MeinunghochDrei: Der Papst-Rücktritt

Glaubens-Bewahrer"Wir sind Papst"! Der Boulevard überschlug sich, als Joseph Ratzinger vor acht Jahren als erster Deutscher der Neuzeit

Glaubens-Bewahrer

"Wir sind Papst"! Der Boulevard überschlug sich, als Joseph Ratzinger vor acht Jahren als erster Deutscher der Neuzeit zum Pontifex Maximus, zum Oberhaupt von weltweit 1,3 Milliarden Katholiken gewählt wurde. Viele sahen in ihm nur eine Übergangslösung – ich nicht. Der deutsche Papst hat in seiner Amtszeit Akzente für die Zukunft gesetzt, hat viel für die Jugend, die Ökumene und die Aussöhnung mit anderen Religionen getan. Sichtbare Zeichen hierfür waren der Weltjugendtag in Köln, der Besuch der Blauen Moschee in Istanbul, die Begegnung mit Protestanten in einem Kloster in Erfurt und der Besuch des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz. Bei allem ist Benedikt auf die Menschen zugegangen, hat sich als kritischer, aber auch konservativer Geist und Bewahrer des Glaubens gezeigt.

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Was kommt nach?

Die dieser Tage verkündete Entscheidung Papst Benedikts XVI., das Pontifikat aus Altersgründen abzugeben, halte ich für mutig und sinnvoll. In den acht Jahren, in denen er den Heiligen Stuhl führte, hat sich in der katholischen Kirche nicht viel bewegt. Weder die Aufklärung der durch Priester und andere katholische Geistliche verübten sexuellen Missbrauchsfälle wurde aktiv vorangetrieben, noch hat sich etwas in Bezug auf den Zölibat oder Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche getan. Wer aber wird nun folgen? Der katholischen Kirche wäre zu wünschen, dass ein etwas progressiverer Papst gewählt wird, der den Mut hat, zumindest kleine Veränderungen vorzunehmen und die Katholiken dieser Welt in ein moderneres drittes Jahrtausend der Geschichte zu führen.

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Nichts als gute Worte

An die Ernennung des konservativen Kardinals aus Bayern in 2005 kann ich mich – wie wahrscheinlich jeder Deutsche – sehr gut erinnern. Meine Reaktion passte hervorragend zum Namen der südiranischen Stadt, in der ich gerade zum Urlaub weilte: Ahvaz (sprich: Achwas?). Die Überschrift eines kleinen Artikels aus der eher religiös geprägten Tageszeitung übersetzte unser Reiseleiter mit "Sie haben einen Hardliner zum Oberhaupt gewählt". Stolz und Zuversicht über einen Landsmann auf dem Heiligen Stuhl sind längst zu Enttäuschung verblasst. Denn außer mehreren Skandalen, zahlreichen Kirchenaustritten und ungelösten Problemen werden von "Benedictus XVI.", der Homosexualität einst als "Werk des Teufels" bezeichnete, nichts als "gute Worte" in Erinnerung bleiben.

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