Für mehr Geld und Anerkennung: Diskussion zum Thema Pflegenotstand

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Diskutierten über das Thema Pflegenotstand (von links): Rainer Greunke („Hessische Krankenhausgesellschaft“), Kathrin Kleine („Eichhof Stiftung Lauterbach), Gastgeber Dr. Samir Al-Hami, Dr. Roland Strasheim ( „AOK Hessen“) und Dr. Thomas Menzel (Klinikum Fulda).

Am gestrigen Montagabend fand in der Münsterfeldhalle eine Diskussion zum Thema Pflegenotstand statt.

Fulda - Als „Anwalt des Pflegepersonals“ bezeichnete sich am Montagabend Dr. Samir Al-Hami, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Pflegenotstand. Der Geschäftsführer und Klinikinhaber des „Neuro Spine Centers“ hatte zu dieser Diskussionsrunde eingeladen. „Es ist kein neues Thema, die Situation verschlechtert sich seit 20 Jahren konstant“, meinte Al-Hami. Höhere Fallzahlen bei gleichbleibenden Pflegepersonal seien das große Problem.

„Krankenhäuser sind durch das Preissystem gezwungen wirtschaftlich zu arbeiten“, sagte Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor des „Hessischen Krankenhausgesellschaft“. Die Zahl der Ärzte sei gestiegen, diese Steigerung sei durch neue Arbeitsgesetze bedingt gewesen. Auch die neue Regularien seien gut gedacht, aber würden den bürokratischen Aufwand noch zusätzlich steigern. Greunke kritisierte Gesundheitsminister Jens Spahn stark: „Er brüstet sich mit den 500 Millionen Euro, die für mehr Pflegepersonal an die Krankenhäuser bereit gestellt werden sollen, aber verschweigt, dass die Krankenhäuser dafür 500 Millionen Euro an anderer Stelle gestrichen bekommen.“ Dem stimmte Dr. Roland Strasheim, Hauptabteilungsleiter Krankenhaus der „AOK Hessen“ zu. Er wünsche sich mehr Umsicht bei politischen Entscheidungen und weniger Geschwindigkeit. „Die Krankenhäuser wissen, was sie tun, die sparen nicht am falschen Ende“, so Strasheim.

Ebenfalls zur Diskussionsrunde eingeladen waren Dr. Thomas Menzel, Vorstand des Klinikums Fulda und Kathrin Kleine, Pflegedirektorin der „Eichhof-Stiftung Lauterbach“. Beide waren sich einig, dass es derzeit nicht zu wenige Pflegekräfte gebe. Die „Mehrarbeit“ durch höherere Fallzahlen würde durch neue Strukturen und erweiterte Berufsgruppen kompensiert. So hat das Klinikum Fulda beispielsweise einen Transportdienst, der Patienten von den Zimmern zu den Behandlungen bringt. „Um einen Patienten zu verlegen braucht man keine dreijährige Ausbildung“, so Menzel.

Das große Problem sei die Nachwuchsfindung. „Wir müssen eine Ausbildungsoffensive starten“, meinte Menzel. Kleine stimmte ihm zu. „Jedoch müssen die Pflegeberufe auch attraktiver werden“, war sich die Pflegedirektorin sicher und kritisierte, dass das Pflegepersonal zu wenig Einsatz für ihre Forderungen zeige. „Wann stehen Sie auf? Wann streiken Sie für Ihre Forderungen?“, fragte Kleine und machte sich dabei keine Freunde im Publikum, welches zum größten Teil aus Pflegepersonal bestand.

„Mehr Geld, mehr Anerkennung“, forderten einige Stimmen aus dem Publikum. Vorbei seien die Zeiten von Krankenschwestern, die mit einem roten Kreuz auf der Stirn auf den Stationen herumlaufen würden und dies aus Nächstenliebe täten. „Mehr Leistung muss honoriert werden“, so die Zuhörer.

Dieser Meinung war auch der Gastgeber des Abends: „Die Krankenhäuser brauchen mehr Geld für gutes Pflegepersonal.“

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