Menschliche Hilfe und Schutz am Ende des Lebens

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Fulda/Berlin. Expertenanhörung in Berlin zum Thema Suizidhilfe mit Michael Brand und Chef der Deutschen Palliativstiftung Thomas Sitte.

Fulda/Berlin. Gleich zwei Vertreter aus Fulda spielten bei der Anhörung zum Thema Suizidbeihilfe im Berliner Reichstagsgebäude eine wichtige Rolle - der heimische Wahlkreisabgeordnete Michael Brand als Koordinator seiner Fraktion für dieses Thema und der Fuldaer Palliativmediziner und Chef der Deutschen PalliativStiftung, Thomas Sitte, als einer der zehn Experten auf dem Podium.

Brand hatte gemeinsam mit CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder zu der bislang größten Expertenrunde im Bundestag zu der wichtigen Frage eingeladen, wie rechtlich die Sterbehilfevereine und die organisierte Beihilfe zum Suizid gestoppt und statt dessen Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben gestärkt werden können.

Brand, der die Anhörung auch leitete, warnte nachdrücklich davor, dass eine Öffnung zu Hilfe bei Suizid über einzelne Menschen, darunter vor allem Schwache und Alte, unter Druck ihrer Umgebung bringen könne, solche Angebote auch gegen ihren eigenen Willen letztlich wahrzunehmen: "Wir dürfen keine Türen öffnen, die wir nicht mehr schließen können - und durch die Menschen hindurch gedrückt werden könnten, die das eigentlich gar nicht wollen", mahnte Brand.

Sitte berichtete aus seiner medizinischen Praxis als Palliativmediziner, dass er bislang über 1.000 Menschen mit Schmerzlinderung beim Sterben begleitet hat und hob hervor, dass kein einziger seiner oft zunächst verzweifelten Patienten am Ende den Weg zum Suizid gewählt habe, sondern das Sterben als letzten Abschnitt des eigenen Lebens, oftmals in vertrauter Umgebung von Familie oder Freunden, wählte. Die menschlich gebotene und tatsächlich auch mögliche Alternative sei das Begleiten von Sterbenden mit palliativer Schmerzlinderung und Zuwendung. "Menschen sollten nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterbe", betonte Brand.

Brand und Sitte waren sich mit allen anwesenden Abgeordneten und Experten einschließlich des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe darin einig, dass die Angebote der Palliativmedizin und der Hospize als echte Alternativen stark ausgebaut werden müssen.

Der Bundestag wird nach weiteren Beratungen am 13. November eine erste so genannte Orientierungsdebatte im Parlament zu diesem Thema führen und im nächsten Jahr über diese Frage von Leben und Tod am Ende des Lebens entscheiden. Dazu werden Anträge von Gruppen von Abgeordneten erarbeitet, die jeweils über Fraktionsgrenzen hinweg für ihre Lösungsvorschläge werben. Der Fuldaer Abgeordnete Michael Brand ist Vertreter einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Abgeordneten, die einen konkreten Ausbau der guten Alternativen und ein weitgehendes Verbot der organisierten Beihilfe zum Suizid zum Beispiel durch so genannte Sterbehilfevereine auf den Weg bringen will.

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