Mahnender Aufruf zur Solidarität

Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber während der Predigt an Karfreitag im Fuldaer Dom.
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Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber während der Predigt an Karfreitag im Fuldaer Dom.

Bischof Gerber zieht in Karfreitagspredigt Parallelen zu aktuellen Entwicklungen

Fulda. Ein Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit sowie die aktuelle Situation der Kirche: Während der Gottesdienste am Gründonnerstag und Karfreitag zog Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber Parallelen zu aktuellen politischen Ereignissen. Das Abendmahlsamt und die Karfreitagsliturgie im Fuldaer Dom fanden corona-bedingt unter strengen Hygiene-Bedingungen statt.

In seiner Karfreitagspredigt zog Bischof Gerber Parallelen zwischen dem Leiden und Sterben Jesu und aktuellen Ereignissen der Weltpolitik: Wissend, was ihn erwartet, habe Jesus damals ganz bewusst den Schritt über den Bach Kidron hinein in den Garten Gethsemani getan, wo er schließlich verraten und ausgeliefert wurde.

„Auch heute gibt es Menschen, die im Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit sehr bewusst Risiken für ihre eigene Freiheit und Gesundheit in Kauf nehmen.“ Gerber erinnerte dabei etwa an den Kreml-Kritiker Nawalny, der trotz des Risikos der Festnahme in seine russische Heimat zurückgekehrt sei oder an die vielen Menschen, die seit Monaten für ihre Rechte auf die Straßen gingen – sei es in Weißrussland, in Hong Kong oder in Myanmar. Eindrücklich erinnerte Gerber zudem daran, dass Christen auch heute noch wegen ihres Glaubens verfolgt und sogar getötet würden.

All dies werde in den Nachrichten aber oft überlagert von aktuellen Meldungen zur Corona-Pandemie. Gerber rief dazu auf, auch diejenigen im Blick zu behalten, die sich trotz verschiedener Bedrohungen mutig für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen: „Wir sind solidarisch an Eurer Seite!“

Bereits am Gründonnerstag nahm Bischof Gerber die aktuelle Situation der Kirche in den Blick. Es gebe Menschen, die fragten, ob Jesus die Kirche von heute nicht schon längst verlassen hätte. „Das hätte er nicht!“, lautete Gerbers klare Botschaft: So wie Jesus vor gut 2.000 Jahren in jener Nacht im Garten Gethsemani seinen Jüngern trotz Verrat, Verleugnung und Flucht treu geblieben sei, so würde er auch heute zu seiner Kirche stehen. „Das ist Grund unseres Glaubens: Gerade da, wo unsere Glaubwürdigkeit versagt, bekennt sich Gott ein für alle Mal und unwiderruflich zu seinem Volk.“

Pandemie-bedingt fanden die Gottesdienste unter strengen Hygiene-Regeln statt. So mussten die Besucher sich beispielsweise vorab anmelden und registrieren sowie Masken tragen und Abstände einhalten. Auf den Gemeindegesang wurde verzichtet. Am Gründonnerstag musste auch die traditionelle Fußwaschung ausfallen. Statt dieses Rituals gab es einen aktuellen Impuls von Vertreterinnen der Caritas.

„Wo der Ritus der Fußwaschung angesichts von Hygienekonzepten in der heutigen Feier ausfallen muss, kann uns das Anstoß sein um zu fragen, wo und wie wir heute gefordert sind, in der Zuwendung zum Nächsten der Treue Gottes Hände, Herz und Gesicht zu geben“, betonte Bischof Gerber. „Wir dürfen glauben: Bei allem, was wir tun, mag es auch Stückwerk bleiben: Gott ist treu!“

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