Mehr Chancen als Risiken: Überaus positive Jahresbilanz der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda

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Bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda in der Burghauner „Haune-Halle“: Bürgermeister Simon Sauerbier, Agenturchef Waldemar Dombrowski und Bereichsleiter Frank Kamolz (von links).

Einen Rückblick auf das vergangene Jahr gab Agenturchef Waldemar Dombrowski heute in der Burghauner Haune-Halle.

Osthessen. Die gute Nachricht – neben vielen weiteren – beim Medienfrühstück der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda: Die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk, der die Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg umfasst, ist im Jahr 2018 wieder gefallen – und zwar um satte 5,4 Prozent. „Wir liegen damit deutlich sowohl unter dem Hessen-Durchschnitt als auch unter dem Bundesschnitt“, sagte Waldemar Dombrowski, der Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda. Der Bezirk Fulda hatte mit einer Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent erneut die niedrigste aller hessischen Bezirke. Mit einer Quote von 2,2 Prozent im Altkreis Hünfeld könne man von Vollbeschäftigung sprechen, so Dombrowski. In Hersfeld-Rotenburg lag die Quote bei 4,0 Prozent, im Altkreis Rotenburg bei 4,6 Prozent. „Alle Regionen haben in 2018 profitiert“, so der Agenturchef. „Wir sind stolz darauf, dass wir bei Schwerbehinderten einen Rückgang von 18,6 Prozent – 347 Personen – erreichen konnten“, so Dombrowski. Bei der Integration von Menschen mit Einschränkungen setze die hiesige Arbeitsagentur Maßstäbe, denn die Vermittlung funktioniere doppelt so schnell wie im Hessendurchschnitt. „Wir bauen auf eine sehr erfahrene Mannschaft und haben gute Kontakte zu den Firmen, denen wir mit Förderung der Integration helfen.“

Auch Flüchtlinge in der Statistik

Bei Menschen ohne deutschen Pass ist ein Anstieg um 14,4 Prozent im Landkreis Fulda zu verzeichnen. Laut Dombrowski wird es noch fünf bis sechs Jahre dauern, bis sich die Situation ändert. Zur genannten Gruppe gehören nicht nur Menschen mit Fluchthintergrund, sondern alle Ausländer, die in Deutschland leben. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sank die Zahl der gemeldeten Ausländer um 9,7 Prozent. „Das liegt zum Teil auch daran, dass der Landkreis keine Zuweisungen von Flüchtlingen mehr bekommen hat“, erläuterte Agentur-Bereichsleiter Frank Kamolz.

Die Agentur legt auch großen Wert darauf, arbeitslose Menschen weiterzubilden und umzuschulen, um ihnen einen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Menschen zwischen 18 und 57 Jahren wurden gefördert, um Berufsabschlüsse zu erreichen. Darunter waren beispielsweise 38 Umschulungen zu Altenpflegern, 21 zu Bürofachkräften, 18 zu Metall- und Elektroberufen und acht zu Erziehern. Auch ausbildungsbegleitende Hilfe für 374 junge Menschen wurden durch die Agentur geleistet.

Prosperierende Region

Hausherr Simon Sauerbier erwähnte, dass Burghaun in der Mitte Deutschlands eine prosperierende Region sei, die lediglich darunter leide, dass die Gemeinde als Grundzentrum derzeit keine neuen Baugebiete ausweisen dürfe. „Den Menschen, die hier Arbeit finden, müssen wir auch geeigneten Wohnraum anbieten können“, sagte er in Richtung Regierungspräsidium. Die Entwicklungen, die sich im gesamten Agenturbezirk zeigten, seien auch in seiner Gemeinde spürbar. Ganz wichtig sei die passende Infrastruktur und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, damit die in Burghaun ansässigen Firmen gutes Personal bekämen. „Fachkräfte kommen aus den Ballungszentren zurück, weil es berufliche Möglichkeiten auch hier gibt“, so Sauerbier.

Dennoch leidet die Region weiterhin unter einem Fachkräftemangel. Die Zahl der unbesetzten Arbeitsstellen im Landkreis Fulda ist im Vergleich zu 2017 im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf 2.455 Stellen gestiegen. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sogar um 9,3 Prozent (1.334 Stellen). Laut Kamolz würden sechs von zehn Stellen von klein- und mittelständischen Unternehmen angeboten. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit in Fulda liegt bei 96 Tagen, in Hersfeld-Rotenburg bei 101 Tagen.

Mahnung: Keine Menschen an Nachbarkreise verlieren

Innerhalb von vier Jahren ist die Beschäftigung im Agenturbezirk um acht Prozent gestiegen. „Das ist wirklich beachtlich“, so Dombrowski. Im Verarbeitenden Gewerbe, Kfz-Gewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehr und Logistik sowie bei Dienstleistungen wurden in den vier Jahren mehr Menschen beschäftigt. „Die Region sollte stolz darauf sein“, sagte Dombrowski, mahnte aber gleichzeitig, dass die hiesigen Arbeitgeber „wachsam bleiben sollten, denn man steht im Wettbewerb mit anderen Regionen“. Dies betrifft auch das Lohnniveau, das mit durchschnittlichen Einkommen von 2.848 Euro in Hersfeld-Rotenburg, 2.947 Euro im Landkreis Fulda und 2.954 Euro im Vogelsbergkreis Durchschnittsgehältern von 3.134 Euro beispielsweise im Main-Kinzig-Kreis oder 3.494 Euro im Hessischen Mittel gegenüberstehe. Auch die Bezahlung von Männern und Frauen ist im Agenturbezirk noch sehr unterschiedlich. „Der ,Gender Pay Gap’ (geschlechtsspezifischer Lohnunterschied) in der Region ist zu groß“, konstatierte der Agenturchef.

"Brexit" als Risikofaktor

Risiken für den hiesigen Arbeitsmarkt sind laut Dombrowski der steigende Euro-Kurs, die veränderten Wettbewerbsbedingungen durch Steuersenkungen für US-Unternehmen und natürlich der unüberschaubare „Brexit“. „Die harte Variante wird in der Region zu spüren sein“, ist Dombrowski sicher. Er nannte aber auch Chancen für die Region: Laut Prognosen würde die Konjunktur weiter wachsen, die Verbraucher seien positiv gestimmt, die Nachfrage nach Bauleistungen sei hoch und es gebe derzeit günstige Finanzierungsbedingungen für Investitionen. „Zudem nimmt die Zahl der sozialversichert Beschäftigten zu und die Arbeitslosigkeit ab. Die Chancen überwiegen“, ist Dombrowski sicher.

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