Das Meinungs-Quartett: Der Busfahrer-Streik

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Die Redaktion zum Streik in Fulda, der vor allem Lehrer und Eltern aufgeregt hat.

Ein Verfassungsrecht

Wenn sich nach dem Warnstreik der Busfahrer Lehrer und Eltern stinksauer zeigen und über die "bösen Buben" beschweren, dann mag eine solche Reaktion im ersten Moment verständlich sein. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand und realistischem Reflektieren sollte man aber zu der Erkenntnis  gelangen, dass diese Arbeitnehmer – wie Millionen vor  und hoffentlich auch nach ihnen – "nur" (!) ihr verfassungs- und arbeitsrechtlich  verbrieftes Recht in Anspruch genommen haben. Und das ist gut so. Wer dann von Epressung durch die Gewerkschaft spricht, zeigt ein bedenklich gestörtes Verhältnis zu unserem Staat und der jahrelang gewachsenen Tarif-Autonomie.  Arbeitgeber und Arbeitnehmer befinden sich auf Augenhöhe. Schade, dass man das heutzutage noch explizit betonen muss.

Ein schwieriges Unterfangen

Wenn ich als Arbeitnehmer auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen bin, weil mir vielleicht kein Auto zur Verfügung steht, ist es ja schon sehr ärgerlich, wenn Bus oder Bahn Verspätungen haben. Wenn der Bus aber überhaupt nicht kommt... Das geht gar nicht: Chaos in der Stadt, weil viele auf’s Auto umsteigen mussten, frierende Kinder an den Haltestellen, da nicht alle Eltern vom Busstreik erfahren hatten. Dementsprechend fiel für einige der Kinder die Schule aus – eben weil der Bus nicht kam. Klassenarbeiten und Referate mussten verschoben oder teilweise gestrichen werden, weil in diesem Halbjahr nicht mehr viel Zeit für Arbeiten bleibt. Allerdings verstehe ich auch vollkommen, wenn Menschen für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden wollen und deshalb streiken, weil es keinen anderen Weg zu geben scheint.

Alternativen einplanen

Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss auch selbst dafür Sorge tragen, dass er von Ort A nach Ort B kommt, wenn Bus und Bahn einmal nicht verkehren. Der Warnstreik der Busfahrer in Fulda war angekündigt worden, so dass jeder Gelegenheit gehabt hätte, sich Alternativen auszudenken. Und wenn es um versäumten Unterricht geht – wer hätte in seiner eigenen Schulzeit nicht gerne ‘mal den Unterricht versäumt, weil der Bus nicht fuhr? Sehen wir es ‘mal so: Wenn man sich die Vertretungs – oder besser Ausfallpläne – vieler Schulen einmal ansieht, dann ist der von jetzt geäußerte Unmut über diesen einen Tag mit verminderter Schülerschaft nicht recht verständlich. Bedenken Sie: Die schlecht entlohnten Busfahrer sind diejenigen, denen Sie Ihre Kinder Tag für Tag anvertrauen.

Sinn erfüllt

Natürlich ist es für Eltern und Schüler ärgerlich, wenn Unterricht verpasst wird, weil der Weg zur Schule nicht bewältigt werden kann. Aber genau darum geht es doch bei einem Streik. Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, was passieren würden, wenn die Arbeiter, in diesem Falle die Busfahrer, ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Und die Realität zeigt ja auch, dass es anders nicht möglich ist. Jedem sollte bekannt sein, dass weder die Arbeitszeiten noch die Bezahlung im Beruf des Busfahrers unbedingt für die Wahl dieses Jobs sprechen. Fahrten bei jeder Witterung und gerade auch der Transport von Kindern zeugen von einem hohen Maß an Verantwortung, welches die Fahrer jeden Tag mit sich tragen. In anderen Berufszweigen wird sowas honoriert, bei Busfahrern aber noch  nicht.

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