Michael Brand: "Suedlink"-Trasse wird nicht durch Osthessen führen

In Berlin läuft derzeit die Pressekonferenz mit Präsentation der "Suedlink"-Trassenvariante / Über Westniedersachsen, Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und Baden-Württemberg 

Region - „Die Suedlink-Trasse durch Osthessen ist vom Tisch! Ich bin tief erleichtert, dass dieser Kelch an unserer Region vorbeigeht. Verdammt hartnäckiger Einsatz und gute Argumente haben zum Erfolg geführt“. Dies hat der osthessische Bundestagsabgeordnete Michael Brand (Fulda) am Donnerstagsmorgen nach einem Gespräch mit den Projekt-Verantwortlichen in der Berliner Hauptstadt-Repräsentanz mitgeteilt.

Vor Kurzem ist die Bundespressekonferenz in Berlin gestartet mit dem TenneT-Leiter Netzausbau, Christoph Schulze-Wischeler. Denn ab 28. Februar bis Ende März werden nun nacheinander alle fünf Abschnitte der kompletten Suedlink-Trasse von TenneT bei der Bundesnetzagentur nach Paragraf 8 NABEG beantragt.

„Das jahrelange Tauziehen zeigt auch, dass man angeblich "in Stein gemeißelte" Pläne ändern kann: Erdverkabelung sollte angeblich nicht möglich sein - sie kommt! Die Trasse durch Osthessen war gesetzt - sie kommt nicht!", so Brand. Und weiter: "Ich erinnere mich sehr genau, als ich im Oktober 2014 zu einem Runden Tisch mit den betroffenen Gemeinden und Städten, der Bundesnetzagentur und dem TenneT-Chef ins Fuldaer Landratsamt geladen hatte und die falschen Pläne beinhart durchgezogen werden sollten. Immer wieder wurde behauptet, das ginge nicht anders. Erst nach heftigem Widerstand haben sich die Argumente durchgesetzt, der Bundestag hat die Erdverkabelung durchgesetzt und die Planung auf bessere Füße gestellt".

Brand: "Es gibt fachlich sehr überzeugende Gründe gegen eine Stromtrasse durch Osthessen: die Überbündelung im Bereich Fulda (Autobahn, Bundesstraße, ICE-Trasse, Salzabwasserleitung K+S, Gaskorridor) und die geringeren Raumwiderstände in Thüringen sprechen klar für die Thüringen-Variante.“

Woide: "Nicht zurücklehnen"

Auch Landrat Bernd Woide gab ein Statement zur Trassenführung ab: "Natürlich ist die heute verkündete Planungsentscheidung von Tennet, in erster Linie mit dem Vorschlagskorridor durch Thüringen weiter zu planen und einen entsprechenden Antrag bei der Bundesnetzagentur einzureichen, positiv zu bewerten. Aus der Sicht des Landkreises hat Tennet damit zu Recht gewürdigt, dass im Landkreis Fulda eine Vielzahl von Raumwiderständen existieren, die eine Realisierung von Suedlink unmöglich machen: die Gasleitung und die K&S-Salzwasserableitung, die Autobahn, die ICE-Bahnstrecke, deren Ausbau Fulda-Frankfurt noch zusätzlich ansteht, die bestehende Stromtrasse sowie die Planung einer neuen 380-kv-Leitung. Der Landkreis Fulda ist mit Infrastrukturtrassen überbündelt, und damit haben wir auch stets argumentiert. Dennoch kann man sich angesichts des weiteren Verfahrens nicht zurücklehnen. Denn auch im gegenwärtigen Planungs- und Genehmigungsprozess ist der Weg durch den Landkreis Fulda noch immer ein Alternativkorridor – und damit weiterhin im Verfahren. Wir werden daher die Bundesfachplanung kritisch begleiten und unsere Stellungnahmen dazu abgeben."

Nachfolgend das Pressestatement von SuedLink:

"Die Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW haben heute den Vorschlagskorridor für die Gleichstromverbindung SuedLink vorgestellt, den sie der Bundesnetzagentur Ende Februar zur Entscheidung vorlegen werden. Dieser Korridor ist das Ergebnis umfangreicher Detailuntersuchungen und soll von Schleswig-Holstein über Westniedersachsen, Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und Baden-Württemberg verlaufen.

„Durch die detaillierten Untersuchungen der möglichen Korridorvarianten haben wir nun einen konkreten Erdkabelkorridor ermittelt, der Mensch und Natur so gering wie möglich belastet. Damit sind wir jetzt auf der Zielgeraden zum tatsächlichen Korridorverlauf von SuedLink“, sagte Manon van Beek, Vorstandsvorsitzende von TenneT, und appellierte: „Der Netzausbau braucht die Unterstützung der Politik auf allen Ebenen und gesellschaftliche Akzeptanz. Beides ist der Schlüssel, um SuedLink und die gesamte Netzinfrastruktur zu einem Energiewendenetz umzuwandeln.“

Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW, sagte: „Transparenz ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Das werden wir in den nächsten Wochen bei zahlreichen Dialogveranstaltungen umsetzen und der Öffentlichkeit Einblick in die gesetzlich festgelegte Methode und deren Kriterien bieten, die dem heute präsentierten Vorschlag zugrunde liegen.“

Um Bürgern, Gemeinden und anderen Interessierten vorab die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlichen TenneT und TransnetBW die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor und zum Korridornetz auf den Projektwebseiten www.suedlink.tennet.eu sowie www.transnetbw.de/suedlink bereits vor Einreichung der Unterlagen bei der Bundesnetzagentur. Außerdem informieren die Übertragungsnetzbetreiber ab dem 25. März die Bürger vor Ort über den Planungsstand und die nächsten Schritte im Genehmigungsverfahren (Termine werden zeitnah auf den Webseiten der Übertragungsnetzbetreiber veröffentlicht). Die Bundesnetzagentur wird die Unterlagen nach der Prüfung der Vollständigkeit öffentlich auslegen. Dann wird auch die formelle Beteiligung durch die Behörde starten.

Hintergrund zum Verfahren: 2017 hatten TenneT und TransnetBW ein ganzes Netz möglicher Korridorabschnitte identifiziert, die für eine detaillierte Untersuchung geeignet waren, darunter eine gesetzlich vorgeschriebene durchgehende Korridoralternative. Die Bundesnetzagentur hatte auf dieser Basis die zu untersuchenden Erdkabelkorridore und die dafür notwendigen Gutachten festgelegt. Danach hatten TenneT und TransnetBW in den vergangenen Monaten diese Korridorvarianten – insgesamt rund 2.000 Kilometer – anhand von ca. 150 Kriterien detailliert untersucht und bewertet. Auf dieser Basis wiesen die Übertragungsnetzbetreiber nun den Vorschlagskorridor als den nach Abwägung aller Untersuchungen aus ihrer Sicht am besten geeigneten Korridor sowie weitere Korridorvarianten (Korridornetz) aus.

Auf Basis dieser Unterlagen und des offiziellen Beteiligungsverfahrens entscheidet die Bundesnetzagentur voraussichtlich Ende 2019 über den tatsächlichen Korridorverlauf von SuedLink."

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