Malades Militär

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Fulda aktuell-Redakteur Hans-Peter Ehrensberger kommentiert die "Umstrukturierung" der Bundeswehr zu einem Militär von Pleiten, Pech und Pannen.

15 Monate war ich seinerzeit "beim Bund". Leistete meinen Grundwehrdienst in einem Panzerbataillon an der innerdeutschen Grenze. Warum? – das frage ich mich heute noch! Nun gut, es war die kälteste Zeit des Kalten Krieges, die Rote Armee der Russen und die Volksfront der DDR trieben ihre ideologischen und militärischen Keile weit nach Westen, am weitesten bis zu uns ins "Fulda Gap". Da sah man schon eine gewisse moralische Verpflichtung, das Vaterland gegen die feindlichen Brüder von drüben zu verteidigen, auch unter dem Aspekt des unausgesprochenen Druck des Vaters, selbst im "richtigen Krieg" gedient (gemusst) zu  haben. Im Rückblick war es die unnützeste Zeit meines Lebens, eineinhalb Jahre verlorene und vertane Zeit. Mit mindestens 15 fragwürdigen Befehlen pro Tag, tradiierten Normen und verqueren Verhaltensweisen, einer (nicht nur in unserer Kompanie) schwerfälligen Umstellung vom "M 48" auf den "Leopard"-Panzer und der fast 99-prozentigen Gewissheit, dass das Fahrzeug des technischen Offiziers beim Start ins Manöver als erstes ausfiel.Was hat sich seither ge(ver)ändert? "The winds of change" breiteten sich über den gesamten Globus aus, der "kalte Krieg" wich einem heißen Flirt  zwischen Ost und West, später kamen neue Weltmächte wie China und Indien dazu und auch der Arabische Frühling. Dazwischen lagen aber auch "9/11" und die "Umpolung" von der weltweiten atomaren zur regionalen terroristischen Bedrohung.

Doch bei der deutschen Bundeswehr, mittlerweile von einer  Freiwilligen- zur Berufsarmee mutiert, scheint sich nur wenig geändert zu haben. Sie war, ist und bleibt ein zahnloser Tiger. Nur wenige Marineschiffe, kaum ein Kettenfahrzeug und so gut wie kein Flugzeug sind einsatzfähig, für die (hoffentlich so wenig  wie möglich eintretenden Fälle) von Kampf- und die zunehmenden humanitären Hilfs-Einsätze. Auf bundesdeutschen Autobahnen fahren französische und britische Militärfahrzeuge, für den Transport der Kurdenhilfe braucht man mangels eigenen einsatzfähigen Geräts russische "Antonows" und niederländische "Transalls", für das Feldlazarett in den afrikanischen Ebola-Gebieten gibt es kaum geschultes Personal. Nur gut, dass wenigstens die Bereitschaft in der Truppe – ganz im Gegensatz zum technischen Standard – einen Höchststand an Motivation zeigt. Das hätte man sich von der jetzigen Verteidigungsministerin und ihren männlichen Vorgängern auch gewünscht. So hätten bestimmt einige der zahlreichen politischen Planungspannen und Defizite bei der Umstrukturierung und Neuausrichtung des deutschen Militärs für die zunehmenden weltweiten Herausforderungen verhindert oder zumindest für die "neuen Gegner" kaschiert werden können.

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