Leserin wurde Wohnung wegen Hundebesitzes gekündigt

+

Eine Leserin hat sich an die Redaktion gewandt, weil ihr Vermieter sie zum 31. Dezember wegen ihres Hundes auf die Straße setzen will.

Fulda. "Mein Vermieter hat mir meine Wohnung gekündigt. Der Grund ist mein Hund”, sagte eine Leserin gegenüber "Fulda aktuell”. Sie wohnt bereits seit 15 Jahren in der selben Wohnung und hat eine mündliche Erlaubnis, dass sie den Hund dort halten darf. Inzwischen gibt jedoch einen Vermieterwechsel und damit fingen die Probleme an.

"Er hat mich erst gebeten, den Hund wegzugeben. Aber wir lieben das Tier und es liebt uns”, erzählt die verzweifelte Leserin, die kurz nacheinander zwei familiäre Schicksalsschläge erleben musste. Und dennoch ist ihr jetzt die Kündigung zum 31. Dezember dieses Jahres zugestellt worden. "Ich habe bereits beim ,Mieterbund’ nach Hilfe gefragt. Dort riet man mir, ich solle den 31. Dezember erst einmal abwarten”, sagt die Hundehalterin. In ihrem Mietvertrag ist jedoch die Haltung von Hunden untersagt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat am 20. März 2013 ein Urteil gefällt, in dem es sinngemäß heißt, dass Mietklauseln, die das Halten von Hunden und Katzen in Mietwohnungen generell verbieten, unzulässig sind. Denn mangels Ausnahmemöglichkeit benachteiligen sie Mieter über Gebühr. Zwischen Vermieter und Mieter sowie allen anderen Mietparteien muss eine Interessensabwägung stattfinden. Laut Aussage der Leserin seien alle anderen Mieter des Hauses, in dem sie wohnt, mit dem Hund einverstanden. Das Urteil des BGH erlaubt jedoch keine generelle Tierhaltung. Denn wenn andere Hausbewohner beispielsweise an einer Tierhaar­allergie oder einer Hundephobie leiden oder der Hund bereits einmal einen Menschen angefallen hat, kann der Vermieter darauf bestehen, dass das Tier entfernt wird.

Das Online-Magazin "mydog365” schreibt, dass ein Vermieter seine Meinung nicht willkürlich ändern dürfe. Habe er einmal die Haltung eines Hundes erlaubt, sei diese ohne zwingenden Grund nicht mehr zurückzunehmen. Wenn die Erlaubnis allerdings nur für einen bestimmten Hund bestanden habe und das Tier gestorben sei, müsse der Mieter für einen neuen Hund um eine neue Erlaubnis anfragen.

Wenn in einer Mietwohnung ein Hund lebt, der ständig bellt – also auch zu den Ruhezeiten von 22 bis 7 Uhr – kann das wegen Ruhestörung ein Kündigungsgrund sein. Vor allem, wenn andere Mietparteien sich beschweren. Weitere sogenannte Störfaktoren wie Verkotung des Grundstücks oder andere Beschwerden aus der Nachbarschaft, die die Haltung des Tieres betreffen.

Letztendlich muss auch die Wohnung der Größe des Hundes angepasst sein. Ist diese zu klein, könnte dies beispielsweise vom Vermieter als Tierquälerei ausgelegt werden.Wenn – wie bei der "Fulda aktuell”-Leserin – ein Konfliktfall auftritt, ist es sowohl für Mieter als auch Vermieter ratsam, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Denn letztendlich liegt das höchstrichterliche Urteil vor, dem auch die hiesigen Gerichte folgen müssten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Effektiver Schutz vor Corona ist möglich
Fulda

Effektiver Schutz vor Corona ist möglich

Bernd Kronenberger (HJK) sieht keine ausreichende Disziplin gegen das Coronavirus
Effektiver Schutz vor Corona ist möglich
Klartext: Für Ungeimpfte ist das Jahr gelaufen
Fulda

Klartext: Für Ungeimpfte ist das Jahr gelaufen

Redakteur Christopher Göbel zu den neuen 2G-Regelungen im Handel und die Situation Ungeimpfter
Klartext: Für Ungeimpfte ist das Jahr gelaufen
Hoher Antikörperwert ist keine Garantie
Fulda

Hoher Antikörperwert ist keine Garantie

Corona-Antikörpertests zeigen beispielsweise an, ob man unbemerkt infiziert war.
Hoher Antikörperwert ist keine Garantie
Eigenverantwortung, Disziplin und Vernunft
Fulda

Eigenverantwortung, Disziplin und Vernunft

Dr. Andreas Rügamer von der „Helios St. Elisabeth-Klinik Hünfeld“ zur aktuellen Corona-Lage
Eigenverantwortung, Disziplin und Vernunft

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.