Das Meinungsquartett: G 8 oder G9?

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Die Redaktion schreibt zum Thema "Freie Wahl ob 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur?"

Stromlinienförmig

Ich halte nichts davon, Kinder immer jünger ein- und auszuschulen, sie durch ein stromlinienförmiges Schulsystem zu schleusen  und sie dann – mit überflüssigem theoretischem Wissen vollgepumpt – auf die Berufswelt loszulassen. Meine Tochter durchlief das neunjährige Gymnasium, mein Sohn G 8. Letzterem blieb kaum noch Freizeit, die musischen und sportlichen Aktivitäten   mussten zurückgefahren oder ganz aufgegeben werden. Und auch für die Persönlichkeitsbildung und die Erweiterung des geistigen Horizonts bleibt bei einem für dreizehn Jahre konzipierten und dann in zwölf Jahre gepressten Stoffplan nur wenig Freiraum. Der Arbeitsmarkt  und die Rentenversicherungsträger mögen sich über längere Beitragszahler freuen, wenn die nicht früher Opfer von Burnouts werden. Das "Turbo-Abitur" war ein Schnellschuss – weg mit ihm!

Keine Umstellung im "laufenden Betrieb"

Ihr lieben Fünft-, Sechst- und Siebtklässler: Wenn ihr euch jetzt dazu entscheiden könntet, das Abitur doch erst nach neun Jahren und nicht nach acht zu machen – wäre das nicht super? So hättet ihr vielleicht doch ‘mal wieder Zeit für eure Freunde und eure Freizeitaktivitätet. Aber auf der anderen Seite müssen wir auch an die Lehrer denken. Wie soll denn weiter unterrichtet werden, wenn die Hälfte der Schüler plötzlich noch ein Jahr "dranhängen" und das Abi erst nach neun Jahren ablegen möchte? Neue Kurse? Neue gemischte Klassen? Für eine Rückkehr mit kompletten Jahrgängen braucht es eine Zustimmung der Eltern von 100 Prozent – somit wird dieser Fall wohl nur sehr selten eintreten. Deshalb birgt diese Regelung erhebliches Konflikt- und Frustrationspotenzial bei Schülern, Eltern und Lehrkräften in sich.

Mehr Geld in Bildung investieren

Unfrieden ist eigentlich die logische Folge, wenn es darum geht, dass die Eltern einer Schulklasse einstimmig entscheiden müssen, ob die gesamte Klasse zu G9 zurückkehrt. Jeder Elternteil möchte nur das Beste für sein Kind – und für den einen sind das zwölf, für den anderen eben 13 Jahre bis zum Abitur. Wie stellt sich das die schwarz-grüne Landesregierung vor? Sollen Klassenverbände aufgelöst und neue "Elite"- und "Schnecken"-Klassen entstehen, damit jeder das bekommt, was er möchte? Welchen Aufwand das für die Schulen bedeuten würde, kann man sich an einer Hand abzählen. Wenn die Landesregierung es schafft, endliche eine ordentliche Schulpolitik zu betreiben, mehr Lehrkräfte einzustellen und mehr Geld in die Bildung unserer Kinder zu investieren, dann könnte es klappen... könnte...

Worauf warten?

Der Gesetzesentwurf der schwarz-grünen Koalition in den laufenden G8 Jahrgängen bis zur siebten Klasse eine Rückkehr zu G9 zu ermöglichen, ist in der Anhörung  des Landtages auf breiten Widerstand gestoßen. Der Aufwand sei zu hoch. Fakt ist doch, dass die meisten mittlerweile den Vorteil eines schnelleren Abiturs nicht mehr sehen. Ich war noch nie für das G8 Konzept, deshalb kann ich den Rückkehrgedanken zu G9 nur befürworten. Allerdings glaube ich auch, dass damit nicht zu lange gewartet werden sollte. Natürlich ist ein Wechsel im laufenden Schulbetrieb nicht einfach. Aber wird es für die Beteiligten wirklich einfacher, wenn jetzt erst noch monatelang Konzepte ausgearbeitet werden und eine Rückkehr zu G9 erst in einem Jahr möglich wäre? Die Situation wäre doch die gleiche.

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