Mehr Gewalt gegen Polizeibeamte - Polizeipräsident Günther Voß: „Respektlosigkeit wächst“

Osthessens Polizeipräsident Günther Voß im Gespräch über die zunehmende Gewalt gegen Rettungskräfte und Polizisten.

Osthessen - In der Silvesternacht gab es vermehrt Angriffe gegen Polizei und Rettungskräfte. Berlin, Leipzig Stuttgart – dort wurden Polizeibeamte beschimpft, bespuckt und mit Silvesterböllern beworfen. In Osthessen gab es keine derartigen Vorfälle, jedoch hat „Fulda aktuell“ den Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Osthessen, Günther Voß, sowie den Polizeipressesprecher Martin Schäfer zu den Vorfällen befragt.

Fulda aktuell:  Ist bundesweit eine steigende Zahl von Gewaltfällen gegen Polizeibeamte zu erkennen?

Günther Voß: Die Anzahl der Fälle von Gewaltanwendung gegen Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Rettungsdienste steigt seit Jahren an. Bedenklich ist darüber hinaus auch die wachsende Respektlosigkeit gegenüber diesem Personenkreis.

FA: Was könnte ursächlich dafür sein?

Voß: Ursächlich für diese Tendenz beziehungsweise für gesellschaftliche Veränderungen dürften verschiedene Faktoren sein. Einzelne Ursachen aufzuzählen, würde an dieser Stelle der Problematik nicht gerecht werden.

FA: Ist das ein „deutsches“ Problem oder sind solche Vorfälle europa- beziehungsweise weltweit zu beobachten?

Martin Schäfer: Das kann ich im Einzelnen nicht beurteilen. Wenn man aber die Nachrichten in den Medien verfolgt, entsteht durchaus der Eindruck, dass nicht nur Deutschland betroffen ist.

FA: Wie können sich Polizeibeamte im Dienst schützen?

Voß: Aus- und Fortbildung, die persönliche Schutzausrüstung der Beamtinnen und Beamten sowie beispielsweise der Einsatz der sogenannten Bodycam unterliegen einer ständigen, an den Erfordernissen angepassten, Aktualisierung und Optimierung. Damit wird einerseits der passive Schutz der Kolleginnen Kollegen erhöht und andererseits dazu beigetragen, dass das Ansehen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter generell in der Bevölkerung positiv bewertet wird. Daneben hat der Gesetzgeber im vergangenen Jahr durch gesetzliche Änderungen zu einer Strafverschärfung beigetragen. Gesellschaftliche Änderungen beziehungsweise Entwicklungen, die zu den vorgenannten Problemen beitragen, lassen sich damit aber nur bedingt beeinflussen.

FA: Wie werden Polizeibeamte auf solche Einsätze, bei denen sie gewalttätigen Menschen gegenüberstehen könnten, vorbereitet?

Schäfer: Wie bereits beschrieben, unterliegt die Aus- und Fortbildung einer ständigen Entwicklung. Neben dem taktisch richtigen Vorgehen, werden die Kolleginnen und Kollegen auch in kommunikativen Elementen sowie dem Umgang mit besonderen Gefahrensituationen geschult.

FA: Haben solche Ausschreitungen gegebenenfalls psychische Folgen auf die Beamten und falls ja, wie wird den Beamten geholfen?

Voß: Einsätze und gefährliche Situationen werden grundsätzlich nachbereitet, bei Bedarf auch Einzelgespräche mit den Betroffenen geführt. Darüber hinaus stehen den Bediensteten der Polizei in Hessen neben geschulten Ansprechpartnern in den Behörden mit dem zentralen Polizeipsychologischen Dienst jederzeit kompetente Ansprechpersonen und dem Anlass entsprechende Hilfen und Programme zur Verfügung.

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