Familie Rößner aus Mackenzell pflegt seit 22 Jahren schwerstbehinderten Sohn

Elvira und Martin Rößner sind am Freitag mit der Pflegemedaille des Landes Hessen ausgezeichnet worden

Hünfeld - Der 16. April 1995 hat das Leben von Elvira und Martin Rößner und das ihres damals dreijährigen Sohnes Christian grundlegend verändert. Denn an diesem Tag kam ihr zweiter Sohn Stefan zur Welt, der seit seiner Geburt am so genannten „Allan-Herndon-Dudley-Syndrom“ (AHDS), einer seltenen Erkrankung des zentralen Nervensystems, leidet und schwerstbehindert ist.

Die Familie, die 1991/1992 in Schwarzbach gebaut hatte, entschloss sich vor diesem Hintergrund zu einem drastischen Schnitt: „In Mackenzell, in unmittelbarer Nähe von meinem Elternhaus, haben wir in den Jahren 1997 bis 1999 neu gebaut und dabei alles behindertengerecht ausgestaltet“, erinnert sich Rößner im Gespräch mit „Fulda aktuell“. Der 53-Jährige und seine zwei Jahre jüngere Frau haben sich sehr darüber gefreut, als die Nachricht aus Wiesbaden kam, dass ihnen die „Pflegemedaille“ des Landes überreicht werden solle. Der Vorschlag sei möglicherweise aus den Reihen der Kreisverwaltung gekommen, mutmaßen beide. Dem Ehepaar ist wichtig, andere Betroffene darüber aufzuklären, „offensiv mit dem Schicksal umzugehen und sich darüber klar zu werden, dass man nicht alleine ist“. Vielmehr sollten die bestehenden Hilfsmöglichkeiten, gerade auch des Landkreises, genutzt werden, um sich selbst veränderte Perspektiven zu erarbeiten. „Und da, wo alte Freundschaften aufgrund der Situation vielleicht nicht mehr existieren, ergeben sich neue Kontakte. Auch sollte man sich nicht scheuen, gewisse Dinge – auch medizinische – zu hinterfragen“. Dem Entschluss, in Mackenzell nochmals ganz neu anzufangen, ging die Entscheidung voraus, „dass Stefan in der Familie bleiben sollte, um ihm eine lebenswerte Umgebung zu bieten“.

Die Lage veränderte sich nochmals, als der Junge mit drei Jahren an Diabetes erkrankte und inzwischen mit Pflegegrad 5 eingestuft wird. „Wir haben einen ,besonderen Sohn’, über den wir aber auch mit besonderen Menschen in Kontakt gekommen sind und kommen“, so Rößner. Er und seine Frau heben unter anderem die gute medizinische Versorgung sowie die Unterstützung durch examinierte Krankenschwestern hervor, erwähnen zugleich auch den – beruflichen und privaten  – Beistand  durch das Fuldaer Unternehmen „JUMO“, bei dem der 53-Jährige beschäftigt ist: „Das ist für einen Arbeitgeber nicht unbedingt selbstverständlich“, betont Rößner.

Sein Sohn hatte übrigens zunächst einen integrativen Kindergarten in Burghaun besucht, danach drei Jahre die „Pestalozzischule“ in Fulda und gut zehn Jahre lang die „Vinzenz-von-Paul-Schule“ in Hünfeld. Es folgten mehrere Jahre Unterricht zu Hause, zumal der Besuch einer Beschützenden Werkstätte nicht möglich ist. Das Ehepaar hebt die starke Verbundenheit hervor, die ihr älterer Sohn Christian zu seinem Bruder besitzt. Gemeinsam seien alle bestrebt, dem 22-Jährigen ein „lebenswertes Leben“ zu bieten – auch wenn dies eine 24-stündige Rund-um-die Uhr-Betreuung an sieben Tagen in der Woche bedinge. Denn Stefan wird auch therapeutisch versorgt, unter anderem mit Logopädie und Ergotherapie. „Wir sind vor gut zehn Jahren letztmals in einer Art Urlaub gewesen, eine Vater-Mutter-Kind-Kur in einer Klinik in Bodenmais“, erinnert sich Elvira Rößner. Zum Schluss formuliert das Ehepaar noch einen Appell an Menschen, die ähnlich betroffen sein könnten: „Die Zeit, die man durch eine solche Betreuung für sich selbst mitnehmen kann, ist sehr wichtig“.

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