MeinunghochDrei: Der Boulevard-Becker

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Hans-Peter Ehrensberger, Christopher Göbel und Sabine Grebe zum "Enthüllungsbuch" von Ex-Tennisspieler Boris Becker.

"Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande." Wohl nirgendwo mehr als bei uns werden frei nach diesem Motto Idole demontiert. Erst hochgejubelt, dann aus den höchsten Höhen in die tiefsten Tiefen fallen gelassen. Michael Ballack, Lothar Matthäus, jetzt aktuell Boris Becker, um mal bei bekannten Ballsportler-Beispielen zu bleiben. Natürlich tragen zu einem bestimmten Image auch die genannten früheren "Sport-Heroen" selbst bei, die außerhalb ihres angestammten Terrains so gar nicht mehr helden-, vielmehr oft tölpelhaft in der Öffentlichkeit agieren. Dennoch geht das "Vollpfosten-Bild", das ihnen der Boulevard anzuheften versucht, zu weit. Es sind Menschen, die sich durch ihre Leistungen Verdienste erworben, unser Land weltweit repräsentiert haben. Und das sollte entsprechend gewürdigt werden.

Schmutzige Wäsche

Bumm-Bumm-Boris – schon zu Zeiten seines Wimbledon-Sieges war mir der backsteinblonde mit der anschlagenden Zunge unsympathisch. Und daran hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch nichts geändert. Trotzdem schade, wenn sich ein ehemals doch recht erfolgreicher Mann mit einem "Buch" über die Verhaltensweisen seiner Verflossenen selbst ins "Aus" schickt. "Ich bin stolz, Deutscher zu bin", hat er kürzlich gesagt. Das lässt tief blicken. Dann "Twitter"-Zoff mit Raab und Pocher – Sein Management hat es jedenfalls verstanden, die Marketingtrommel im Vorfeld so zu rühren, dass der Becker-Aufschlag in den Bestsellerlisten landete. Mal sehen, wann die angeprangerten Damen mit ihren eigenen Enthüllungen zum Return ausholen. Love-Fifteen ...

Thema verfehlt

Über was sollte ein Wimbledon-Sieger ein Buch schreiben? Wenn man Boris Becker heißt, fällt einem anscheinend nicht besseres ein, als alte Frauengeschichten abzufertigen. Und warum? Angeblich weil Becker es Leid war, das andere sein Leben beurteilen. Klingt logisch, nach einer Veröffentlichung ist ja schließlich noch nie jemand auf die Idee gekommen, dass Gelesene zu bewerten. Daher eine sehr glaubhafte Aussage vom ehemaligen Tennis-Star. Ein wenig hoffe ich auf leere Kassen, das wäre zumindest eine Begründung für diese unnötigen "Enthüllungen". Die Einzige, die das Buch vielleicht lesen sollte, ist Beckers Tocher Anna. Die würde dann ziemlich ungeschönt erfahren, dass die Nachricht von ihrer Empfängnis für ihren Vater eine "Horror-Nachricht" war.

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