, ebensowenig ein Lebensmittelgeschäft. „Aber wir haben im nahegelegenen Neuhof zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten“, sagt Apel.

Großes Gewerbegebiet

Einen großen Teil des Ortsgebietes nimmt das Gewerbegebiet ein. Auch der Logistiker „DPD“ hat sich in Dorfborn niedergelassen. „Wir sind das Gewerbegebiet von Neuhof“, so der Ortvorsteher. Noch gibt es Möglichkeiten, das Gewerbegebiet zu erweitern. „Aber nicht auf Kosten der Lebensqualität in unserem Dorf“, konstatiert Apel. Nach der Fertigstellung der A66 in Richtung Frankfurt hat sich einiges für die Dorfborner geändert. Zwar fließt ein Großteil des normalen und des Schwerlastverkehrs nun über die Autobahn anstatt über die B40, doch manche alten Navigationsgeräte leiten Auto- und Lkw-Fahrer bei Dorfborn von der A66 ab und nach Neuhof wieder zurück. „Die Verkehrssituation auf der K100, die direkt durch unser Dorf führt, ist angespannt“, so der Ortsvorsteher. Die Belastung sei für die Anwohner hoch – vor allem, wenn der Neuhofer Tunnel wegen Wartungsarbeiten gesperrt ist. „Das kommt viermal im Jahr vor“, sagt Apel. Dann rollen laut „Hessen mobil“ rund 6.600 Fahrzeuge durch den kleinen Ort. Bei Umleitungen sind es mindestens doppelt so viele, so Apel.

Ein weiteres Problem, das die Dorfborner beschäftigt, ist der Zug-Güterverkehr. „Die durchrauschenden Züge sind ebenfalls sehr laut“, so der Ortsvorsteher. „Wir Dorfborner sind seinerzeit zu einer Gemeindevertretersitzung nach Neuhof gegangen und haben durchgesetzt, dass ich in unserem Gewerbegebiet nur geräusch­-emissionsarme Betriebe ansiedeln dürfen“, erzählt Apel stolz. Er würde selbst gerne weitere Bauplätze in Dorfborn schaffen, um junge Familien dort ein Zuhause finden zu lassen. „Aber das Regierungspräsidium genehmigt keine neuen Baugebiete“, sagt Apel. Der Grund dafür wird bei einem Dorf-Spaziergang offensichtlich: Zahlreiche Grundstücke im Ort sind unbebaut und liegen brach. „Viele davon sind in Privatbesitz. So lange wir diese Grundstücke nicht bebauen können, werden uns leider auch keine neuen Bauplätze genehmigt.“ Laut Apel ist das Interesse von Bauinteressenten da – lediglich an den Gegebenheiten mangelt es.

„Dorfborn ist ein Naherholungsgebiet“, sagt der Ortsvorsteher. „Wir haben Natur, Berg, Feld und Wald“. Und man feiert gerne in Dorfborn: Neben dem bereits erwähnten „Hutzelfest“ lädt die Feuerwehr am Himmelfahrtstag zum „Vatertagsfest“ ein und der „MSC Dorfborn“ veranstaltet einmal im Jahr ebenfalls ein Fest. Und am „Zollwegfest“ der Gemeinde Neuhof vom 27. bis 30. Juli sind die Dorfborner ebenfalls vertreten. „Wir halten zusammen“, ist Apel sicher.

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