Ein Mann der Technik:  IHK-Präsident Bernhard Juchheim im Redaktionsgespräch

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IHK-Präsident Bernhard Juchheim (links) und Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck (Zweiter von links) kamen zum Redaktionsgespräch mit „Fulda aktuell“-Objektleiter Michael Schwabe, Redaktonsleiter Bertram Lenz und Redakteur Christopher Göbel.

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Fuldaer IHK-Präsident sprachen wir mit Bernhard Juchheim, Geschäftsführer der JUMO.

Fulda - Seine 69 Jahre sieht man Bernhard Juchheim, „IHK“-Präsident und Geschäftsführender Gesellschafter der „JUMO“ nicht an. Gemeinsam mit „IHK“-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck war er zum Redaktionsgespräch mit „Fulda aktuell“ gekommen, denn Juchheim wird bei der anstehenden Wahl nicht mehr für das „IHK“-Präsidium kandidieren. „Unsere Satzung besagt, dass man nur einmal wiedergewählt werden kann“, sagt Schunck. „Also ist man maximal zehn Jahre Präsident“, fügt Juchheim hinzu. Im März endet die zehnjährige Amtszeit des Unternehmers, der außer der „IHK“ mehrere weitere Ehrenämter in der Region innehat und -hatte, darunter für die Hochschule Fulda, in deren direkter Nachbarschaft die „Jumo“ ihren Hauptsitz hat. „Vor allem die Sparte Elektrotechnik ist für uns interessant“, so Juchheim. „Dieser Bereich hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt.“ Die „IHK“ und die Hochschule arbeiten „sehr gut“ zusammen, und gemeinsam würden „viele Ideen geboren“. Der Austausch von Hochschule und „Jumo“ läuft beispielsweise auch über Betriebspraktika.

Auswirkungen der Finanzkrise

Als Juchheim im Jahr 2009 als Nachfolger von Helmut Sorg das Amt des „IHK“-Präsidenten übernahm, befand sich das Land in den Auswirkungen der Finanzkrise. „Es gab einiges zu tun, um in den Firmen den wirtschaftlichen Aufschwung wieder herbeizuführen“, sagt der Präsident. Auch der Aus- und Weiterbau der A66 sowie der Erhalt Fuldas als wichtiger ICE-Standort und der vierspurige Ausbau der Bahnstrecke Fulda-Frankfurt fielen in seine Amtszeit. „Letzteres hätte ich gerne noch als Präsident erlebt“, scherzt Juchheim. Immerhin hätten die Planungen für die Bahnstrecke begonnen.

Zum Thema „Brexit“ hofft Juchheim, dass es zu einem zweiten Referendum kommen wird, in dem die Briten den Ausstieg aus der EU ablehnen. „Ich glaube das aber eher nicht“, sagt er. Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt, wird die „IHK Fulda“ für ihre Mitglieder Informationsveranstaltungen initiieren, denn laut Schunck steht ein Großteil der regionalen Firmen in direkten oder indirekten Handelsbeziehungen mit Großbritannien. „Wir sagen unseren Mitgliedern, dass sie sich auf alle Szenarien einstellen sollen“, sagt Schunck, denn die Unsicherheit sei groß. „Ich bin aber zuversichtlich, dass es in Deutschland nicht zu einer Krise kommen wird“, so der „IHK“-Präsident.

Onlinehandel einbeziehen

Dem Einzelhandel im Landkreis Fulda rät Juchheim, sich nicht nur auf das Stationäre Geschäft, sondern vor allem auf den Onlinehandel einzustellen. Die Geschäfte seien notwendig, um die Attraktivität der Innenstädte zu erhalten, aber ohne ein eigenes Online-Geschäft würden es die Inhaber schwer haben.

Gleiches gilt für die fortschreitende Digitalisierung, so der berufsbedingt technik-affine „IHK“-Präsident. Sein 14 Jahre alter Enkel könne es kaum glauben, dass die ersten Computer per Lochkarte programmiert wurden. „Ich bin sehr froh, dass ich die technische Entwicklung miterleben durfte und darf“, so Juchheim. „Wer nicht rechtzeitig auf das Pferd aufspringt, wird verlieren“, ist er sicher.

Ein weiteres großes Thema für die „IHK“ ist der Fachkräftemangel. Die Wirtschaft Osthessens stehe „sehr gut da“, aber „Fachkräfte fehlen“. Ein großes Thema für Juchheim während seiner Amtszeit sei die Breitbandversorgung. „Auch die ländlichen Gebiete müssen versorgt werden“, sagt er. Man habe schließlich in früheren Zeiten auch Strom und Wasser in entlegene Gebiete verlegt. „Diese Infrastruktur ist notwendig. Wir müssen überall schnelle Netze haben.“

Wahl bis 19. Februar

Die „IHK“ ist die Interessenvertretung von rund 13.000 Mitgliedsfirmen im Landkreis Fulda. Die Vollversammlung hat 33 Mitglieder. Für die anstehende Wahl stehen laut Schunck 59 Bewerber bereit, die dem Gremium angehören möchten. Ausgezählt wird am 20. Februar. Wenn die  Mitglieder feststehen, werden diese einen neuen Präsidenten und fünf Stellvertreter bestimmen.

Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin legt Juchheim all die bisher genannten Punkte ans Herz. Herausforderungen seien neben dem Fachkräftemangel und der digitalen Infrastruktur die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Fulda und Umgebung. „Es gibt einige Firmen, die sich erweitern müssen“, so der „IHK“-Präsident.

In der Zeit nach seiner Präsidentschaft will sich Juchheim voll und ganz seinem Unternehmen widmen, das er mit seinem Sohn führt. „Ich mache das, weil es mir wirklich Spaß macht“, sagt er. Die „JUMO“ werde in diesem Jahr neue Produkte auf den Markt bringen. „Ich möchte diese neuen Entwicklungen als Geschäftsführer mitbegleiten“, so der im März scheidende „IHK“-Präsident.

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