Mehr als Fastnacht: Seit 1923 Geselligkeit im Nordend Fuldas

Fastnachtsreporterin Deborah Mack schreibt über den "Geselligkeitsverein Nordend" in Fulda.

Von Deborah Mack

Fulda - Seit dem 11. November ist es wieder so weit die „Fünfte Jahreszeit“ hat begonnen. Nun geht es für die Narren erst richtig los. Auch in Fulda wird die närrische Zeit besonders gerne einberufen, mit einer langen Liste an Fastnachtsvereinen lädt Fulda förmlich ein, närrisch zu sein. Der „Geselligkeitsverein Nordend“ steht exemplarisch für die verschiedenen Fastnachtsvereine in Fulda. Bereits 1923 entstand der „Geselligkeitsverein Nord-end“ aus der 1901 gegründeten „Leipziger Gemeinde“. Das Gebiet des Nordends beginnt am „Ibis“-Hotel und führt entlang der Leipzigerstraße. Die heutige „Nordendgarde“, ursprünglich „Bürgergarde Nordend“, wurde 1935 gegründet. Somit ist sie die zweitälteste Garde Fuldas. Früher gehörten ihr 35 Handwerksmeister an, doch mittlerweile hat sich die Zahl auf 50 Gardisten erhöht, unter denen auch weibliche Mitglieder sind. Die rot-grünen Gardeuniformen sind genauso ein Markenzeichen wie die „nordischen Tiere“, die als Kostüme getragen werden. Sie wurden zum Wahrzeichen des „GV Nordend“ und der Eisbär ist bis heute auf Vereinswappen und -fahne zu finden. Die „Nordender“ haben einen zweiteiligen Schlachtruf. Eine Person ruft „Dem Hohen Norden ein dreifach Kräftiges“ und alle Anderen antworten gemeinsam „Wei-Wei“, „Wei-Wei“, „Wei-Wei“. Dies heißt nichts anderes als dreimal „Freude, Freude“. „Unser Verein ist für mich sehr wichtig, da alle sehr familiär miteinander sind und jeder jeden kennt. Außerdem ist unser Verein durch sein langes Bestehen auch einer der ältesten Randstaaten und somit etwas Besonderes“, beschreibt Tänzerin Julia die Gemeinschaft und die Attribute, die den Verein ausmachen. Der Verein besteht neben den passiven Mitgliedern aus 340 aktiven Männern und Frauen und unterteilt sich in verschiedene feste Gruppen, die sich in unterschiedlichen Tätigkeiten in ihrer Freizeit engagieren. Zusätzlich zu der „Nordend Männer- und Frauengarde“ haben sich weitere Gruppen gebildet. Neben den „Eiskalten Engeln“, die heute eine 20 Frauen starke Gruppe ist, gibt es noch die „Eskimos“, die aus weiblichen und männlichen „Nordendern“ besteht.

Auch im tänzerischen Bereich hat sich das „Nordend“ in den Jahren ausgebaut. Drei Showtanzgruppen trainieren einmal wöchentlich, um jedes Jahr einen neuen Tanz zu präsentieren. Die „Schneeflöckchen“, die „Freezers“ sowie die „dollen Ollen“ sind fester Bestandteil der jährlich stattfindenden Fremdensitzungen, bei der die Aktiven außerdem ihre Büttenreden, Sketche oder musikalischen Stücke vortragen können. Zu den wichtigsten Veranstaltungen gehört einmal die Inthronisierung, bei der die Fürstenmannschaft bekannt gegeben wird, und zum anderen aber auch die nachfolgende Gardemusterung, bei der die Neulinge in die Garde aufgenommen werden. Das sogenannte Aktivenessen rundet die Kampagne ab, hier werden die Mitglieder eingeladen. Auch in puncto Gardetanz steht das „Nord-end“ anderen Vereinen mit nichts nach. Die Nachwuchsgarde die „Sternschnuppen“ und die „Nordendtanzgarde“ teilen sich die Freunde am Gardetanzen. „Ich bin schon seit ich ein Baby bin im Verein, da meine Mama selbst, seitdem sie ein Kind war dabei ist“, berichtet Laura, die schon jahrelang das Tanzbein schwingt. „Ich liebe am Gardetanzen, dass es nicht allein auf mich, sondern auf uns alle ankommt. Meine Tanzkolleginnen in der Gruppe sind meine Freunde“, sagt Jana, die schon als kleines Kind ein Teil einer Tanzgruppe ist.

Der Verein wird bei seinen Veranstaltungen und Einmärschen musikalisch von den „Musikfreunden Nordend“ begleitet und unterstützt. In den Sitzungen begeistern die „Straßensänger“ die Gäste mit ihren selbstgeschriebenen Texten auf alte und neue Schlager. Diese kritisieren politische Themen und bringen das Publikum damit zum Schmunzeln. „Am meisten machen mir die Texte für die Fürstenmannschaft Spaß, weil wir jeden dabei auf die Schippe nehmen oder etwas lustiges aus ihrem Leben erzählen.“, berichtet Joachim, der Gitarrist der Gruppe.

