Das MeinungsQuartett: Olympia-Gigantismus

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Die Redaktion über die gestern Abend gestarteten Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Schneller, höher, weiter ...

Schneller, höher, weiter... das landläufige Motto bei Sportevents, das man in aller Regel auf Spitzensportler projiziert, muss bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi auf das "Drumherum" an-gewendet werden. Schneller wurde noch nie eine komplette Region zerstört, die einmalige Naturstruktur  samt "Ureinwohnern" und Wanderarbeitern plattgemacht. Höher waren die Kosten bei einer Winterolympiade noch nie – mit rund 50 Millionen US-Dollar so hoch wie bei allen anderen Spielen zuvor zusammen. Weiter lagen die Wettkampfstätten noch nie auseinander, vom subtropischen Schwarzen Meer bis in die Höhenlagen des Westkaukasus. Schneller, höher, weiter – das gilt vor allem aber für Putin, der sich für sein Prestigeprojekt von Nichts und Niemanden aufhalten ließ und lässt.

Warum Sotschi?

Ich muss zugeben, dass ich im Allgemeinen kein großer Fan von Sportveranstaltungen im Fernsehen bin und auch Olympische Spiele noch nie wirklich aufmerksam verfolgt habe. Ändern wird sich das mit den Winterspielen in Sotschi jetzt auf gar keinen Fall. Ich kann nicht verstehen, warum die Olympischen Winterspiele in Russland ausgetragen werden. Trotz aller Kritik, den Menschenrechtsverletzungen und den Debatten über Naturzerstörung,  Korruption, Homophobie und Gigantismus. Es ist die teuerste Sportveranstaltung aller Zeiten und eine riesige Werbeveranstaltung für das System Putin.  Und dennoch: Von heute an wird sich alles um die Sportler drehen und der Wintersport wird im Vordergrund stehen. Das ist die Eigendynamik der Olympischen Spiele. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Angst und Neid statt Fairness und Leistung

Ich kann die Einstellung westlicher (Spitzen-)Politiker nur anerkennen, die sich von Sotschi fernhalten. Nicht, weil ihnen die Sportler nicht wichtig seien, sondern weil Russland unter Putin zu einem Land geworden ist, in dem – wie zu Zeiten des Sozialismus – Angst und Menschenrechtsverletzungen zum täglichen Leben der Russen gehören. Auch dass Abermillarden Euro in diese Spiele gepumpt werden, während in den meisten Regionen des riesigen Russlands Entbehrung, Hunger und Armut herrschen, schürt Neid. Das ist aber leider bei anderen sportlichen Großereignissen nicht anders – siehe die kommenden Fußball-Weltmeisterschaften.  Präsident Wladimir Putin drückte "Sotschi 2014" aber genau so durch, wie er es wollte. Nichts anderes war zu erwarten bei dem Regierungsstil, den dieser Mann an den Tag legt.

Den Schein wahren  

Bereits bei der Vergabe der Winterspiele an Russland war abzusehen, wie Putin diese nutzen würde. Wie so oft in der russischen Geschichte wird auch diese Großveranstaltung benutzt um vor allem eins zu machen: den Schein  wahren. Die ganze Organisation zielt darauf ab, der internationalen Presse zu zeigen, wie perfekt Russland ein solches Ereignis stemmen kann. Früher wurden Prachtstraßen errichtet um den Rest der Welt zu beeindrucken, heute sind es eben Wettkampfstätten. Ein Gang abseits der Prachtstraßen war damals ebensowenig erwünscht wie die heutige Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen und Umsiedelungen. Diese Art der Eigendarstellung mag in vergangenen Zeiten funktioniert haben, heute wirkt sie allerdings lächerlich. Täuschen lässt sich davon keiner.

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