Manager und Moral

Osthessen. In den vergangenen Wochen konnte sich schleichend das Gefhl ausbreiten, die bewhrte Soziale Marktwirtschaft sei am Ende.

Osthessen. In den vergangenen Wochen konnte sich schleichend das Gefhl ausbreiten, die bewhrte Soziale Marktwirtschaft sei am Ende. Immer neue Hiobsbotschaften von raffgierigen Managern, von Steuerhinterziehung, von rcksichtsloser Verlagerung von Arbeitspltzen ins Ausland machen die Runde und erschttern unseren Glauben an das Gute im Menschen auch an das Gute im System der Marktwirtschaft?

Zuerst: Von der Marktwirtschaft gilt in abgewandelter Form das Wort von Winston Churchill ber die Demokratie: Es ist das schlechteste aller politischen Systeme, aber wir kennen kein besseres! Gemeint ist: Demokratie wie Marktwirtschaft (brigens gibt es zwei Seiten einer Medaille: der demokratischen Machtverteilung entspricht die marktwirtschaftliche Marktverteilung) sind sub-optimale Werkzeuge zur Kontrolle wie Steuerung von divergierenden Interessen der Menschen.

Auerhalb des Paradieses sind alle Gter knapp. Und zur Verteilung der knappen Gter gibt es neben der Zentralverwaltungswirtschaft, wie sie Kommunismus und Faschismus praktizierten, das System des freien Wettbewerbs. In der Sozialen Marktwirtschaft ist dieser Wettbewerb vielfach gebndigt und kontrolliert, durch Gesetze und Parlamente, durch Kartellamt und nicht zuletzt durch die freie Presse.

Steuerhinterziehung und Absprachen gab es immer und wird es immer geben, dem Staat obliegt die Gesetzgebung und die Kontrolle der unternehmerischen Aktivitten. Insofern liegt die Moral nicht nur in den Herzen einzelner Menschen, sondern auch und insbesondere in den Gesetzen. Fairne und Gerechtigkeit werden in der Sozialen Marktwirtschaft und im sozialen Rechtsstaat nicht allein der individuellen Tugend berlassen, sondern werden in den Gesetzen verankert.

Zweitens: In einer globalisierten Weltwirtschaft und der Auflsung nationalstaatlicher Wirtschaftsrume wird es zunehmend schwieriger, auf Gerechtigkeit durch Gesetze zu achten. Daher rhrt vieles an Missbehagen mit der Marktwirtschaft. Dennoch haben wir, auch global und fr den internationalen Wettbewerb, kein besseres System anzubieten. Gesetze zur Kontrolle der Unternehmer und des Marktes mssen global vereinbart werden und das ist angesichts unterschiedlicher Mentalitten und Traditionen in den Lndern dieser Welt schwieriger denn je.

Grundstzlich ist zum Beispiel nichts gegen das Verhalten von Nokia, Arbeitspltze ins Ausland zu verlagern, einzuwenden. Auch anderswo suchen Menschen Arbeit und sind froh um Arbeitspltze. Eine andere Frage ist, wie transparent ein Kommunikationsverhalten eines Unternehmens ist, inwieweit unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Subventionen eingeheimst wurden und wie die Politik mglicherweise getuscht wurde.

Grundstzlich ist richtig: Ein Unternehmen will und soll Profit machen, das ist ein legitimes Ziel und nicht moralisch verdchtig! Und unsere Arbeitspltze stehen im internationalen Wettbewerb. Wird woanders billiger produziert, wandern Unternehmen dorthin ab. Die Zeit der groindustriellen Billigarbeitspltze in unserem Land ist unwiderruflich zu Ende. Daher kommt alles darauf an, in Bildung zu investieren und Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Talente einzubringen und so konkurrenzfhig im globalen Wettbewerb zu bleiben. Statt Subventionen also Bildung: Das wre ein gutes Programm fr unseren Staat.

Drittens: Auch wenn der Eindruck manchmal tuschen mag, so wird unsere Marktwirtschaft doch nicht von raffgierigen Managern bestimmt, sondern von vielen verantwortungsbewuten mittelstndischen Unternehmern und Handwerksbetrieben. Und die groe Mehrzahl unserer Arbeitspltze wird nicht von der Groindustrie bereitgestellt, sondern vom Mittelstand.

Allerdings untergrbt jeder neue Skandal das Vertrauen und die Zustimmung zu unserem Wirtschaftssystem. Die Marktregeln funktionieren nmlich auf Dauer nur, wenn ein moralischer Grundkonsens besteht und diese Regeln trgt. Daher braucht es nicht nur ein Hchstma an wirtschaftlichem Sachverstand zur Kenntnis der Sachgesetze in der Wirtschaft, sondern ebenso ein Hchstma an Ethos, damit der wirtschaftliche Sachverstand in den Dienst der Gerechtigkeit und des Gemeinwohles tritt und politisch akzeptiert wird.

Schlielich: Der Imageschaden fr ein Unternehmen ist auf Dauer bei unmoralischem Gebaren grer als der mgliche Gewinn, Ethik lohnt sich! Das mu immer neu und deutlich betont werden. Der Ehrliche darf auf Dauer nicht der Dumme sein, dies muss das Ziel der Gesetze und der Strafverfolgung sein. Und daher ist unnachsichtig gegen Wirtschaftssnder vorzugehen, damit die Zustimmung zur Sozialen Marktwirtschaft nicht dauerhaft untergraben wird. Denn wir kennen in der Wirtschaft nichts besseres als Anreize zur Freiheit, zur Entfaltung der Talente, zu Leistungsbereitschaft und bernahme von Risiken, kurzum: Wettbewerb! Die Freiheit des Menschen zu frdern und einzusetzen im Dienst am Mitmenschen und am Gemeinwohl das ist das Ziel der Marktwirtschaft. Und daher ist sie vom Ansatz her sozial, denn sie entspricht dem Menschen als soziales Lebewesen. Aber die Moral mu nachhaltig in den Herzen ebenso sitzen wie in den Strukturen und Gesetzen!

(Prof. Dr. theol. habil. Peter Schallenberg, Theologische Fakultt Fulda, Eduard-Schick-Platz 2, 36037 Fulda.)

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