In diesem Jahr wird das „Nord-end“ von „Fürstin Tina (Tina Grammann) der 70. vom Hohen Norden“ mit ihren Adjutanten Ingo Bott und Matthias Krönung regiert. „Die Idee einmal im „Nordend“ zu regieren, haben wohl viele Vereinsmitglieder schon gehabt. Je älter man wird, umso mehr Verbundenheit hat man zum Verein und der Wunsch, den Traum wahr werden zu lassen, wird immer größer.“, so „Fürstin Tina“. Zur Frage, warum sie gerade dieses Jahr Fürstin des Nordends wurde, hatte sie sofort eine Antwort parat. Dieses Jahr feiere sie erstens ihre dreißigjährige Bühnenpräsenz, zweitens sei sie dieses Jahr die 70. Tollität im „Nordend“ und drittens feiere der Verein sein 95-jähriges Jubiläum. Zu den Aufgaben einer Fürstin gehört nicht nur gut auszusehen, Orden zu verteilen oder Reden zu halten. Nein, die Vorbereitung und Organisation vor der Kampagne haben es in sich: „Ich habe mit den Planungen bereits im April angefangen und durch die jahrelange Zugehörigkeit im Verein wusste ich auch was alles von der Fürstenmannschaft organisiert werden muss.“ Eine der wichtigsten Aufgaben einer Fürstin ist die Repräsentation des Vereins bei öffentlichen Veranstaltungen. Sie ist die Regentin in ihrer Kampagne und somit die höchste Persönlichkeit im „Nordend“. „Ich glaube für jede Fürstlichkeit ist wohl der Moment am größten, wenn Du auf Deinem RoMo-Wagen durch die Straßen von Fulda gefahren wirst und in die strahlenden Augen der Zuschauer blicken kannst.“ Natürlich braucht ein Verein eine organisierende und planende Hand, diese Aufgabe führt der Vorstand aus. Die Aufgaben bestehen darin, sich um die komplette Organisation zu kümmern. „Unser Verein ist kein reiner Fastnachtsverein, er ist ein Geselligkeitsverein“, erklärt der Vorstand. Daher werden auch nach der Faschingszeit Busfahrten durchgeführt. Kaum vorstellbar ist, dass die Kampagne nur ein kleiner Teil des Vereinsleben darstellt. Die Planung der Veranstaltungen und die ehrenamtliche Arbeit der Trainerinnen oder anderer Aktiver ist daher erwähnenswert, da dies sehr umfangreicher ist. Letztlich geht es im Vereinsleben um die familiäre Gemeinschaft und die Freude, zusammen Fastnacht zu feiern. „Mir macht nicht nur das Tanzen Spaß, sondern auch die Abende oder Tage an denen wir alle unterwegs sind und Spaß haben“, so eine Gardetänzerin.

Aus erster Hand: Fastnachtsreporterin Deborah Mack berichtet über die Fuldaer Foaset

Fastnachtsreporterin Deborah Mack im Einsatz-

Fulda - Mein Name ist Deborah Mack. Wir sind mittendrin in der Faschingszeit und deswegen will ich Ihnen die Fünfte Jahreszeit ein Stückchen näher bringen. Ich bin selber seit Jahren Mitglied in einem Verein, dem „GV Nordend“ und tanze auch schon von Anfang an in einer Tanzgruppe. Weil ich von Kindesbeinen an das Tanzbein geschwungen habe, kann ich heute sagen, dass Gardetanzen meine Leidenschaft geworden ist. Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich auf die anstehende Kampagne und die Tänze mit meiner Gruppe. Durch die Erfahrungen und die Eindrücke, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, besitze ich eine gute Grundlage, um ausführlichich darüber schreiben zu können. In den kommenden Artikeln stelle ich zunächst unseren Verein vor, anschließend berichte ich über die Tanzgarde, in der ich selber mittanze, und zum Schluss beschreibe ich ein typisches Faschingswochende des Nordends. Als Faschingsreporterin werde ich ich die „Fulda aktuell“-Leser durch die närrische Zeit bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Geschwister-Foto-Voting läuft an

Zwei Wochen lang können unsere Leser über das schönste Geschwister-Foto abstimmen. Wie das geht, steht im Artikel.
Geschwister-Foto-Voting läuft an

Toyota vom Parkplatz geklaut

Am Montag wurde ein Toyota Auris von einem Parkplatz eines Discounters geklaut.
Toyota vom Parkplatz geklaut

Wegweisendes Projekt: "take off" begleitet in Fulda Mütter mit Migrationshintergrund

Seit 2015 unterstützt der "AWO Kreisverband Fulda" Mütter mit Migrationshintergrund auf dem Weg in die Arbeitswelt / Von Vertrauen geprägte Atmosphäre
Wegweisendes Projekt: "take off" begleitet in Fulda Mütter mit Migrationshintergrund

„Aktion Generation – lokale Familien stärken“: Zwei Preisträger aus dem Kreis Fulda

Projekt "Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal" aus Ebersburg und die Gemeinde Nüsttal in Wiesbaden geehrt
„Aktion Generation – lokale Familien stärken“: Zwei Preisträger aus dem Kreis Fulda

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.