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Zum Kommentar Krieg ohne Konzept" in der Fulda aktuell-Ausgabe" Nr. 4 erreichte uns folgende Leserzuschrift: Sehr geehrter Her

Zum Kommentar Krieg ohne Konzept" in der Fulda aktuell-Ausgabe" Nr. 4 erreichte uns folgende Leserzuschrift:

Sehr geehrter Herr Ehrensberger,

ich lese stets mit groem Interesse Ihre Kommentare in Ihrer Werbezeitung. Mal sind sie so, da ich sie verstehen kann, mal frage ich mich, was Sie wohl gemeint haben knnten.

Sie schreiben ber den Kriegin Afghanistan. Krieg gibt es dort schon seit 200 Jahren (schreiben Sie). Ihre Aufzhlung all der kriegslsternen und beutegierigen Feinde der Afghanen beginnt bei den Briten. Dann kommen die Russen und schlielich die bsen, weil imperialistischen Amerikaner (Sie nennen es die selbsterklrte Weltmacht Nr.1). Was in den Jahrhunderten vor den Briten alles in Afghanistan los war, haben Sie leider nicht erwhnt. Und Sie haben auch nicht klar darauf verwiesen, da seit den Briten die Kriege in Afghanistan immer deshalb gefhrt wurden, um irgendwelche machtstrategischen Absichten zu realisieren oder um Macht und Einflu zu gewinnen. Da die Afghanen in den vielen Jahren gelernt haben, sich ihrer Feinde zu erwehren, drfte jedem klar sein, zumal hier als besondere Komponentedie Religion hinzukommt, die weder die wackeren Westler (Briten und Amis) noch die roten Ostler (Russen) auf der Rechnung hatten. Dies drfte aber eines der Hauptmotive sein, warum am Ende die religisen muslimischen Afghanen den Sieg davontragen werden. Hinzu kommt der Eiertanz, den die westlichen Krieg fhrenden Parteien bis heute aufgefhrt haben, nmlich da es keinen Krieg in Afghanistan gibt. Was ist denn der Unterschied, sagen wir zwischen dem deutschen Polen-Feldzug 1939 oder der dann folgende "Blitzkrieg" gegen Frankreich? Doch nur die Schnelligkeit, mit der der jeweilige Gegner militrisch ausgeschaltet wurde.

So einen Blitzkrieg mit dem entsprechenden Sieg hat man sich vielleicht seinerzeit versprochen, als man mit zig-tausenden von Soldaten in Afghaistan ein-marschiert ist. Doch in diesen modernen Zeiten funktioniert dieses Prinzip nicht mehr. Ein Gegner, selbst wenn er schwer angeschlagen und an der regulren Front besiegt ist, kann anschlieend im Untergrund den siegreichen Truppen empfindlich schaden, bis diese sich entschlieen, sich zurckzuziehen, um weiteren materiellen und personellen Schaden von ihren Truppen abzuwenden. Das hatten wir in Vietnam undim Irak und werden es auch in Afghanistan erleben. Auch wenn die Nato noch so viele Soldaten dorthin schickt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Generle der Alliierten Truppen genug gelernt haben, um die geschil-derten Zusammenhnge zu begreifen. Im brigen ist Afghanistan gar nicht so wichtig. Was dort abluft, drfte aus Sicht der Amerikaner so eine Art Stellvertreter-Krieg sein. Der eigentliche Zankapfel ist Pakistan, wo es eine schwache und korrupte Regierung gibt, dazu eine schwerbewaffnete Armee und Atomwaffen inklusive Raketen, bei denen man nicht wei, ob sie nicht irgendwann mal in die Hnde von militrischen Desperados wie z.B. Al-Kaida fallen.

Neben solchen Perspektiven spielen gebombte Tanklastzge oder der lukrative Opiumanbau nur eine unbedeutende Nebenrolle. Sie haben Recht: Ein Konzept fr diesen seltsamen Krieg gibt es nicht. Oder ist es etwa ein Konzept, wenn ein z.B. deutscher Soldat auf einen Afghanen anlegt, von dem er berzeugt ist, da der gerade was Schlimmes im Schild fhrt, und der Afghane sodann tot umfllt? Anschlieend fllt unsere (fast) alles wissende Presse ber diesen Mann her. Der wird auf dem Meinungmarkt zuerst gerdert und dann gevierteilt. Und zu guter Letzt mu er sich vor einem deutschen Staatsanwalt samt Tribunal rechtfertigen, weil er im Krieg das getan hat, was alle tun, die sich im Krieg befinden.

Ach ja! Und nun schicken wir Ausbilder nach Afghanistan, die aus den ganz gewhnlichen Brgern/Bauern schneidige Polizisten und Soldaten machen. Da stellt sich die Frage: Warum erst jetzt?Solche Ausbilder knnen natrlich auch von selbstmrderischen Taliban gettet werden. Deshalb gibt es wohl so wenige Freiwillige, besonders aus deutschen Landen wie Bayern oder Baden-Wrttemberg.

Leider reicht die Zeit nicht, um die komplexen Fragen um das Thema Afghanistan zu behandeln. Ich gre Sie und wnsche Ihnen, da Sie mit Ihren knftigen Kommentaren stets die Finger in viele Wunden legen und zumindest einen Teil Ihrer Leserschaft aufwecken.

Paul HagelHofbieber

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